# taz.de -- Migrant*innen in Ceuta: Entsetzen über Merz' Solidarität mit Meloni
       
       > Im Migrationschaos von Ceuta sprang die Bundesregierung den rechten
       > Kritiker*innen der spanischen Regierung bei. Der Unmut darüber
       > wächst.
       
 (IMG) Bild: Was läuft da zwischen Merz und Meloni? Die italienische Ministerpräsidentin im Juni im Kanzleramt
       
       An der Reaktion der Bundesregierung auf das Migrationschaos in Ceuta gibt
       es immer mehr Kritik. Nicht nur Grüne und Linke sind entsetzt darüber, dass
       Kanzler Friedrich Merz (CDU) [1][einen Brief unterzeichnet hat], der die
       spanische Regierung massiv angreift. Auch in der mitregierenden SPD gibt es
       Unmut.
       
       Aus dem angrenzenden Marokko waren am Donnerstag der vergangenen Woche
       zehntausende Migrant*innen in die spanische Exklave Ceuta gekommen, die
       sich auf der afrikanischen Seite der Straße von Gibraltar befindet. Dabei
       starben wohl über 70 Menschen, viele von ihnen ertranken beim Versuch,
       Grenzabsperrungen zu umschwimmen. Weil die Grenze zu Ceuta eigentlich hoch
       gesichert ist, spricht viel dafür, dass Marokko die Menschen gezielt
       passieren ließ, [2][um politischen Druck auf Spanien aufzubauen.]
       
       Auf ähnliche Weise haben [3][auch die Türkei und Belarus] in den letzten
       Jahren schon versucht, EU-Staaten unter Druck zu setzen. Die damals
       betroffenen Länder wie Griechenland oder Polen erfuhren stets große
       Solidarität der anderen EU-Staaten, selbst wenn sie die Migrant*innen
       mit brutalster Gewalt zurücktrieben. Das ist dieses Mal anders. Obwohl die
       spanischen Behörden die Lage schnell unter Kontrolle hatten, schlug der
       Regierung von Premier Pedro Sánchez weiterhin massive Kritik entgegen.
       
       Besonders hervorgetan hat sich dabei die rechtsextreme italienische
       Ministerpräsidentin Georgia Meloni. Einen von ihr initiierten Brief mit
       scharfer Kritik an Sánchez, unterzeichnete neben 21 anderen EU-Staatschefs
       auch Bundeskanzler Merz. Und das, obwohl der Verdacht naheliegt, dass es
       Meloni vor allem um Selbstinszenierung und einen Angriff auf das
       progressive Projekt von Sánchez geht. Dessen Regierung setzt zwar gegenüber
       Geflüchteten teils weiterhin auf Abschottung, beschloss zuletzt aber auch
       die Regularisierung von Hunderttausenden Menschen, die bislang ohne legalen
       Aufenthalt in Spanien gelebt hatten.
       
       ## Selbst aus der SPD kommt Kritik
       
       Entsprechend groß ist nun bei der Opposition in Berlin das Befremden über
       die Haltung der Bundesregierung. Der innenpolitische Sprecher der
       Grünen-Fraktion, Marcel Emmerich, sagte der taz, die Reaktion der
       Bundesregierung, sei „weder souverän noch europäisch“. Und weiter: „Es ist
       beschämend, wie wenig die vielen Todesopfer, darunter Kinder, für die
       Bundesregierung eine Rolle spielen.“ Dass sich die EU-Länder so schnell
       gegeneinander aufbringen lassen, „spielt den Feinden der europäischen Idee
       in die Hände“.
       
       Tatsächlich scheint es durchaus möglich, dass hinter dem zehntausendfachen
       Grenzübertritt nicht nur die marokkanische Regierung steckt. Die
       US-Regierung von Donald Trump unterhält gute Kontakte zur marokkanischen
       Regierung – und liegt im offenen Streit mit Sánchez, seit dieser den
       US-Streitkräften die Überflugrechte für ihren Krieg gegen Iran verweigerte.
       Der US-Präsident nutzte die Bilder der nach Ceuta strömenden
       Migrant*innen jedenfalls sofort für ätzende Warnungen vor einer Invasion
       der Migranten. Auch von russischen Staatsmedien und zahlreichen
       rechtsextremen Parteien europaweit wurden die Szenen für Propagandazwecke
       ausgeschlachtet.
       
       Die innenpolitische Sprecherin der Linken, Clara Bünger, sagte der taz: „Es
       ist erschreckend, wie schnell der Tod von mehr als 70 Menschen
       international für rechte Stimmungsmache und geopolitische Machtspiele
       instrumentalisiert wird.“ Deshalb sei der Kurs der Bundesregierung umso
       beschämender: Statt Mitgefühl zu zeigen und über sichere Wege und eine
       gemeinsame europäische Lösung zu sprechen, stelle sich Bundeskanzler Merz
       an die Seite von Meloni und den Ultrarechten. Dies liefere „Rückenwind“ für
       alle, die am „autoritären Umbau“ Europas arbeiteten.
       
       Auch in der mitregierenden SPD-Fraktion wird der Unmut lauter.
       SPD-Vizekanzler Lars Klingbeil hatte sich schon am Samstag hinter Sánchez
       gestellt und gesagt: „Gerade in solchen Situationen darf Europa sich nicht
       auseinanderdividieren lassen“. Am Montag wurde der außenpolitische Sprecher
       der SPD-Fraktion, Adis Ahmetovic, noch etwas deutlicher: „Die Botschaft
       muss klar sein: Die territoriale Integrität Spaniens bleibt gewahrt, und
       als EU lassen wir uns nicht spalten. Dafür sind Entschlossenheit nach außen
       und Solidarität nach innen erforderlich.“
       
       3 Aug 2026
       
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