# taz.de -- Wassermangel in der Donau: Ungarn schaltet AKW Paks komplett ab
> Da die Kühlung des Kraftwerks nicht mehr gesichert ist, gibt es Probleme
> bei der Stromversorgung in Ungarn. Auch andere Donauanrainer kämpfen mit
> den Folgen.
(IMG) Bild: Zu wenig Kühlwasser: AKW Paks in Ungarn am 31. Juli
Ungarn muss wegen Tiefstständen der Donau sein einziges Atomkraftwerk Paks
herunterfahren. Denn die Kühlung kann so nicht mehr gewährleistet werden,
wie Ministerpräsident Péter Magyar am Freitag erklärte. Die Produktion ist
bereits in den Vortagen schrittweise gedrosselt worden, nun sei die völlige
Abschaltung unausweichlich.
Schon während der Hitzewelle ab Ende Juni wurden in der Donau vor dem
Kraftwerk 25 Grad gemessen, woraufhin die Stromproduktion gedrosselt wurde.
Nun aber muss das 1982 eröffnete und [1][100 Kilometer südlich von Budapest
gelegene AKW] erstmals vollständig abgeschaltet werden. Ein
Sicherheitsrisiko besteht dadurch laut Regierung und Experten nicht,
allerdings könnte Ungarn Probleme mit seiner Stromversorgung bekommen.
Paks erzeugt knapp die Hälfte des ungarischen Stroms. Freitagvormittag
produzierte das AKW laut Magyar nur 960 Megawatt statt 2.000. Bis Montag
soll dieser Wert auf null fallen, dann stehen alle vier Kraftwerksblöcke
still. Zusätzlich fiel wegen eines technischen Defekts auch das
Gaskraftwerk Dunamenti teilweise aus. Die ungarische Regierung spricht von
einer schwierigen Lage, sieht den Strombedarf aber durch Importstrom
gedeckt. Das Gaskraftwerk soll planmäßig ab Sonntag wieder mit voller
Kapazität laufen.
## Donauschifffahrt ruht, Kleinstadt ohne Trinkwasser
Schiffe und Lastkähne auf der Donau stehen vielerorts still. Zudem sind
Tausende Menschen in Szentendre, einer Kleinstadt nördlich von Budapest,
ohne Trinkwasser. Die Situation dürfte sich angesichts von fast 40 Grad und
ausbleibenden Niederschlägen weiter verschärfen. „[2][Wir müssen uns auf
dauerhafte Wasserknappheit einstellen], da in den kommenden Tagen in den
Einzugsgebieten der Donau und der Theiß kein Niederschlag zu erwarten ist“,
sagte Umweltminister László Gajdos am Freitag.
Die ungarische Regierung will nun den Energieverbrauch von Großabnehmern
überprüfen. Magyar forderte Industrie und Bevölkerung auf, ihren Wasser-
und Stromverbrauch zu reduzieren. Gesetzliche Einschränkungen gibt es aber
vorerst nicht. Außenministerin Anita Orbán werde zudem Kontakt zu den
Nachbarländern aufnehmen, um Lösungen zu finden. Auch andernorts sind Teile
der Donau nicht mehr schiffbar. Bereits am Dienstag musste ein auf Grund
gelaufenes Kreuzfahrtschiff vor der bulgarischen Stadt Widin evakuiert
werden.
## Stromknappheit auch in Österreich und Rumänien
Die elf österreichischen Donauwasserkraftwerke erzeugen aufgrund des
Tiefwassers deutlich weniger Strom als üblich um diese Jahreszeit. Vom
Kraftwerksbetreiber Verbund heißt es gegenüber dem ORF, die Stromversorgung
sei aufgrund von Alternativen wie Photovoltaik, Pumpspeichern und
Gaskraftwerken gesichert.
Auch Rumänien musste am AKW Cernavodă einen von zwei Reaktorblöcken
herunterfahren. Ein zweiter könnte folgen, falls der Pegel der Donau weiter
sinkt. Die österreichische Umweltschutzorganisation Global 2000 wertet die
Vorfälle als Beleg dafür, dass die Klimakrise zunehmend zum Sicherheits-
und Verfügbarkeitsrisiko für Atomkraft wird. Sie forderte die ungarische
Regierung auf, den von Russland mitfinanzierten Ausbau des Kraftwerks um
zwei weitere Blöcke zu überdenken.
31 Jul 2026
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