# taz.de -- Licht aus in Ungarns Hauptstadt: Donau-Niedrigwasser zwingt Budapest zum Energiesparen
> Wegen des Rekord-Tiefstands der Donau musste Ungarn ein Atomkraftwerk
> abschalten. In Budapest werden deshalb die Wahrzeichen der Stadt nicht
> mehr beleuchtet.
(IMG) Bild: Licht aus, Licht aus: Parlamentsgebäude in Budapest am 5. August
dpa/rtr | Budapest liegt im Dunkeln: Um in der Energiekrise Strom zu
sparen, hat Ungarn die Beleuchtung für seine Wahrzeichen wie das
neugotische Parlamentsgebäude, die Budaer Burg und die berühmte
Kettenbrücke abgeschaltet. Die anhaltende Hitzewelle und der historisch
niedrige Wasserstand der Donau zwingen das Land zu diesem Schritt. Der
Grund: Das einzige Atomkraftwerk des Landes ist für die Kühlung auf den
Fluss angewiesen. Wegen des Wassermangels [1][musste es am Wochenende
abgeschaltet werden] – erstmals seit Jahrzehnten. Ausbleibende Regenfälle
und die Hitze haben ähnlich wie am Rhein auch an der Donau für
Rekordtiefstände gesorgt. Die Temperaturen kletterten am Donnerstag in
Ungarn auf mehr als 40 Grad.
Während [2][Touristen] enttäuscht auf die Sparmaßnahmen reagieren, zeigen
viele Einheimische Verständnis für die Entscheidung. „Ich bin sehr
enttäuscht, denn man kommt vielleicht einmal im Leben nach Budapest“, sagte
die deutsche Touristin Silke Schneiders. „Ich bin gestern auf den Hügel
gestiegen und habe gewartet, dass das Gebäude beleuchtet wird. Aber es
passierte einfach nicht.“ Andere Besucher sehen es gelassener. „Klar ist
das Mist, aber ich kann wertschätzen, was ich hier habe. Also keine große
Sache“, meinte der Tourist Benjamin Thomas Tucker.
## Gute Zeit für Eintagsfliegen
Das Problem ist nicht auf Ungarn beschränkt. Auch in der rumänischen
Hauptstadt Bukarest wurde die Straßenbeleuchtung gedimmt und die
Beleuchtung von Wahrzeichen gestoppt. „Es scheint, wir sind wegen
schlechter Entscheidungen an diesem Punkt angelangt, angesichts der
Klimakrise, die wir seit Jahrzehnten erleben“, sagte der 25-jährige Mircea
in Bukarest.
Doch während die Menschen im Dunkeln tappen, gibt es einen überraschenden
Gewinner der Sparmaßnahmen: die Eintagsfliege. Die Insekten, die nach dem
Schlüpfen nur wenige Stunden leben, schwärmen derzeit zu Hunderttausenden
über der Donau. „Die Lichtverschmutzung ist für Eintagsfliegen gefährlich,
da sie von den Lampen am Flussufer angezogen werden“, erklärte György
Kriska, Professor an der Eötvös-Lorand-Universität (ELTE) in Budapest. „Das
Abschalten der Lichter ist der beste Weg, sie zu schützen.“ Die Lichter
der Stadt und die Schatten der Brücken irritieren die Tiere sonst bei
ihrem Paarungsflug. Die Folge: Statt ihre Eier über dem Wasser abzulegen,
stürzen sie am Ufer ab.
## Donau-Niedrigwasser legt in Ungarn die Flusskreuzer lahm
Der [3][durch Hitze und Trockenheit bedingte Rekordtiefstand der Donau] hat
den Verkehr der Flusskreuzfahrtschiffe auf dem Budapester Abschnitt des
Stromes zum Erliegen gebracht. „Kein Schiff kommt weiter als bis nach
Komárom“, sagte Lilla Lassu, Vizepräsidentin des Ungarischen Verbands der
Incoming-Unternehmen, dem ungarischen Fernsehsender RTL Klub. Komárom ist
ein Donauhafen, der rund 120 Kilometer flussaufwärts von Budapest liegt.
Die Passagiere würden dort in Busse umsteigen, die sie zu ihren
Besichtigungsprogrammen oder zum Flughafen der ungarischen Hauptstadt
bringen, fügte die Fremdenverkehrsfunktionärin hinzu. Nach Darstellung des
ungarischen Verkehrsministeriums liegen derzeit sieben internationale
Hotelschiffe im Donauhafen Komárom.
Der Pegelstand der Donau betrug am Donnerstagmorgen in Budapest nach
Angaben der Landeswasserdirektion gerade mal 23 Zentimeter. Den
Rekordtiefstand hatten die Messstellen in Budapest am letzten Sonntagabend
mit 9 Zentimetern verzeichnet.
## Für Hotelschiffe heißt es warten
Auch an den Budapester Anlegestellen sind Flusskreuzfahrtschiffe zu sehen.
Sie hatten die ungarische Hauptstadt noch vor dem dramatischen Absinken des
Pegelstands erreicht und sind nun zum Warten verurteilt. In den nächsten
Tagen sei zwar mit Niederschlägen zu rechnen, sagte eine Sprecherin der
Landeswasserdirektion zu RTL Klub, doch diese würden voraussichtlich nicht
ausreichen, um die Budapester Donau für die Flusskreuzer wieder passierbar
zu machen.
## Ein Felsen wächst sich zur Insel aus
Der niedrige Wasserstand legt derzeit die Pfeiler der Donaubrücken frei und
führt im Flussbett zur Entstehung von Inseln. Zu einer besonderen
Attraktion wurde der sogenannte Hungerfelsen (ungarisch: Ínség-szikla). Die
Steinansammlung nahe der Freiheitsbrücke ragt bei niedrigen Pegelständen
immer wieder aus dem Strom hervor. In diesen Tagen hat sie sich zu einer
veritablen Insel ausgewachsen. Einheimische und Touristen steigen darauf
herum.
Den Namen erhielt das Phänomen in früheren Jahrhunderten, als am Budapester
Donauufer Mühlen das Mehl für das Brot der Stadt mahlten. Das Auftauchen
des Hungerfelsens signalisierte den Budapestern, dass der Wasserstand für
den Betrieb der Mühlen nicht mehr ausreichte. Kein Mehl fürs Brot bedeutete
wiederum Hunger und Not.
## Auch dem Plattensee fehlt das Wasser
Die Trockenheit beeinträchtigt auch den Plattensee (ungarisch: Balaton),
den größten Binnensee Mitteleuropas. Fotos in den Medien zeigen
Segelschiffe und Jachten, die am Ufer feststecken und wegen des niedrigen
Wasserstandes nicht ausfahren können. Auch dieses Gewässer verzeichnet
derzeit Rekordtiefstände.
Selbst in normalen Zeiten ist der See durchschnittlich nur 3,2 Meter tief.
Derzeit seien es gerade mal 54 Zentimeter, schrieb das Nachrichtenportal
„444.hu“. Badende, die 50 Meter in den See hinauslaufen, würden immer noch
in nur knöcheltiefem Wasser stehen. Selbst Tretboote würden unbenutzbar im
Uferschlamm liegen.
## Im serbischen Banat brennt die Vegetation auf 300 Hektar
In Serbien wütet im Banater Dünenland östlich der Hauptstadt Belgrad ein
Vegetationsbrand. Die Flammen zerstörten bereits eine Fläche von 300
Hektar, berichteten serbische Medien unter Berufung auf das
Innenministerium. Zur Brandbekämpfung seien 80 Einsatzkräfte und 3
Helikopter des Innenministeriums aufgeboten worden. Deren Arbeit würden
nicht nur Trockenheit und Hitze erschweren, sondern auch Winde, die das
Feuer immer wieder weitertragen.
Das Banater Dünenland, auch „Banater Sandwüste“ genannt (serbisch:
Deliblatska Peščara), ist ein rund 300 Quadratkilometer großes Dünen- und
Waldgebiet in der serbischen Nordprovinz Vojvodina, das sich nördlich der
Donau erstreckt. Es besteht aus Wäldern, Grasland und offenen Sandflächen
und gilt als das größte zusammenhängende Sandgebiet in Europa. Es steht
unter Naturschutz und beherbergt rund 900 Pflanzenarten. Wegen seines
außergewöhnlichen Vogelbestands zählt es außerdem zu den bedeutendsten
Vogelschutzgebieten Europas.
6 Aug 2026
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