# taz.de -- AKW-Aus wegen Niedrigwasser: Atomkraft ist nicht mehr cool
> In Frankreich erzeugen AKW deutlich weniger Strom, weil das Kühlwasser
> der Flüsse zu warm ist. Auch in anderen Ländern wurden Anlagen
> gedrosselt.
(IMG) Bild: Sprengen nicht den Rasen, sondern den Fels: Rumänische Marinesoldaten erhöhten so den Wasserstand der Donau für das AKW Cernavodă
Atomkraftwerke in Frankreich, der Schweiz, Ungarn und Rumänien mussten in
den vergangenen Tagen ihre Produktion drosseln oder sogar einstellen – die
Kühlung der Anlagen lässt sich angesichts niedriger Wasserstände und hoher
Wassertemperaturen nicht mehr aufrechterhalten.
Betroffen sind primär jene Reaktoren, die nicht über Kühltürme verfügen,
sondern Kühlwasser direkt aus Flüssen nutzen. Eine solche Anlage mit zwei
Blöcken steht in Beznau in der Schweiz. Weil die Aare unterhalb des
Kraftwerks bereits am 24. Juni eine Wassertemperatur von 25 Grad erreichte,
wurde die Anlage vorübergehend auf 50 Prozent ihrer Leistung gedrosselt,
inzwischen steht sie komplett still.
„Technisch sind die hohen Wassertemperaturen der Aare für das Kraftwerk und
dessen Kühlung kein Problem“, sagt ein Sprecher der Betreiberfirma Axpo.
Vielmehr diene die Abschaltung dem Schutz des Ökosystems der Aare. Wenn
nach vollständiger Durchmischung des Kühlwassers mit der Aare eine
Temperatur von 25 Grad überschritten wird oder sich die Auslauftemperatur
dem maximal zulässigen Wert von 32 Grad nähert, muss der Wärmeeintrag laut
Umweltrecht reduziert werden, etwa durch eine Leistungsreduktion.
Die beiden anderen Kraftwerke in der Schweiz, Leibstadt und Gösgen, seien
derzeit nicht von Leistungseinschränkungen betroffen, heißt es bei der
Betreiberfirma Alpiq. Die Anlagen verfügen über Kühltürme.
In Frankreich wurde unterdessen das Kraftwerk Golfech zum Schutz der
Gewässerökologie der Garonne abgeschaltet. Außerdem wurde an den Standorten
Bugey, Nogent, Chooz, Saint-Alban und Blayais die Leistung vorübergehend
gedrosselt.
„Noch nie gab es so früh im Jahr so viele Produktionsausfälle“, sagt der in
Paris ansässige Atompolitikberater Mycle Schneider. Während der Hitzewelle
im Juni habe es in Frankreich einen Rekordverlust an verfügbarer Kapazität
von 8,5 Gigawatt gegeben – das waren 14 Prozent der installierten Leistung.
Bis Anfang August hätten sich die Ausfälle dieses Jahres bereits auf mehr
als vier Terawattstunden aufsummiert; bezogen auf die gesamte
Atomstromerzeugung in diesem Zeitraum sind das rund zwei Prozent.
## Drama an der Donau
Solche Werte hatte die Atomwirtschaft bislang nicht auf dem Schirm. Nach
Zahlen des französischen Stromkonzerns EDF lagen die Produktionsausfälle
aufgrund hoher Temperatur und niedrigem Wasserstand seit dem Jahr 2000
durchschnittlich bei gerade 0,3 Prozent. Ohne Anpassungen der Anlagen könne
der Wert bis 2050 auf rund 1,5 Prozent ansteigen, hatte es bislang
geheißen. Für diesen Zweck will EDF bis 2040 rund 600 Millionen Euro
jährlich investieren, insgesamt 8,7 Milliarden Euro.
Neben Leistungsreduzierungen zum Schutz von Flora und Fauna können auch
technische Gründe eine Abschaltung oder Drosselung eines Kraftwerks nötig
machen. Im ungarischen Paks zum Beispiel reiche schlicht der Ansaugstutzen
der Kühlwasserpumpen nicht weit genug hinunter, um angesichts des extremen
Niedrigwassers der Donau eine ausreichende Kühlung zu ermöglichen, erklärt
der deutsche Atomkraftverein Nuklearia.
Grundsätzlich sei selbst bei dem aktuellen Niedrigwasserstand noch
ausreichend Wasser vorhanden, um einen Leistungsbetrieb aufrechtzuerhalten.
Daher habe der Betreiber des Kraftwerks an der Donau bereits mit den
Planungen begonnen, die Entnahmestelle tiefer zu legen. Auf die Schnelle
hilft das aber nicht weiter – die Anlage wurde jetzt auf nur noch zwölf
Prozent ihrer Nennleistung gedrosselt.
Während in Bulgarien der Betrieb des Kraftwerks Kosloduj an der Donau von
Hitze und Trockenheit aktuell offenbar nicht betroffen ist, musste in
Rumänien die Produktion der Anlage Cernavodă ebenfalls gedrosselt werden.
Dort geht es primär um die Verteilung des Wassers zwischen zwei Donauarmen.
Nachdem das Militär nun einen Felsen sprengte, um mehr Wasser zum Kraftwerk
zu leiten, stieg dort der Wasserstand um immerhin zwei Zentimeter – was
etwas Luft verschafft.
Das kann aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass gerade an der Donau die
Situation extrem angespannt ist. Wie der Fachinformationsdienst Montel
berichtete, seien am Montag rund 40 Prozent der Atomkraft-Kapazität
Südosteuropas wegen Rekordniedrigwasserständen außer Betrieb gewesen.
Berater Mycle Schneider sieht das als ein Novum: Seiner Kenntnis nach sei
„die Situation an der Donau noch nie so dramatisch“ gewesen.
4 Aug 2026
## AUTOREN
(DIR) Bernward Janzing
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