# taz.de -- Donau-Dürre: Warum Rumänien einen Felsen sprengt
       
       > Die Donau führt derzeit nur ein Drittel der im Hochsommer üblichen
       > Wassermenge. Rumänien versucht, die Stromversorgung durch das AKW
       > Cernavoda zu sichern.
       
 (IMG) Bild: Außergewöhnliche Maßnahme: Wenn diese Sprengung nichts bringt, muss Rumänien sein AKW abschalten
       
       dpa | Zur besseren Wasserversorgung des Kernkraftwerks Cernavoda hat
       Rumäniens Armee im Bett eines Donau-Arms einen Felsen gesprengt. Das AKW
       bezieht sein gesamtes Kühlwasser aus der Donau, deren Wasserstand
       dramatisch gesunken ist. Das Kraftwerk droht in Ermangelung von Kühlwasser
       abgeschaltet werden zu müssen.
       
       Im Bett eines Donau-Arms bei Izvoarele, etwa 50 Kilometer flussaufwärts von
       Cernavoda, sprengten Soldaten den durch die Dürre freigelegten Felsen.
       Dessen Trümmer sollen binnen zwei Tagen mit Lastkähnen an eine bestimmte
       Stelle in einem Donau-Arm gebracht und versenkt werden, um dort den
       Wasserstand zu erhöhen, so dass mehr Wasser zum AKW Cernavoda im Osten des
       Landes gelangt.
       
       Verteidigungsminister Radu Miruta bezeichnete die Sprengung als Erfolg. Man
       hoffe, dass das AKW so genügend Wasser erhalte. Sicher sei in jedem Fall,
       dass dadurch die Donau-Schifffahrt erleichtert werde. Seit 30 Jahren habe
       die Armee erfolglos versucht, diesen Felsen in der Donau zu beseitigen.
       Sollte diese teilweise Fluss-Umleitung scheitern, müsse das AKW spätestens
       an diesem Donnerstag ganz abgeschaltet werden, sagte der Minister weiter.
       
       Bereits vergangene Woche war einer der zwei Reaktoren in Cernavoda wegen
       Kühlwassermangels heruntergefahren worden. Zunächst hatten die Behörden
       auch die Abschaltung des zweiten Reaktorblocks erwogen, dies aber
       schlussendlich unterlassen und die Umleitung von Donauwasser beschlossen.
       Die Donau führt derzeit nur ein Drittel der Wassermenge, die
       durchschnittlich in dieser Jahreszeit gemessen wurde. Es wird erwartet,
       dass der Wasserstand in den nächsten Tagen weiter sinkt.
       
       Das AKW Cernavoda produziert jährlich etwa 10 Millionen Megawattstunden
       Strom und somit 20 Prozent des rumänischen Bedarfs. Der erste Reaktor vom
       kanadischen Typ CANDU ging 1996 ans Netz, der zweite im Jahr 2007.
       
       ## Autobauer machen Produktionspause, um Strom zu sparen
       
       Angesichts drohender Engpässe bei der Stromversorgung unterbrechen die
       Autobauer Dacia und Ford ihre Produktion in Rumänien bis zum 19. August,
       wie Ministerpräsident Ilie Bolojan in Bukarest nach einem Krisentreffen mit
       Vertretern der Groß-Stromverbraucher aus der Industrie mitteilte. Weitere
       Unternehmen würden diesem Beispiel folgen.
       
       Dacia mit seinem Werk in Mioveni, 100 Kilometer nordwestlich von Bukarest,
       gehört zur Renault-Gruppe und ist Rumäniens größter Autobauer und
       Exporteur. Ford lässt im südwestrumänischen Craiova Autos und Nutzfahrzeuge
       montieren, baut dort zudem Motoren und stellt Batterien her.
       
       Ferner plant Rumänien eine Regierungsverordnung, die es erlauben soll, den
       Stromkonsum der Großverbraucher notfalls einzuschränken, sagte Bolojan
       weiter. In Rumänien herrsche eine Energiekrise, nicht nur, weil ein Reaktor
       im AKW Cernavoda abgeschaltet wurde, sondern auch weil die Wasserkraftwerke
       wegen der Dürre bedeutend weniger Strom produzierten als sonst, führte der
       Premier aus. Erste Appelle an die Bevölkerung zum Stromsparen hätten
       bereits ihre Wirkung gezeigt, der Konsum sei landesweit
       zurückgegangen.(dpa)
       
       ## Ungarn
       
       Ungarns einziges Atomkraftwerk ist trotz der historisch niedrigen
       Pegelstände der Donau [1][vorerst weiterhin in Betrieb]. Regierungschef
       Péter Magyar erklärte am Montag, es sei den Ingenieuren gelungen, die für
       den Betrieb einer Turbine erforderliche Kühlwassermenge zu reduzieren. Am
       Vortag hatte Magyar angekündigt, dass das gesamte AKW erstmals seit 44
       Jahren abgeschaltet werden würde.
       
       Das Atomkraftwerk Paks liegt rund 130 Kilometer südlich der Hauptstadt
       Budapest. Seine vier Reaktoren hatten ihre Leistung in der vergangenen
       Woche aufgrund des sinkenden Wasserstands durch ausbleibende Niederschläge
       und Hitzewellen schrittweise reduziert. Maygar erklärte nun, alle
       arbeiteten daran, den Betrieb aufrechtzuerhalten. Die Prognosen für die
       kommenden Tage seien „etwas optimistischer“ geworden.
       
       [2][Das AKW deckt normalerweise] ein Drittel des Strombedarfs Ungarns. Um
       das Energiedefizit auszugleichen, sollen große Industriekunden ihren
       Stromverbrauch freiwillig senken. Zudem will die ungarische Regierung auf
       Stromimporte zurückgreifen. Die Bevölkerung wird dazu aufgerufen, während
       der abendlichen Spitzenlastzeiten auf Strom zu verzichten. (afp)
       
       4 Aug 2026
       
       ## LINKS
       
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