# taz.de -- Abschiebeflug nach Afghanistan: Jetzt trifft es auch die Nichtstraftäter
       
       > Deutschland schiebt 31 Menschen nach Afghanistan ab, darunter auch
       > erstmals jemand ohne Straftat. Mehrere Hundert Menschen demonstrieren am
       > Flughafen.
       
 (IMG) Bild: Protest gegen die Abschiebung nach Afghanistan am Flughafen Leipzig/Halle am 27. 7. 2026
       
       Erstmals seit der Machtübernahme der Taliban hat Deutschland Menschen nach
       Afghanistan abgeschoben, [1][die weder Straftäter noch Gefährder sind].
       Früh am Dienstagmorgen hob der Abschiebeflieger am Flughafen Leipzig/Halle
       ab. Laut MDR sollte die Maschine über Trabzon in der Türkei nach Kabul
       fliegen.
       
       Noch bevor die Bundesregierung den Flug offiziell bestätigte, gab sie der
       Bild-Zeitung Details preis. Demzufolge seien 31 afghanische Männer
       abgeschoben worden. Es handele sich „weit überwiegend um schwere und
       schwerste Straftäter“, aber auch um „einen ausreisepflichtigen afghanischen
       Staatsangehörigen, der keine Verurteilung als Straftäter zu verzeichnen
       hat“. Das teilte Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) der
       Boulevardzeitung mit.
       
       Zudem seien bereits vergangene Woche drei afghanische Straftäter, offenbar
       unter Nutzung von Linienflügen, abgeschoben worden. Damit erhöht sich die
       von der schwarz-roten Bundesregierung zu den Taliban abgeschobenen Afghanen
       auf 204.
       
       Der bayerische Flüchtlingsrat nannte die Abschiebung nach Kabul einen neuen
       „Tabubruch“. Pro Asyl hatte schon zuvor von „entgrenzten Abschiebungen“
       gesprochen.
       
       ## Deal mit den Taliban
       
       Bei dem Flug am Dienstagmorgen handelt sich um die bisher sechste deutsche
       Sammelabschiebung, seit die Taliban im August 2021 wieder die Macht
       ergriffen. Den ersten führte noch die Ampelregierung durch, die fünf
       folgenden Schwarz-Rot. Die Grundlage für die Abschiebungen ist eine [2][im
       Detail unbekannte Vereinbarung mit dem Taliban-Regime] von Anfang 2026, die
       in Kabul von Beamten des Bundesinnenministeriums verhandelt und im Juni
       ergänzt wurde.
       
       Der Deal soll erlauben, dass Sammelabschiebungen nach Kabul per Charterflug
       „massiv hochgefahren“ werden, auf bis zu drei solcher Flüge pro Monat, wie
       das BMI bestätigt hat.
       
       Vorige Woche war über einen Erlass des hessischen Innenministeriums eine
       Mitteilung der Bundespolizei an die Bundesländer von Anfang Juli bekannt
       geworden, die die bisherige Beschränkung bei Abschiebungen auf Straftäter
       und Gefährder aufhebt. In dem Erlass wurden die für Abschiebungen
       zuständigen Behörden aufgefordert, bis zum 20. Juli die laufenden
       Abschiebevorgänge zu prüfen und „weitere danach in Betracht kommende
       Personen“ zu melden.
       
       Gleichzeitig, so die Bundesregierung weiter, bleiben die bisher bestehenden
       Kriterien – „männlich, volljährig, alleinstehend und vollziehbar
       ausreisepflichtig“ – bestehen. Die Bundesregierung beginnt damit
       umzusetzen, was sie in ihrem [3][Koalitionsvertrag] angekündigt hatte:
       Abschiebungen nach Afghanistan wieder aufzunehmen, „beginnend mit
       Straftätern und Gefährdern“, was bereits implizierte, dass es bei diesen
       Gruppen nicht bleiben werde.
       
       ## Proteste gegen die Abschiebung
       
       Mittlerweile erklärten sieben Bundesländer, bei der Ausweitung der
       Abschiebungen mitziehen zu wollen: Brandenburg, Sachsen-Anhalt, Sachsen,
       Thüringen, Hessen, Rheinland-Pfalz und das Saarland. Fast überall regieren
       dort CDU-geführte Koalitionen, mit Ausnahme Brandenburgs mit einer
       rot-schwarzen Koalition und der SPD-Alleinregierung in Saarbrücken. Weitere
       Bundesländer – darunter die bisherigen Hauptabschieber nach Afghanistan,
       Bayern und Baden-Württemberg – hielten es wohl nicht für notwendig, eine
       entsprechende Erklärung abzugeben.
       
       Der Flieger in Leipzig/Halle war laut MDR auf einem nur schwer einsehbaren
       Platz geparkt. Grund war offenbar, dass ein antirassistisches Bündnis zu
       Protesten aufgerufen hatte. Daran beteiligten sich am späten Montagabend
       260 Menschen, die unter starker Polizeibegleitung zur Abflughalle des
       Flughafens zogen.
       
       Eine Sprecherin des Bündnisses sagte dem MDR: „Während von allen Seiten
       [4][islamistische Gewalt in Bezug auf den CSD verurteilt wird], unterstützt
       die Bundesregierung mit ihren Deals die islamistischen Taliban.“ Die
       verüben weiter systematisch Gewalt gegen die afghanische Bevölkerung, vor
       allem Frauen und Mädchen, aber auch gegen Zwangsrückkehrer. Am Dienstag
       sollte in der Leipziger Innenstadt eine weitere Demonstration stattfinden.
       
       28 Jul 2026
       
       ## LINKS
       
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 (DIR) [2] /Abschiebungen-nach-Afghanistan/!6123786
 (DIR) [3] https://www.koalitionsvertrag2025.de/
 (DIR) [4] /Trauermarsch-nach-CSD-Anschlag-in-Berlin/!6199348
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Thomas Ruttig
       
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