# taz.de -- Das Bamf und seine Afghanistan-Politik: Klaffende Realitätslücke
> Die immer desolatere humanitäre Situation unter den Taliban müsste eine
> höhere Schutzquote für Afghani*innen bedeuten. Das Gegenteil ist der
> Fall.
(IMG) Bild: Eine Frau mit ihrer Tochter auf dem Vogelmarkt in Kabul: Erst letzte Woche zog das Taliban-Regime die Schraube bei den Frauenrechten weiter an
Zwischen der jüngsten deutschen Entscheidungspraxis bei Asylanträgen von
Afghanen und der desolaten Menschenrechtslage in ihrem Land klafft eine
Realitätslücke. Das belegt jetzt erstmals detailliert [1][eine Studie von
Pro Asyl] anhand 50 untersuchter Negativentscheide des
Flüchtlingsbundesamts Bamf aus 2024 bis 2026.
Bekannt war: Das Bamf ist noch restriktiver geworden. Offizielle Zahlen
zeigten, dass die Gesamtschutzquote für Menschen aus Afghanistan 2022 und
2023, also nach der erneuten Taliban-Machtübernahme im Jahr davor, bei 99
und 2024 immerhin noch bei 93 Prozent lag. 2025 sank sie abrupt um weitere
14 Prozent. Zudem berichteten Anwält*innen von immer unverständlicheren
Begründungen, mit denen das Amt jungen alleinstehenden afghanischen Männern
Asyl sowieso, aber selbst Abschiebeschutz versagt.
Eigentlich müsste eine niedrigere Schutzquote ja eine verbesserte
humanitäre Situation widerspiegeln. Aber das Gegenteil ist der Fall. Erst
letzte Woche zog das Taliban-Regime erneut auf unerträgliche Weise die
Schraube bei den Frauenrechten und [2][bei Kinderehen weiter an.]
Die Bamf-Entscheide, so Pro Asyl, verdrehen Kerntatsachen der Verfolgung.
Sie schreiben den Taliban „rationales Verfolgungshandeln“ zu und verkennen
ihre verbreitete „Willkür“. Das „Risiko von Folter oder erniedrigender
Behandlung“ werde kaum geprüft. Regelmäßig behauptet es, Abgeschobene
könnten ihr Auskommen durch lokale Auffangnetze sichern, obwohl diese nach
45 Jahren Krieg zum Zerreißen gespannt oder schon kollabiert sind – [3][bei
einer Armutsrate von fast 90 Prozent.]
Um Abschiebungen zu forcieren – eine politische Priorität – hofiert
Schwarz-Rot zudem [4][das Regime durch „technische“ Kontakte] und empfängt
[5][seine Diplomaten]. Für die Bundesregierung zählt Afghanistan besonders,
weil es 2025 wieder Hauptherkunftsland zu uns Geflüchteter war. Aber:
Asylbewerber sind keine Statistik, sondern Menschen. Was als „technisch“
bemäntelt wird, ist politisch. Und falsch.
22 May 2026
## LINKS
(DIR) [1] https://www.proasyl.de/wp-content/uploads/PolicyPaper_Afghanistan_final.pdf
(DIR) [2] /Neues-Scheidungsrecht-in-Afghanistan-Scheidung-wird-fuer-Frauen-fast-unmoeglich/!6179649
(DIR) [3] https://thruttig.wordpress.com/2026/04/24/lesehinweis-themenschwerpunkt-afghanistan-im-asylmagazin/
(DIR) [4] /Abschiebungen-nach-Afghanistan/!6123786
(DIR) [5] /Abschiebungen-nach-Afghanistan/!6175932
## AUTOREN
(DIR) Thomas Ruttig
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