# taz.de -- Kooperation mit Taliban: Ausweitung von Abschiebungen nach Afghanistan absehbar
       
       > Die Bundesregierung will auch Afghanen ohne Vorstrafen abschieben. Mit
       > Taliban-Vertretern zu kooperieren ist für die deutschen Behörden
       > inzwischen normal.
       
 (IMG) Bild: Abschiebeflieger 2019: Vor dem Fall Kabuls an die Taliban schob Deutschland schon einmal in großem Stil an den Hindukusch ab
       
       Die Hinweise verdichten sich, dass die Bundesregierung bald auch Afghanen
       ohne Vorstrafen abschieben will. Anzeichen hatte es schon in den letzten
       Wochen gegeben, als bekannt wurde, dass bereits mehrere unbescholtene
       Afghanen [1][in Abschiebehaft sitzen.] Nach taz-Informationen gibt es
       inzwischen bundesweit insgesamt sechs solcher Fälle, fünf Betroffene sitzen
       in Bayern ein, einer in Hessen.
       
       Am Mittwoch hatten verschiedene Medien mit Verweis auf die hessische
       Landesregierung berichtet, eine Beschränkung auf Kriminelle und Gefährder
       sei bundesweit aufgehoben worden. Das Bundesinnenministerium (BMI) teilte
       der taz am Donnerstag mit: „Weder das geltende Recht noch der
       Koalitionsvertrag sehen eine Beschränkung auf Straftäter vor.“
       
       Dabei sind auch schon die Abschiebungen von Vorbestraften und Gefährdern
       umstritten, angesichts der fortwährenden [2][Horrormeldungen aus
       Afghanistan.] Seit die islamistischen Taliban dort 2021 die Macht
       übernahmen, haben sie ein Terrorregime errichtet, das insbesondere Frauen
       massiv unterdrückt und gegen Proteste mit tödlicher Gewalt vorgeht.
       
       Vor 2024 hatte Deutschland deshalb überhaupt nicht nach Afghanistan
       abgeschoben. Seitdem aber erhöht sich die Frequenz der Abschiebeflieger
       kontinuierlich. Unter Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) wurden
       seit Frühjahr 2025 insgesamt 173 Straftäter und Gefährder zurückgezwungen.
       
       ## Pass? Bitte bei Taliban abholen
       
       Helen Rezene, Geschäftsführerin von Pro Asyl, kritisiert, dass Gefährder
       und Straftäter als „Türöffner“ genutzt worden seien, um zunächst
       Abschiebungsdeals mit den Taliban zu rechtfertigen. „Nach diesen
       Tabubrüchen droht nun immer mehr Menschen die Abschiebung nach
       Afghanistan.“ Und Rezene sagt: „Die Normalisierung des immer noch
       international geächteten Regimes wird billigend in Kauf genommen.“
       
       Tatsächlich hat die Bundesregierung den Taliban – gegen die sie vor wenigen
       Jahren noch Krieg führte – zuletzt erlaubt, weiteres diplomatisches
       Personal nach Deutschland zu schicken. De facto kontrollieren die
       Islamisten damit die afghanischen Vertretungen in Deutschland. Im Gegenzug
       bekam Innenminister Dobrindt von den Taliban eine Art Abschiebe-Flatrate:
       Bis zu drei Charterflieger sollen monatlich direkt nach Kabul gehen. Die
       deutschen Behörden führen abzuschiebende Afghanen inzwischen vor Abflug
       regelmäßig auch Taliban-Diplomaten vor, um deren Identität klären zu
       lassen.
       
       Aber auch Afghanen, [3][die einen Schutz- und Aufenthaltsstatus haben],
       werden von deutschen Behörden inzwischen genötigt, in Kontakt mit den
       Taliban zu treten. Und das ungeachtet der Tatsache, dass viele Afghanen
       überhaupt erst wegen der Islamisten nach Deutschland flohen. Konkret
       betroffen sind etwa Afghan*innen in Berlin, deren Pass abgelaufen ist.
       Sie werden von den Behörden regelmäßig an das afghanische Konsulat in der
       Hauptstadt verwiesen.
       
       Wie eine Anfrage des SPD-Abgeordneten Orkan Özdemir beim Berliner Senat
       zeigt, sehen die Behörden darin kein Problem. Die Senatsverwaltung für
       Inneres und Sport schreibt, Ausländer*innen seien nun mal
       „grundsätzlich verpflichtet, im Besitz eines gültigen Passes zu sein.“
       
       Özdemir sagt dazu: „Auf die Risiken für Betroffene und ihre Familien in
       Afghanistan geht der Senat praktisch gar nicht ein.“ Die Befürchtung ist,
       dass die Taliban Erkenntnisse an die Stellen in Afghanistan geben und so
       etwa Angehörige von geflohenen Oppositionellen ins Visier der Islamisten
       geraten. Özdemir berichtet, er bekomme „seit Wochen täglich Nachrichten“
       von Betroffenen, die sich nicht in die Konsulate trauten. Einige müssten
       deshalb erzwungenermaßen auf ihre Einbürgerung verzichten, die ihnen
       eigentlich zustehe, ohne gültigen Pass aber nicht möglich ist.
       
       23 Jul 2026
       
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       zeigen.