# taz.de -- 5 Jahre Taliban in Afghanistan: Enge Zusammenarbeit mit Islamisten
> Seit Ende Juli schiebt Deutschland auch nicht straffällige Männer nach
> Afghanistan ab. Die Behörden brauchen dafür die Erlaubnis von
> Taliban-Vertretern.
(IMG) Bild: Abschiebeflug nach Afghanistan mit einer Chartermaschine am 27. Juli dieses Jahres vom Flughafen Leipzig/Halle
Vor fünf Jahren schaute die Welt fassungslos zu, wie sich am Flughafen
Kabul verzweifelte Menschen von außen an Flugzeuge klammerten. Denn nach
der Machtübernahme der Taliban wollten Tausende Afghanistan um jeden Preis
verlassen. Inzwischen ist es die Afghanistanpolitik der Bundesregierung und
der Länder, die fassungslos macht.
Da ist etwa Faridoon Tofan, ein 46-jähriger Ingenieur. Er ist laut des
Flüchtlingsrats Berlin 2022 aus Afghanistan geflohen und lebt in
Brandenburg, wo er auch arbeitete. Aktuell sitzt er nach Angaben von
Amnesty International am Münchener Flughafen in Abschiebehaft – seit mehr
als drei Monaten. Er war zu einer Hochzeit in Rom gereist, und er habe
nicht gewusst, dass ihm das mit einer Duldung nicht gestattet sei. Ihm
droht nun die Abschiebung nach Afghanistan.
„Am 28. Juli hat [1][Deutschland erstmals eine Person nach Afghanistan
abgeschoben, die nicht strafrechtlich verurteilt] ist“, sagt Nina Alizadeh
Marandi, Juristin und Referentin für Asylpolitik bei Amnesty International
in Deutschland. „Die nächste Abschiebung ist für Ende August angekündigt“,
sagt sie. Amnesty befürchtet, dass Tofan mit diesem oder einem der
kommenden Flüge abgeschoben werden könnte.
„Afghanistan ist grundsätzlich kein sicherer Ort, auch nicht für Männer“,
sagt Alizadeh Marandi. Doch bei Tofan zeigten sich zusätzliche Hinweise auf
eine persönliche Verfolgung. „Herr Tofan musste sich vor seiner Flucht aus
Afghanistan über ein Jahr vor den Taliban verstecken. Nachdem er in
Abschiebungshaft einem Taliban-Vertreter vorgeführt wurde, haben Taliban
seine Familie, die noch in Afghanistan lebt, besucht“, berichtet die
Amnesty-Referentin.
## Taliban bedrohen die Familie
„Seine Söhne gehen seitdem aus Angst nicht mehr zur Schule“, sagt sie.
„Herr Tofan macht sich große Sorgen um seine Familie.“ Außerdem habe Tofan
sie mit seinem Gehalt finanziell unterstützt, das falle jetzt weg und
gefährde die Nahrungssicherheit seiner Angehörigen.
Der Flüchtlingsrat fordert, dass sich Brandenburgs Sozialminister René
Wilke (SPD) für einen Verbleib von Tofan in Deutschland starkmacht. Wilkes
Ministerium wiederum teilt mit, dass Brandenburg inzwischen für ihn nicht
mehr zuständig sei – [2][grundsätzlich befürwortete Wilke zuletzt
Abschiebungen].
„Abschiebungen nach Afghanistan stehen im Widerspruch zu den menschen- und
völkerrechtlichen Verpflichtungen Deutschlands“, kritisiert Alizadeh
Marandi. Insgesamt wurden im laufenden Jahr [3][118 Menschen] aus
Deutschland nach Afghanistan abgeschoben – darunter auch eine aus Berlin
und sieben aus Brandenburg. 2025 hatte Berlin vier Männer und Brandenburg
einen Mann dorthin abgeschoben. „Die deutsche Politik macht sich damit
erpressbar“, sagt Alizadeh Marandi. „Die Taliban lassen sich Rückführungen
politisch bezahlen – mit diplomatischer Aufwertung in Deutschland und
Europa.“
Denn die Taliban sind eng in jede Abschiebung eingebunden. Bevor deutsche
Behörden nach Afghanistan abschieben können, präsentiert die Bundespolizei
Mitarbeitern der afghanischen Botschaft die jeweiligen Personen, um von den
Taliban eine Erlaubnis dafür zu erwirken.
Wie das konkret aussieht, zeigte sich am 24. Juli in Berlin, als das
[4][Bundesamt für Migration und Flucht (Bamf) afghanische
Botschaftsmitarbeiter zu diesem Zweck in der Bamf-Außenstelle] in der
Badenschen Straße in Berlin empfing. Flüchtlingsinitiativen hatten mit
einer Kundgebung darauf aufmerksam gemacht, das Bamf bestätigt den Vorgang
auf Nachfrage. Laut Innenverwaltung ist dabei keine Person aus Berliner
Zuständigkeit abgeschoben worden.
## Nur „technische Gespräche“?
Bei den Anhörungen handele es sich um einen „üblichen Verfahrensschritt“,
das Bamf-Gebäude sei für die Maßnahme „geeignet“, teilt ein Sprecher des
Bundesinnenministeriums (BMI) dazu mit. Die Bundesregierung leiste damit
Amtshilfe, der Bund ermögliche damit den Bundesländern „regelmäßige
Rückführungen ausreisepflichtiger Personen nach Afghanistan“. Wie viele
Menschen und aus welchen Bundesländern dort präsentiert wurden, sagt das
BMI nicht und verweist auf die Länder. So zerfasert die Verantwortung.
Das BMI redet in diesem Zusammenhang von „technischen Gesprächen“ zwischen
dem Ministerium und „Vertretern der afghanischen De-facto-Regierung“. Dort
sind die Verantwortlichen weiterhin der Ansicht, dass aus „derartigen
Kontakten auf technischer Ebene“ noch „keine politische Anerkennung der
Taliban als rechtmäßige Regierung Afghanistans“ folge. Gerade dies zweifeln
Amnesty International und Flüchtlingsinitiativen stark an.
14 Aug 2026
## LINKS
(DIR) [1] /Abschiebeflug-nach-Afghanistan/!6199858
(DIR) [2] https://www.rbb24.de/politik/beitrag/2026/07/brandenburg-abschiebungen-afghanistan-taliban-wilke.html
(DIR) [3] https://dserver.bundestag.de/btd/21/068/2106802.pdf#page=2
(DIR) [4] /Das-Bamf-und-seine-Afghanistan-Politik/!6180793
## AUTOREN
(DIR) Uta Schleiermacher
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