# taz.de -- Rentenpläne der Regierung: Ein Kunstwerk mit leeren Stellen
       
       > Union und SPD loben die Arbeit der Rentenkommission und wollen deren
       > Vorschläge komplett umsetzen. Aber es gibt noch einige offene Fragen.
       
 (IMG) Bild: Ältere Menschen gucken in die Röhre: Merz und Bas wollen, dass auch nach 67 Jahren noch gearbeitet wird
       
       Der Kanzler und die Sozialministerin klingen am Dienstag entschlossen: Die
       Rentenreform soll so kommen, wie sie jetzt auf dem Tisch liegt. Die
       „einzelnen Maßnahmen greifen ineinander“, sagt Friedrich Merz, als er am
       Vormittag die Vorschläge der schwarz-roten Alterssicherungskommission
       entgegennimmt. Das Paket sei ein „Gesamtkonzept“ und es funktioniere auch
       nur als solches. Bärbel Bas legt noch einen drauf: Von einem
       „Gesamtkunstwerk“ spricht sie. Daran dürfe es „kein Rosinenpicken“ geben.
       
       Aus 33 einzelnen Reformvorschlägen besteht das vermeintliche Kunstwerk. In
       den Grundzügen waren sie schon am Wochenende bekannt geworden, jetzt
       [1][liegen sie auch detailliert ausgearbeitet vor]. Unter anderem soll das
       [2][Renteneintrittsalter] gekoppelt an die Entwicklung der Lebenserwartung
       auch über 67 Jahre hinaus steigen. Eine verpflichtende Aktienrente für alle
       soll kommen, die sogenannte Rente mit 63 wegfallen. Dafür, so das
       Versprechen, soll die Rente an sich für die Zukunft sicher sein.
       
       [3][Die Vorschläge] sind ausführlicher, konkreter und verbindlicher, als
       viele erwartet hatten. Bas beschreibt am Dienstag treffend: Als Schwarz-Rot
       beschloss, die Rentenberatung in eine Kommission auszulagern, hätten viele
       gemunkelt, dass dabei kaum etwas herauskommen werde. Das Gremium habe aber
       „geliefert“. Die Mitglieder der Kommission selbst –
       Wissenschaftler*innen und drei Abgeordnete – betonen, wie sachlich und
       konsensorientiert die Arbeit gewesen sei.
       
       Unabhängig von der Bewertung der einzelnen Vorschläge: Für die Verhältnisse
       dieser Koalition, in der bislang wenig reibungslos lief, ist der Prozess
       bis hierhin tatsächlich bemerkenswert konstruktiv verlaufen.
       
       ## Noch viele Löcher zu stopfen
       
       Beendet ist die Arbeit an der Reform für Schwarz-Rot allerdings noch lange
       nicht: Das Sozialministerium muss sich nun daranmachen, die Vorschläge in
       konkrete Gesetzesentwürfe zu übersetzen. Nach der Sommerpause beginnen dann
       voraussichtlich die parlamentarischen Beratungen im Bundestag. Und selbst
       wenn sich die Regierungsfraktionen an die Vorgabe halten sollten, am Paket
       nicht zu rütteln, bleibt noch genug zu diskutieren: Zu manchen Vorschlägen
       hat die Kommission Detailfragen offen gelassen, manche hängen zudem von
       Haushaltsentscheidungen ab, und bei einem Teil haben auch noch andere
       Akteure mitzureden.
       
       Offene Fragen gibt es zum Beispiel bei der Aktienrente.
       Arbeitgeber*innen und Arbeitnehmer*innen sollen künftig
       zusätzlich Beitragssätze von je 1 Prozentpunkt zahlen, die dann durch die
       Rentenversicherung am Kapitalmarkt angelegt werden. Mit der Rendite soll
       künftig die reguläre gesetzliche Rente aufgestockt werden.
       
       Das wird sich aber höchstens langfristig auszahlen. Übergangsweise soll es
       für Rentner*innen in den 2030ern und 2040ern deshalb einen Zuschuss aus
       Steuermitteln geben. Wie hoch der ausfallen muss und woher das Geld genau
       kommt? „Viele Details zu dem Vorschlag sind noch unklar“, heißt es in einer
       ersten Stellungnahme der Deutschen Rentenversicherung.
       
       Das gilt auch für andere Zuschüsse aus dem Bundeshaushalt. Die
       Rentenversicherung hat schon lange damit zu kämpfen, dass die Politik sie
       zu Ausgaben verpflichtet, denen keine entsprechenden Rentenbeiträge
       gegenüberstehen. Ein Beispiel ist die jüngst ausgeweitete Mütterrente, an
       der durch die neue Reform nicht gerüttelt werden soll. Zum Teil werden die
       Zusatzkosten aus dem Bundeshaushalt ausgeglichen, zum Teil aber auch nicht.
       
       ## Geld oder Leben? Oder beides?
       
       Die Kommission empfiehlt nun, entsprechende Leistungen der
       Rentenversicherung „perspektivisch vollständig über Bundesmittel zu
       erstatten“. Wo dieses Geld genau herkommen soll, ist ebenfalls nicht
       geklärt – zumal die Bundesregierung die Zuschüsse angesichts ihrer
       Sparzwänge eigentlich eher senken wollte.
       
       Zudem ergeben sich Folgeprobleme aus der Abschaffung der sogenannten Rente
       mit 63 in Verbindung mit einer steigenden Regelaltersgrenze: Was passiert
       mit Arbeitnehmer*innen, die mit Ende 60 ihren Beruf aus körperlichen
       Gründen nicht mehr ausüben können? Die Kommission empfiehlt
       Härtefallregelungen für Betroffene, die dann doch vorzeitig ohne Abschläge
       in Rente gehen könnten. Hier wird es stark auf die Ausarbeitung im Detail
       ankommen.
       
       Und schließlich empfiehlt die Kommission auch noch, die betriebliche
       Altersversorgung auszubauen. Sie soll künftig „annähernd flächendeckend“
       verbreitet sein. Wie der Weg dahin aussehen könnte, sollen jetzt aber erst
       mal die Sozialpartner, also Arbeitgeberverbände und Gewerkschaften,
       gemeinsam beraten.
       
       Wirklich fertig ist die Rentenreform also noch lange nicht. Wer dem
       Bundeskanzler noch vertraut, kann sich dennoch zurücklehnen. Friedrich Merz
       beteuert am Vormittag bei der Präsentation der Kommissionsvorschläge schon
       mal: „Es muss sich keine Bürgerin, kein Bürger Sorgen machen.“
       
       23 Jun 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://www.bmas.de/SharedDocs/Downloads/DE/Soziales/empfehlungen-der-rentenkommission-bmas-juni-2026.pdf?__blob=publicationFile&v=2
 (DIR) [2] /Vorschlaege-der-Rentenkommission/!6188512
 (DIR) [3] /Wieso-Minijobs-abgeschafft-werden-muessen/!6189618
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Tobias Schulze
       
       ## TAGS
       
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