# taz.de -- „Frühstartrente“ für Kinder: Omas Sparschwein 2.0
> Künftig sollen Sechsjährige vom Staat 10 Euro pro Monat aufs Konto
> bekommen, um fürs Alter vorzusorgen. Die Argumente dafür sind mehr als
> schräg.
(IMG) Bild: Das Sparschwein von heute heißt: „Frühstartrente“
Früher lief die Sache mit dem Sparen so: Oma schenkte ein Sparschwein zum
Geburtstag und steckte, um die Kleine an das Geld und an die Sparsamkeit
heranzuführen, 3 Mark in das Schweinderl. Wenn das Kind jetzt jede Woche
vom Taschengeld etwas abknapsen und in das Tierchen stecken würde, dann, so
lautete das Versprechen, hätte man irgendwann mal so viel Geld zusammen, um
sich die große gelbe Schwimmente zu kaufen. So weit die Erinnerung der
Boomerin. Das Sparschwein von heute heißt: [1][„Frühstartrente“]. Und die
Oma sieht aus, als hätte sie sich als Lars Klingbeil verkleidet.
Der am Mittwoch vom Bundeskabinett beschlossene Gesetzentwurf zur
„Frühstartrente“ sieht vor, dass der Staat im Monat 10 Euro auf das Konto
aller Sechsjährigen in Deutschland ab dem Jahrgang 2020 einzahlt.
Jedenfalls dann, wenn die Eltern ein entsprechendes Altersvorsorgedepot bei
einer Bank eröffnen.
Tun sie das nicht, können sie die Förderung aber auch irgendwann mal
rückwirkend beantragen. Mit der milden Gabe soll [2][die „finanzielle
Bildung“ gefördert werden], „indem schon Kinder und Jugendliche sich mit
Fragen der Vorsorge beschäftigen“, erklärt Bundesfinanzminister Lars
Klingbeil. Bis zum 18. Lebensjahr sollen die monatlichen 10 Euro fließen,
was insgesamt ein staatliches Geschenk von 1.440 Euro macht.
## Zurück auf Los!
Mit Volljährigkeit könne das Depot dann „bis zum Renteneintritt durch
eigene Einzahlungen weiter bespart werden“, heißt es aus dem
Finanzministerium. Die Gabe vom Staat soll also vor allem auch eine Art
pädagogischer Anreiz sein, sich mit Aktienfonds, Rentenpapieren,
Immobilienfonds und Co. zu beschäftigen. Demnächst könnte die
Bundesregierung eine Art Monopoly mit dem Thema „Sparen fürs Alter“
herausbringen. Wer nicht geschickt agiert oder wen das Würfelglück
beziehungsweise Investitionsglück verlässt, für den heißt es: „Gehen Sie
zurück auf Los!“
Ein wenig Geld an die Kleinen zu verteilen, auf dass sie oder ihre Eltern
an die Finanzmärkte herangeführt werden, wirkt ein wenig aus der Zeit
gefallen. Denn die 10 Euro fließen unterschiedslos, also auch an reiche
Kinder mit Erbschaftserwartung, deren Eltern sich mit Investments gut
auskennen. Und die Armen könnten mit den 10 Euro im Monat nicht die
Streichung des Sofortzuschlags von 25 Euro im Monat kompensieren, den
ebendiese Bundesregierung aktuell für Hunderttausende Kinder und
Jugendliche plant.
Dass man mit sechs Jahren nicht für eine Schwimmente, nicht für eine
spätere Ausbildung, nicht für einen Immobilienerwerb bei der
Familiengründung, sondern eben schon als Kind fürs Alter sparen soll, zeigt
überdies eine bedrückende Wahrheit: Aus dem kollektiven Sicherungssystem
ist in Zukunft [3][nicht mehr allzu viel zu erwarten], nach gegenwärtiger
Lage.
12 Aug 2026
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## AUTOREN
(DIR) Barbara Dribbusch
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