# taz.de -- DUH-Chef über Klimaschutzprogramm: „Das ist Augenwischerei“
       
       > Das neue Klimaschutzprogramm von Schwarz-Rot ist verheerend, sagt Jürgen
       > Resch, Chef der Deutschen Umwelthilfe. Sie wird dagegen vorgehen.
       
 (IMG) Bild: In Deutschland ist das einzig wirksame Tempolimit bis jetzt ein Stau
       
       taz: Herr Resch, Sie haben [1][das Klimaschutzprogramm der Bundesregierung]
       begutachtet: Wie fällt ihr Urteil aus? 
       
       Jürgen Resch: Verheerend. Im Klimaschutzgesetz ist festgelegt, dass die
       deutschen Treibhausgasemissionen bis zum Jahr 2030 um 65 Prozent gegenüber
       dem Niveau von 1990 gesenkt werden müssen, es sind aber erst 49 Prozent
       geschafft. Um das Klimaziel zu schaffen, müssten in den Jahren bis 2030
       jährlich zusätzlich 30 Millionen Tonnen eingespart werden, im vergangenen
       Jahr schaffte Deutschland aber nur 0,9 Millionen. Nicht einmal der
       unabhängige Expertenrat der Bundesregierung hält dieses Programm für
       nachvollziehbar oder ausreichend, wir sollen mit Taschenspielertricks
       abgespeist werden.
       
       taz: Nun hat aber das Bundesverwaltungsgericht Ende Januar geurteilt, dass
       die Regierung ein geeignetes Klimaschutzprogramm vorlegen muss. Und die
       Regierung behauptet, dass dieses Programm „geeignet“ sei. Was nun?
       
       Resch: Wir haben mit dem Urteil einen vollstreckbaren Titel und werden
       deshalb jetzt auch den Weg der Vollstreckung einleiten.
       
       taz: Das bedeutet was?
       
       Resch: Zuerst werden wir die Regierung auffordern, mitzuteilen, ob dieses
       Programm nicht nur das Programm ist, das von Gesetzes wegen soundso zu
       erstellen gewesen wäre, sondern auch das Programm sein soll, das zur
       Umsetzung des Urteils zu erstellen ist. Denn das Programm reicht nicht, um
       das Urteil zu erfüllen. Ein Beispiel: Der Plan rechnet damit, dass 800.000
       E-Autos gefördert werden, der Verkehr also treibhausgasärmer wird. Aber in
       diese Förderung werden zum Beispiel auch Porsche Cayenne Turbo-E
       einbezogen, die nur einen sehr kleinen elektrischen Zusatzmotor haben. Das
       ist Augenwischerei. Anderes Beispiel: die Bundesregierung plant im
       Gebäudebereich beim sogenannten „Heizungsgesetz“ Klimaschutz quasi
       abzuschaffen, sieht aber im Klimaschutzprogramm keine kompensierenden
       Maßnahmen vor.
       
       taz: Was, wenn die Bundesregierung nicht nachbessert?
       
       Resch: Dann wird auf Basis des Urteils ein Vollstreckungsverfahren beim
       Oberverwaltungsgericht begonnen. Sie können sich das so vorstellen: Wenn
       jemand etwas tun muss, zu dem er gerichtlich verurteilt wurde, wird auf der
       ersten Stufe durch das Gericht ein Zwangsgeld angedroht. So wäre es auch
       hier.
       
       taz: Was wäre denn eine Nachbesserung im Klimaschutzprogramm, die die
       Deutsche Umwelthilfe zufriedenstellen würde?
       
       Resch: Es geht nicht darum, uns zufriedenzustellen, es geht um die
       Einhaltung von Recht und Gesetz. Helfen würde beispielsweise ein Tempolimit
       auf den deutschen Straßen, das erwähnt beispielsweise auch der Expertenrat
       als mögliche „kosteneffiziente und schnell umsetzbare Maßnahme“. Im Verkehr
       werden heute mehr Treibhausgase ausgestoßen als 1990. Aber
       selbstverständlich kann solch ein Tempolimit nur ein Teil der Nachbesserung
       sein: Nach Berechnungen des Umweltbundesamtes könnten damit jährlich 11 bis
       12 Millionen Tonnen Treibhausgase eingespart werden. Das ist noch nicht
       einmal die Hälfte jenes Fehlbetrages, der aktuell für das 2030-Ziel fehlt.
       
       taz: Nehmen wir einmal an, die Bundesregierung ignoriert das Zwangsgeld.
       Was dann?
       
       Resch: Zuerst wir Zwangsgeld angedroht, danach muss Zwangsgeld gezahlt
       werden. Wirkt das immer noch nicht, wird Zwangshaft angeordnet. Aber es
       wäre schon eine Blamage, wenn wir so weit gehen müssen: Schließlich wollen
       wir das gleiche wie die Bundesregierung: Das deutsche Klimaziel erreichen.
       
       taz: Wenn man sich in den Ministerien umhört, hält sich die Angst vor
       solchen Schritten in Grenzen.
       
       Resch: Im Rahmen unserer Luftreinhalteklagen haben wir vom Europäischen
       Gerichtshof ausdrücklich bestätigt bekommen, dass gegen Beamte und
       Regierungspolitiker auch die Zwangshaft droht. Gegen die Verantwortlichen
       in Stuttgart oder München wurden so lange Zwangsgelder erhoben und im Falle
       Stuttgart mit Zwangshaft gedroht, bis sie nachgaben und Fahrverbote für
       Dieselmotoren verhängten.
       
       25 Mar 2026
       
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