# taz.de -- Klimaschutzprogramm der Bundesregierung: Der Koalition sind Klimaschutz und ärmere Menschen egal
> Das Klimaschutzprogramm soll ein „Unabhängigkeitspaket“ sein, sagt
> Umweltminister Carsten Schneider. Aber es ist nicht mehr als ein
> „Ungerechtigkeitspaket“.
(IMG) Bild: Umweltminister Carsten Schneider (SPD) bei der Präsentation des Klimaschutzprogramms der Bundesregierung am 25. März
Als „Unabhängigkeitspaket“ will Umweltminister Carsten Schneider (SPD) sein
[1][Klimaschutzprogramm] verstanden wissen. Monatelang arbeitete sein Haus
mit den anderen Bundesministerien daran, die von der Ampelregierung
hinterlassene Lücke zum Klimaziel 2030 zu schließen. Und sehr eng ausgelegt
hatte Schneider Erfolg: Zu 27,1 Millionen Tonnen CO2-Einsparungen konnte er
seine Kolleg*innen bewegen. Allein durch die sinkende Nachfrage nach
Gasimporten könnten dem Umweltministerium zufolge jährlich 3 Milliarden
Euro gespart werden, dazu kommt die daraus folgende Befreiung aus der
Abhängigkeit von Ölstaaten. Das ist nicht schlecht, aber es ist auch nicht
das, was eine ernsthaft agierende Bundesregierung hätte vorlegen können:
Das Klimaschutzprogramm ist letztlich strategielos und ungerecht.
Die Bundesregierung muss laut Klimaschutzgesetz einen Plan vorlegen, wie
sie die Klimaziele erreichen will. Legt man die Klimabilanz 2025 zugrunde,
wie es das Umweltministerium tut, dann hat die Regierung das geschafft. Nur
gibt es seit dem 14. März dieses Jahres neue Daten. Die zeigen, dass die
CO2-Lücke 2030 auf 30 Millionen Tonnen angeschwollen ist. Und: Die
Bundesregierung plant allerhand, damit die Lücke noch weiter aufreißen
wird. Nicht zuletzt die Reform des Heizungsgesetzes, mit der die
Regierungsfraktionen neue Öl- und Gasheizungen ausdrücklich erlauben, aber
mit teurem Biogas und -öl betreiben wollen.
Im Gebäude- und Verkehrssektor müssten in den kommenden Jahren viele
fossile Heizungen aus den Kellern und viele Fahrzeuge von den Straßen
verschwinden und mit klimafreundlichen, [2][öl- und gasfreien Alternativen]
ersetzt werden. Wie das passieren soll, wird aus dem Programm nicht
ersichtlich, aber genau das wäre der Anspruch an ein echtes
„Unabhängigkeitspaket“. Carsten Schneider setzt beim Kauf neuer Heizungen
auf „Anreize und Vernunft“.
Der Expert*innenrat, der die Bundesregierung in Klimafragen berät, kommt in
seiner ersten Einschätzung zu einem [3][vernichtenden Urteil:] Sie stellen
„insgesamt ein geringes Ambitions- und Innovationsniveau fest“, schreiben
die Forscher*innen. Die Maßnahmen ließen „kein Gesamtkonzept erkennen“. Wie
auch, wenn Wirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) am Tag vor der
Vorstellung des Programms vor fossilen Lobbyist*innen in Texas die
EU-Klimaziele infrage stellt?
Zudem wurden soziale Maßnahmen wieder aus dem Programm entfernt, die in
einem früheren Entwurf noch zu finden waren, zum Beispiel die Förderung für
Gebäudesanierung nach Einkommen zu staffeln. Schneider und die SPD wollen
das Programm als sozial gerecht präsentieren, aber können als Beleg nur das
teure Deutschlandticket und die E-Auto-Prämie anführen – als würde ein
Großteil der Deutschen Neuwagen kaufen. Letztlich verdeutlicht das
Klimaschutzprogramm: Großen Teilen von CDU und SPD ist das Klima genauso
egal wie die Geldbeutel der ärmeren Hälfte der Bevölkerung.
28 Mar 2026
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(DIR) Jonas Waack
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