# taz.de -- Streit um die Wärmewende: Angst vor der teuren Gasheizung
       
       > Sollen Vermieter:innen künftig hohe Kosten für Heizgas mittragen?
       > Diese Frage verhindert die Einigung der Koalition beim neuen
       > Heizungsgesetz.
       
 (IMG) Bild: Da werden Euro abgefackelt: Flamme eines Gasherdes
       
       Neue Gasheizungen können eine teure Angelegenheit werden. Deshalb verhaken
       sich Union und SPD gerade in den Verhandlungen über das
       Gebäudemodernisierungsgesetz. Ein Streitpunkt ist, ob Mieter:innen die
       Betriebskosten neuer Gasheizungen künftig alleine tragen oder auch die
       Vermieter:innen einen Beitrag leisten müssen.
       
       Bundesbauministerin Verena Hubertz (SPD) plädiert Medienberichten zufolge
       dafür, dass die Immobilienbesitzer:innen einen Teil der
       Brennstoffkosten neuer Gasheizungen übernehmen, falls diese zu sehr
       steigen. Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) steht einem
       Beitrag der Vermieter:innen dagegen skeptisch gegenüber.
       
       Offiziell wollten sich die Ministerien auf Anfrage der taz nicht äußern.
       [1][Allerdings dauern die Verhandlungen über das
       Gebäudemodernisierungsgesetz schon länger als geplant.] Die Koalition aus
       Union und SPD hat sich im Februar 2026 auf Eckpunkte geeinigt, wie sie das
       Gebäudeenergiegesetz der früheren Ampelregierung verändern will.
       
       Ein entscheidender Punkt: Neu eingebaute Gebäudeheizungen sollen nicht mehr
       zu 65 Prozent mit erneuerbaren, klimaneutralen Brennstoffen betrieben
       werden müssen. Gaskessel dürfen damit noch lange weiter fossiles Erdgas
       verfeuern, wobei jedoch der Anteil klimaneutralen Biogases zum Beispiel aus
       der Landwirtschaft steigen soll.
       
       ## Mieter:innen drohen steigende Heizkosten
       
       Dieser Plan könnte zu deutlich höheren Heizkosten für Privathaushalte und
       Unternehmen führen. Denn fossiles Gas wird wohl regelmäßig teurer, weil der
       Kohlendioxidpreis infolge des europäischen Emissionshandels steigt. Und
       Biogas bleibt absehbar knapp, sodass die begrenzten Mengen die Kosten
       ebenfalls in die Höhe treiben, wenn Millionen Haushalte den Brennstoff
       künftig nachfragen.
       
       „Im Vergleich zum heutigen Erdgaspreis dürfte ein Mischpreis aus Erdgas und
       Biogas im Jahr 2045 mehr als doppelt so hoch sein, als im Durchschnitt
       2025“, schreibt das Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung in einer
       aktuellen Studie. Vor diesen Folgen warnt unter anderem der Deutsche
       Mieterbund. Das neue Gesetz „sollte einen Heizkostendeckel enthalten, um
       Mieterinnen und Mieter vor unnötig steigenden Heizkosten zu schützen, wenn
       Vermietende heute noch eine Heizung mit fossilen Brennstoffen einbauen“,
       erklärt Präsidentin Melanie Weber-Moritz.
       
       Der Mieterbund schlägt vor, die Betriebskosten von effizienten Wärmepumpen
       zum Maßstab zu machen. „Den Teil der Heizkosten, der über diesen
       Heizkostendeckel hinausgeht, müssen die Vermieter:innen tragen.“ Diese
       Regelung stünde im Gegensatz zur heutigen Praxis. Denn momentan bezahlen
       die Mieter:innen die Heizkosten grundsätzlich alleine, von einem Teil
       des Kohlendioxidpreises abgesehen.
       
       Wenn sich die Ministerien geeinigt haben, ist der Bundestag an der Reihe.
       Auch in den Regierungsfraktionen gibt es Gegner:innen und
       Befürworter:innen des Mieterschutzes. Zu Letzteren gehört die
       energiepolitische Sprecherin der SPD, Nina Scheer: „Ein möglicher Baustein
       zum Mieterschutz wäre, nicht zielgerichtete Entscheidungen bei
       Heizungseinbauten in den Nebenkostenabrechnungen entsprechend abzubilden.“
       Mit anderen Worten: Vermietende müssten mehr zahlen, wenn die Kosten einer
       neuen Gasheizung künftig durch die Decke gehen.
       
       ## Eine folgenreiche Verschiebung im Heizungsgesetz
       
       In der Union ist diese Meinung ebenfalls vertreten. „Im Mietrecht gilt für
       uns: Modernisierung ja, aber kein ungeregeltes Durchreichen von Kosten
       zulasten der Mieterinnen und Mieter“, sagt der nordrhein-westfälische
       CDU-Abgeordnete Nicklas Kappe.
       
       [2][Eine weitere grundsätzliche Frage lautet: Wie lange darf man überhaupt
       noch mit fossilem Gas heizen?] Das Heizungsgesetz des ehemaligen grünen
       Wirtschaftsministers Robert Habeck setzte dafür ein eindeutiges Ende: 31.
       Dezember 2044 – in 18 Jahren. Dieses Datum hat die aktuelle
       Regierungskoalition in ihren Eckpunkten vom Februar erstmal abgeräumt.
       Darin heißt es: „Die Paragrafen 71 und 72 werden gestrichen.“ Letzterer
       enthält das Ausstiegsdatum.
       
       Seitdem rätselt die Fachwelt, ob das eventuell nur ein Versehen im
       Überschwang war – und das Datum doch noch einen Platz im neuen Gesetz
       findet. Der grüne Energiepolitiker und ehemalige Wirtschaftsstaatssekretär
       Michael Kellner wollte es in Erfahrung bringen und fragte schriftlich:
       Dürfen Hausheizungen „ab dem 1. Januar 2045 weiter mit fossilem Gas und Öl
       betrieben werden?“. Kellners Nachfolger, CDU-Staatssekretär Frank Wetzel,
       schickte ihm einige Sätze, ohne aber die Frage zu beantworten. „Ich
       befürchte, dass die Nicht-Antwort des Staatssekretärs ein Indiz dafür ist“,
       sagte Kellner gegenüber der taz. „Käme es so, wäre das ein fundamentaler
       Bruch.“
       
       Es handelt sich nicht um irgendein Datum. Bisher beschreibt 2045 den
       Zeitpunkt der Klimaneutralität Deutschlands, den auch die jetzige
       Union-SPD-Regierung nicht infrage stellt. Dann sollen im Prinzip und unter
       dem Strich keine klimaschädlichen Abgase mehr aus Industrie, Gebäuden,
       Fahrzeugen und Landwirtschaft entweichen. Darauf ist die komplette
       Klimapolitik ausgerichtet.
       
       Wenn die Regierung nun aber bei den Heizungen eine Türe öffnet, könnte die
       gesamte Transformation zur Klimaneutralität wackeln – auch etwa im Verkehr.
       Die nächsten Wochen der Verhandlungen über das Gebäudemodernisierungsgesetz
       dürften deshalb interessant werden. „Die Ausgestaltung des Gesetzes muss
       den geltenden Klimaschutzzielen entsprechen, die schließlich auch
       verfassungsrechtlich einzuhalten sind“, sagt SPD-Energiepolitikerin Scheer.
       Und ihr CDU-Kollege Kappe betont: „Deutschland soll bis 2045 klimaneutral
       werden. Dann soll nicht mehr mit fossilen Brennstoffen geheizt werden.“
       
       16 Apr 2026
       
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