# taz.de -- Auf fossiler Energiekonferenz in Texas: Reiche stellt EU-Klimaziel infrage
> Die Bundeswirtschaftsministerin glaubt nicht, dass die EU bis 2050
> klimaneutral sein kann. Sie hat dabei wichtige Teile der CDU hinter sich.
(IMG) Bild: Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) zweifelt daran, dass die EU ihr Klimaziel erreichen kann
taz/afp | Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) zweifelt
daran, dass die EU ihr Klimaziel erreichen kann, 2050 klimaneutral zu sein.
Es müsse akzeptiert werden, „dass bis 2050 vielleicht noch eine Lücke von
etwa fünf oder zehn Prozent bestehen könnte“, sagte sie dem
[1][Nachrichtenportal Politico zufolge] auf der Energiekonferenz Ceraweek
im texanischen Houston. „Wir müssen wieder flexibler werden, uns nicht nur
mit 100-prozentigen Lösungen zufriedengeben.“
Das Ziel, bis 2050 nicht mehr CO₂ auszustoßen als auch gebunden wird, ist
in der EU gesetzlich festgeschrieben. Der wissenschaftliche Beirat der EU
hält es für [2][erreichbar und völkerrechtlich geboten]. Denn die EU wird
voraussichtlich deutlich vor Mitte des Jahrhunderts ihren Anteil am
globalen CO₂-Budget aufgebraucht haben, das zur Verfügung steht, wenn die
Weltgemeinschaft die Erderhitzung unter 1,5 Grad halten will. Anhaltend
zusätzliches CO₂ in die Atmosphäre zu blasen, [3][erhitzt die Erde weiter].
Schon jetzt verursachen Naturkatastrophen wie Überschwemmungen und Brände,
angefeuert von der Erderhitzung, [4][weltweit Milliardenschäden]. Betroffen
sind Unternehmen genauso wie Privatleute. Reiche sagte, sie sei nicht gegen
Nachhaltigkeit, doch wenn diese „die Wirtschaft zum Einsturz bringt, muss
man umdenken“. Unternehmen bräuchten bezahlbare Energie. „Wenn man strenge
und starre Ziele hat, fesselt man sich selbst, und am Ende verliert man
Industrien, die man braucht, die energieintensiv sind.“
Auf der Ceraweek treffen sich vor allem Vertreter*innen fossiler
Konzerne wie Shell und Chevron. Aber auch der ehemalige US-Klimagesandte
John Kerry ist als Sprecher angekündigt.
## Reiches Vorschlag hat Unterstützer*innen in der CDU
Michael Bloss, Europa-Abgeordneter der Grünen, kritisiert Reiches Vorstoß.
„Katherina Reiche buhlt auf einer Ölkonferenz in Texas um Applaus, indem
sie die europäische Klimaneutralität verkauft“, sagt er. „Ihr sind die
fossilen Gewinne wichtiger als ein lebenswerter Planet für unsere Kinder.“
Die Industrie profitiere jedoch nicht von lascheren Klimazielen. „Wer die
Klimaneutralität im Jahr 2050 infrage stellt, reißt das Fundament ein, auf
dem die europäische Modernisierungsarchitektur gebaut ist“, sagt Bloss.
„Milliarden an Investitionen werden über Nacht zur Wette, wenn die
Wirtschaftsministerin auf einer US-Konferenz die Planungsgrundlage der
europäischen Wirtschaft zertrümmert.“ Die hohen Preise für fossiles Öl und
Gas infolge des Irankriegs zeigten, dass „wer Europa weiter an fossile
Energien kettet, uns erpressbar macht“.
Im Koalitionsvertrag bekennt sich die Bundesregierung zu den deutschen und
europäischen Klimazielen. Reiche hatte bereits im vergangenen Sommer beim
Tag der Industrie des Industrielobbyverbands BDI bezweifelt, dass das
deutsche Ziel der Klimaneutralität 2045 erreichbar ist, sich aber später
zum Koalitionsvertrag bekannt. Eine Sprecherin des Ministeriums sagte der
taz, Ministerin Reiche habe sich mehrfach öffentlich zu den Klimazielen
bekannt. Daran habe sich nichts geändert.
Innerhalb der CDU gibt es aber wichtige Kreise, die das europäische
Klimaziel abschwächen wollen. Im Vorfeld des Parteitags im Februar hatten
Arbeitnehmer- und Wirtschaftsflügel verlangt, Klimaneutralität auf
europäischer Ebene umzudefinieren, sodass noch 10 Prozent CO₂-Emissionen im
Vergleich zu 1990 übrig bleiben dürfen – also in etwa die Emissionsmenge,
die auch Reiche in Texas vollständiger Klimaneutralität vorzieht. Den
entsprechenden Antrag [5][ließ das CDU-Präsidium aber vor dem Parteitag
entschärfen].
24 Mar 2026
## LINKS
(DIR) [1] https://www.politico.eu/article/german-energy-minister-katherina-reiche-says-eu-should-relax-net-zero-target/
(DIR) [2] https://climate-advisory-board.europa.eu/reports-and-publications/scientific-advice-for-amending-the-european-climate-law-setting-climate-goals-to-strengthen-eu-strategic-priorities
(DIR) [3] /Bericht-der-Weltwetterorganisation/!6163833
(DIR) [4] /Klimakrise-treibt-Schaeden-nach-oben/!6144956
(DIR) [5] /Entschaerfter-Antrag-fuer-Parteitag/!6148937
## AUTOREN
(DIR) Jonas Waack
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