# taz.de -- „Der Bitte komme ich gern nach“: Grüne liefert Umweltminister Ideen für sozialen Klimaschutz
> Die Grünen-Abgeordnete Lisa Badum schlägt dem Sozialdemokraten Schneider
> zehn Maßnahmen für sozialen Klimaschutz vor – auf seine Bitte hin.
(IMG) Bild: Grünen-Politikerin Lisa Badum bei einer Rede im Bundestag
Zehn Ideen für sozialverträglichen Klimaschutz: Lisa Badum, klimapolitische
Sprecherin der Grünen im Bundestag, hat Bundesumweltminister Carsten
Schneider (SPD) auf seine Bitte hin einen Brief mit Vorschlägen „zur
progressiveren Ausgestaltung Ihrer Klimapolitik“ geschrieben. Das Schreiben
liegt der taz vor.
Unter anderem fordert Badum ein Klimageld, also Einnahmen aus der
CO₂-Bepreisung an Haushalte mit niedrigen und mittleren Einkommen
zurückzugeben. Ähnliche Vorschläge hatten CDU und SPD in ihren
Wahlprogrammen gemacht, im Koalitionsvertrag tauchte das Klimageld aber
nicht auf.
Zum Hintergrund: „Keine erkennbare Ausrichtung auf die Entlastung von
Haushalten mit kleinen und mittleren Einkommen“ hatte der Expertenrat für
Klimafragen dem neuen Klimaschutzprogramm der Bundesregierung neben Mängeln
bei der CO₂-Einsparung attestiert. Was er entgegne, wurde Umweltminister
Carsten Schneider (SPD) am Mittwoch kurz darauf [1][im Umweltausschuss] des
Bundestages gefragt. Seine Antwort: „Das wird kritisiert, aber sie machen
nicht einen Vorschlag. Ich bin wirklich dankbar, auch, wenn Sie Vorschläge
haben“, sagte er an die Abgeordneten gerichtet.
Badum nahm Schneider beim Wort: „Dieser Bitte komme ich hiermit gerne
nach“, schreibt sie in dem Brief, den sie am Donnerstag an den Minister
schickte.
Im Klimaschutzprogramm muss die Bundesregierung darlegen, wie sie die
gesetzlich verankerten Klimaziele einhalten will. [2][Der Plan sieht 67
Maßnahmen vor], die bis 2030 jährlich 27,1 Millionen Tonnen CO₂ einsparen
sollen. Damit würde die Bundesregierung die 2025 festgestellte CO₂-Lücke
für das Klimaziel 2030 schließen. Kürzlich aktualisierte Daten zeigen
jedoch eine Lücke von 30 Millionen Tonnen CO₂. „Vorbehaltlich einer
vertiefenden Prüfung geht der Expertenrat davon aus, dass die bisherigen
Maßnahmen mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht ausreichen werden, um die
Erreichung der Klimaschutzziele sicherzustellen“, heißt es in einer
Mitteilung des Gremiums.
## Badum: Mieter „vor der Öl- und Gaskostenfalle“ schützen
Badum erinnert Schneider in ihrem Brief daran, dass seine Regierung im
Koalitionsvertrag versprochen hatte, die Stromsteuer für alle zu senken –
[3][die Bundesregierung senkte sie nur für Großabnehmer].
Besonders pikant daran: In einem frühen Entwurf des Klimaschutzprogramms,
[4][der an die Öffentlichkeit gelangt war], war die Senkung der Stromsteuer
für alle noch enthalten. Die Förderung für Gebäudesanierung oder
Energieeffizienzmaßnahmen nach Einkommen zu staffeln und Besitzer*innen
von besonders schlecht gedämmten Gebäuden zusätzlich zu fördern – alle drei
Maßnahmen Teil von Badums Vorschlagsliste – fanden sich in dem Entwurf
ebenfalls. Im verabschiedeten Klimaschutzprogramm tauchen sie nicht auf.
Badum fordert außerdem, Mieter*innen „vor der Öl- und Gaskostenfalle“ zu
schützen, „die das sogenannte Gebäudemodernisierungsgesetz aufmacht“. Die
Regierungsfraktionen planen, Öl- und Gasheizungen ausdrücklich weiter zu
erlauben, wollen aber beim Neueinbau zur anteiligen Nutzung von Wasserstoff
oder Biogas und -öl verpflichten. Diese sind aber knapp und auch in der
Industrie begehrt, deswegen fürchten Sozialverbände steigende Kosten vor
allem für Mieter*innen, die nicht selbst über ihre Heizung entscheiden.
„Für sie ist Frieren das einzige Mittel, um zu sparen“, sagte Katja
Kipping, Geschäftsführerin des Paritätischen Gesamtverbandes, [5][auf einer
Demonstration gegen das Vorhaben].
„Ihr Klimaschutzprogramm ist noch immer blind gegenüber Verteilungsfragen“,
wirft Badum dem Sozialdemokraten Schneider in ihrem Brief vor. Das sei ein
Problem für die gesellschaftliche Akzeptanz von Klimapolitik, „aber vor
allem für die Menschen, die eine soziale Flankierung am dringendsten
brauchen“.
## Schneider verteidigt sich mit dem Deutschlandticket
Im Ausschuss wies Schneider darauf hin, dass die Förderung für Wärmepumpen
und E-Autos bereits nach Einkommen gestaffelt sei. Im Klimaschutzprogramm
verspricht die Bundesregierung zudem, [6][die Finanzierung des
Deutschlandtickets zu sichern]. „Das halte ich für einen ganz zentralen
Punkt, um die Mobilität von Menschen mit geringem Einkommen zu sichern“,
sagte Schneider.
Außerdem wolle er den Stromsparcheck, den das Umweltministerium gemeinsam
mit der Caritas anbietet, weiter ausbauen. „Nicht den Kühlschrank zu
nehmen, der am billigsten ist, sondern einen, der wenig verbraucht und ein
bisschen teurer ist – dazu werden wir Zuschüsse zahlen.“
Badums Brief sei am Freitag eingegangen, bestätigte das Umweltministerium
auf taz-Anfrage. Schneiders Liste fügte ein Sprecher noch den im
Klimaschutzprogramm angekündigten Ausbau der Windenergie an, der „zu einer
Senkung des Strompreises für alle“ beitrage. Die Bundesregierung werde
zudem die energetische Sanierung lokaler Sportstätten fördern.
28 Mar 2026
## LINKS
(DIR) [1] https://www.bundestag.de/ausschuesse/umwelt/sitzungen/1157740-1157740
(DIR) [2] /Klimaschutzprogramm-der-Bundesregierung-Ein-Plan-gegen-die-eigene-Politik/!6165698
(DIR) [3] /Wirtschaftsministerin-Katherina-Reiche/!6103133
(DIR) [4] /Leak-Bundesregierung-schreibt-schwaches-Klimaschutzprogramm/!6152945
(DIR) [5] /Reform-des-Heizungsgesetzes/!6159422
(DIR) [6] /Der-Preis-fuer-das-Deutschlandticket-wird-ab-2027-nicht-mehr-politisch-festgelegt/!6166164
## AUTOREN
(DIR) Jonas Waack
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