# taz.de -- Berichte digitaler sexualisierter Gewalt: Mein Gesicht, mein Körper
> Seit Tagen gehen Zehntausende gegen digitale sexualisierte Gewalt auf die
> Straßen. Frauen erzählen, was ihnen passiert ist – und wie sie damit
> umgehen.
(IMG) Bild: Klare Sache: Die Scham muss die Seite wechseln
## „Das war zu viel. Mein Körper ist in einen Shutdown gegangen“
Mein Ex, übrigens ein Deutscher, hat so Fake-Accounts von mir erstellt.
Einmal hat er eine E-Mail-Adresse von mir gefälscht und in meinem Namen
seine Ex angeschrieben. Er hat so getan, als sei er ich und sie gefragt,
wie das bei den beiden beim Sex damals so lief. Irgendwann hat sie mir dann
eine Whatsapp-Nachricht geschickt, von wegen: „Aber das bleibt unter uns,
’ne?“ Und ich so: „Hä, was denn?“ Sie hatte ihm auf seine Mail geantwortet,
weil sie dachte, die Fragen seien wirklich von mir gewesen.
Außerdem hat er Chats gefakt, in denen ich ihm schreibe, wie toll er im
Bett ist. Er wollte immer den Eindruck erwecken, er wäre sexuell so toll.
Dafür hat er auch mal eine Whatsapp-Konversation mit seiner Ex-Freundin
gefakt – und sein Handy dann extra so liegen lassen, dass ihre Tochter das
gesehen hat. Die war da vielleicht elf oder zwölf!
Zu mir hat er auch mal gesagt, er hätte Angst, dass es von mir einen Porno
im Internet gäbe. Er hätte da was gefunden. Was für ein Schwachsinn, so was
gab es natürlich gar nicht. Halt immer so Psychosachen. Im Konsens haben
wir nie was zusammen aufgenommen. Einmal hatte ich den Verdacht, dass er
versucht, unseren Sex zu filmen, der hatte das Handy so komisch
hingestellt. Ich hab es natürlich sofort weggemacht.
Ein anderes Mal hat er angebliche Nacktbilder von mir an seine Freunde
geschickt. Von einem hat er sogar Geld dafür bekommen. Er brauchte ja immer
Geld für sein Koks. Als seine Kumpel mich dann auf die Nacktfotos
angesprochen haben, bin ich natürlich sofort zu ihm. Er meinte, das sei er
gar nicht ich gewesen.
Er meinte, er hätte irgendwelche Nacktbilder aus dem Netz genommen, die mir
sehr ähnlich sahen, und es in den Nachrichten so dargestellt, als sei ich
das. Ich denke, das hat der ohne KI gemacht. Als das rauskam, waren wir
schon lang nicht mehr zusammen. Heute denke ich, dass ich das alles viel zu
lange mitgemacht habe.
[1][Was die Collien Fernandes ja ganz toll gemacht hat], ist: Die hat
sofort Schluss gemacht. Aber ich frage mich auch: Wie kann es sein, dass
man zehn Jahre lang nicht erfährt, wer dahintersteckt? Gerade, wenn auch
Bekannte involviert sind.
Was mir geholfen hat, mit alldem klarzukommen? Ich weiß es nicht. Ich hatte
wirklich eine Scheißzeit. Das war einfach zu viel, mein Körper ist in einen
Shutdown gegangen. Ein bisschen wie bei einem Burn-out. Nur mit Schmerzen.
Ich hatte eine posttraumatische Belastungsstörung. Das Ganze war so
schlimm, dass sogar ein Angehöriger vor lauter Sorge um mich erkrankt ist.
Zu meinem Ex hatte ich nur noch Kontakt, weil er der Vater von meinem Kind
ist. Ich habe ihm in den Arsch getreten, einen Entzug zu machen. Bei seiner
ersten Entlassung wurde er sofort rückfällig. Gleich haben mich wieder
Bekannte angerufen, dass er sie wegen Geld angehauen hätte. Da habe ich
alles abgebrochen, jeglichen Kontakt. Das hat mir geholfen. Das läuft jetzt
nur noch über das Jugendamt. Ich wollte wieder Sicherheit. Und die habe ich
dadurch, dass ich nichts mehr mit ihm alleine klären muss.
Canan (Name geändert), 43, im Medienbereich tätig
„Ich will zeigen, wie ekelhaft dieses System ist“
Es ist mein Gesicht. Aber eindeutig nicht meine Stimme. In einem verzerrten
Video werbe ich angeblich für ein Potenzmittel für Männer. Ich erzähle eine
Geschichte, wie ich meinen Stiefsohn und meinen Ehemann verführe.
Erschreckend ist, dass die Lippenbewegungen zu dem Gesagten passen.
In dem von mir auf Social Media geposteten Originalvideo spreche ich
eigentlich über ein Dating-Thema. Doch eine Firma hat meinen Content
genommen und meine Stimme verfälscht. Eine KI nimmt nicht einfach wahllos
irgendein Video. Dahinter steht ein realer Mensch, der sagt: „Bitte nimm
dieses Video und mach es passend zu meinem Produkt.“
Am schlimmsten ist diese Ungewissheit. Das Video lief als Werbeeinblendung.
Es gibt keinen Link und keinen Absender. Ich weiß nicht, wo es überall
verbreitet wurde. Ich weiß nicht, ob das Video noch existiert, auf welchen
Plattformen es läuft oder wer es gesehen hat. Es war Zufall, dass mich ein
Follower darauf hingewiesen und mir eine Aufnahme geschickt hat.
Als ich es zum ersten Mal sah, habe ich gelacht, weil es technisch so
schlecht gemacht war. Ich habe es Freunden gezeigt. Danach habe ich es
verdrängt. Es hat mich aber nicht losgelassen. Es ist ein schreckliches
Gefühl, wenn einem die Identität geklaut, verfälscht und damit Werbung
gemacht wird.
Mein nächster Gedanke war: Vielleicht finde ich einen Klick weiter ein
weiteres Video von mir, in dem ich nackt dargestellt bin. Als
Content-Creatorin kenne ich Hasskommentare und Drohungen. Doch sie landen
unter Inhalten, die ich teile, für die ich mich entscheide. Über
manipulierten Content habe ich keine Kontrolle. Das fühlt sich wahnsinnig
hilflos an.
Ich habe das Video als Beweis gesichert, aber keine Anzeige erstattet. Ich
weiß aus Gesprächen, etwa mit HateAid, wie schwierig die Rechtslage ist.
Oft schützt sie eher Täter als Betroffene.
Durch den aktuellen Fall um Collien Fernandes ist das Thema auch bei mir
wieder hochgekommen. Selbst wenn mein Fall klein wirkt: Ich will zeigen,
wie ekelhaft dieses System ist und wie schnell es gehen kann, dass einem
solche Gewalt widerfährt. Derjenige, der dahintersteckt, muss zur
Rechenschaft gezogen werden.
Gerade jetzt ist es wichtig, den Finger in die Wunde der Politik zu legen
und zu zeigen, [2][wie dringend dieses Thema ist]. Damit eine klare Kante
gezogen wird und Betroffene geschützt werden. Vielleicht mache ich nur
einer Person Mut. Doch sie soll wissen, dass mit ihr nichts falsch ist und
sich niemand schämen muss. Wir beobachten gerade eine Schamumkehr, die
dringend nötig ist. Die Täter sind immer schuld.
Susanna Bouchain, 32, Content-Creatorin, Podcasterin und Autorin
„Das waren ganz intime Fotos. Auch aus unserer Hochzeitsnacht“
Nacktfotos von mir sind überall auf der Welt abrufbar. Mein Ex-Mann hat sie
ins Internet gestellt. Das sind Fotos aus ganz privaten Momenten – aus
unserer Hochzeitsnacht, aus der Zeit, als ich schwanger war. Die Fotos sind
im Vertrauen entstanden. Sie waren nie für andere Menschen gedacht.
Auf einer Seite gab es sogar ein Profil mit meinen Bildern, meinem Vornamen
und auch den ersten Buchstaben meines Nachnamens. Er hat mich dort
regelrecht angeboten. Er schrieb, ich sei seine Frau und eine „versaute
Schlampe“. „Seid ruhig schmutzig und dreckig in euren Kommentaren!“, hat er
die Leute aufgefordert. Sie haben sich nicht zurückgehalten. Ich musste
mich durch all das durchklicken, um die Beweise zu sichern.
Alles ging damit los, dass mich eines Tages das Jugendamt einbestellt hat.
Gegen meinen Mann werde ermittelt: wegen Kauf, Verkauf und Besitz von
Kinderpornografie. Es hieß: Da könnten auch Fotos von meinem Sohn
existieren. Erst viel später hat mein neuer Partner mich gefragt, ob ich im
Internet eigentlich auch mal nach mir selbst gesucht hätte.
Da musste ich wieder an einen anderen Vorfall denken, bei dem ich früher
ein ungutes Gefühl hatte. Auf dem Arbeitslaptop meines Ex-Mannes sind mal
Dateien gefunden worden. Ganz schlimme. Darin ging es um mich, um
Erniedrigung, Schmerzen und darum, mich wie eine Prostituierte zu
verkaufen. Jemand hat da geschrieben: „Die Fotos reichen nicht, schick mal
Videos, ich will mehr sehen.“ Das sah aus wie Chatverläufe. Aber mein
Ex-Mann hat behauptet, das seien nur seine Fantasien, die er aufgeschrieben
hätte.
Als ich dann wirklich Bilder von mir im Netz entdeckt habe, habe ich alles
zur Anzeige gebracht. Aber das Verfahren wurde eingestellt, weil andere
Vorwürfe gegen ihn schwerer wiegen würden, also die wegen
Kinderpornografie.
Auch zivilrechtlich konnte ich nichts durchsetzen. Denn der ist abgetaucht,
nirgends mehr gemeldet. Obwohl er eine Arbeitsstelle hat, heißt es, er sei
nicht auffindbar, ich müsse ihn schon selbst suchen. Meine Anwältin hat
auch die Polizei in dem Ort, in dem er arbeitet, angeschrieben, ob sie dort
mal nach ihm gucken könnte, aber das haben die einfach abgelehnt.
Geholfen haben mir meine Familie und auch mein Sohn. Wenn ich ihn sehe,
weiß ich, warum ich weitermachen muss. Aber der Weg war hart. Das erste
Jahr war besonders dunkel. Bis heute gibt es gute und schlechte Tage. Ich
konnte das noch immer nicht abschließen. Weil das Verfahren nicht
vorangeht, weil wir immer wieder nachbohren müssen. Der Staat hat mir gar
nichts gebracht.
Aber ich bereue die Anzeige nicht. Immerhin habe ich etwas getan. Ich habe
alles getan, was ich konnte. Und zum Glück habe ich Hilfe von HateAid beim
Löschen der Bilder und vom Weissen Ring, die haben mir 2 Sitzungen
Traumatherapie bezahlt.
Ich musste lernen, mich nicht mehr nur über das zu definieren, was mir
passiert ist. Ich bin nicht die Person, die da im Netz dargestellt wird.
Ich bin ein wertvoller Mensch. Das sage ich mir immer wieder. Man kann
nicht alles kontrollieren, aber man kann entscheiden, wie man damit lebt.
Ich versuche, die kleinen schönen Dinge im Leben zu sehen.
Özge (Name geändert), 37, in der Kundenbetreuung tätig
„Ich lasse mir das nicht mehr gefallen, dafür bin ich viel zu wütend“
Es hat damit begonnen, dass ich einen ehemaligen Freund von mir unter einem
Instagram-Post kritisiert habe. Wir kennen uns seit 20 Jahren, kommen beide
aus Hamburg und teilen ein soziales Umfeld. Er ist Rapper, gibt sich als
maskulin und gefährlich.
Seinen Kommentar unter einem Beitrag zu #metoo in der Deutschrap-Szene fand
ich sexistisch und klassistisch. Dazu habe ich mich in der Kommentarspalte
geäußert, ohne ihn persönlich anzugreifen. Kurz darauf bekam ich die erste
Privatnachricht: Ich sei eine „fette Schlampe“, solle seinen Namen nicht
mehr in den Mund nehmen und, weil ich DJ bin, aufpassen, wo ich abends
auflege.
Der Terror ging weiter: Er kontaktierte gemeinsame Freunde, verlangte sehr
aggressiv nach meiner Telefonnummer und drohte damit, was passieren würde,
wenn wir uns begegnen – das ging quer durchs Internet. Auch an meine
berufliche E-Mail-Adresse schickte er Anfeindungen, fragte penetrant nach
meinem Wohnort.
Seine gewalttätige Präsenz verlagerte sich vom digitalen in den analogen
Raum. Als er angetrunken und aggressiv in Bars aufkreuzte, in denen er mich
vermutete, bekam ich es mit der Angst zu tun. Ich ging nicht mehr ohne
Pfefferspray vor die Tür.
Ein paar Tage hat es gedauert, bis ich entschieden habe: Da mache ich nicht
mit. Ich beschloss, die Geschichte in meiner Instagram-Story öffentlich zu
machen. Das war sehr erleichternd, weil ich mir so die Macht zurückgeholt
habe. Auch, weil ich viel Unterstützung erfuhr, vor allem von Frauen und
Queers. Obwohl ich keine prominente Person bin, hat der Vorfall auf Social
Media relativ große Wellen geschlagen.
Zu Beginn haben sich auch viele Männer mit mir solidarisiert. Als dann aber
klar war, über wen ich spreche, sind die Solidaritätsbekundungen
schlagartig abgefallen, weil es sich um Freunde des Täters handelte. Das
fand ich sehr bezeichnend dafür, wie Männer sich gegenseitig decken.
Ich bin dann zur Polizei gegangen und habe den Fall zur Anzeige gebracht.
Kurz darauf bekam ich eine Nachricht, in der sich der Täter bei mir
entschuldigte. Vermutlich um mich dazu zu bringen, meine Anzeige
zurückzuziehen. Mit der hatte er wohl nicht gerechnet. Das habe ich
natürlich nicht gemacht – dennoch wurde das Verfahren von der
Staatsanwaltschaft eingestellt. Danach habe ich nie wieder von ihm gehört.
Scheinbar hat er inzwischen das Land verlassen.
Wenn ich auf die Zeit zurückblicke, bin ich froh, meinen Fall öffentlich
gemacht zu haben, anstatt im stillen Kämmerlein die Angst auszuhalten.
Männer dürfen sich nicht mehr sicher fühlen, wenn sie Schandtaten an Frauen
begehen – weder im Internet, noch in der analogen Welt. Ich lasse mir das
nicht mehr gefallen, dafür bin ich viel zu wütend. Meine Mutter würde
sagen: fuchsteufelswild.
Jasmin (Name geändert), 31, arbeitet als DJ
„Es begleitet mich bis heute. Ich denke sehr oft daran“
Als ich 14 war, hat es angefangen, dass ich auf Snapchat von Jungs
ungefragt Dickpics bekommen habe. Teilweise waren das auch Leute aus meiner
Freundesgruppe. Da kam es mir nicht richtig vor, sie zu blockieren. Ich
hatte Angst, dass ich dann kein Teil der Gruppe mehr sein kann und sozial
darunter leide. Also habe ich es über mich ergehen lassen.
Ein Freund hat immer und immer wieder gefragt, ob ich ihm Nacktfotos von
mir senden kann. Irgendwann habe ich es als einzigen Ausweg gesehen, dem
nachzugeben, damit ich endlich in Ruhe gelassen werde. Die ganze
Freundesgruppe hat das Foto gesehen.
Gemeinsame Freunde wussten auch immer Bescheid, welche Jungs mir schreiben
und Fotos schicken. Das wurde dann einfach als Charakterzug von den Typen
abgetan, dass die einen eben nicht in Ruhe lassen und geradezu bedrängen.
Die anderen fanden das eher lustig. Meine Freundesgruppe bestand damals
auch hauptsächlich aus Jungs. Mittlerweile bereue ich das sehr, weil ich
dadurch ein ganz falsches Bild davon bekommen habe, was richtig und was
falsch ist.
Als ich 15 Jahre alt war, hatte ich eine dreimonatige Beziehung. Das war
die einzige Zeit, in der mich der andere Typ in Ruhe gelassen hat. Das ist
so krass, weil er einfach diesen anderen Jungen mehr respektiert hat als
mich. Er hat es ja nur deswegen gelassen. Eine Woche nachdem die Beziehung
vorbei war, ist er dann auch in Echt übergriffig geworden. Freunde von uns
haben das mitbekommen. Sie fanden das natürlich blöd, haben es aber damit
abgetan, dass er ja betrunken war.
Nachdem das passiert ist, hat er mir wieder Fotos auf Snapchat geschickt.
Da habe ich dann etwas gesagt, aber so richtig konfrontiert habe ich ihn
nie. Niemand hat die Situation wirklich ernst genommen und ich habe mich
eben auch dafür geschämt. Das tue ich bis heute, auch wenn ich weiß, dass
ich das nicht müsste.
Nach ein paar Jahren bin ich raus aus der Freundesgruppe und habe es auch
geschafft, ihn auf allen Plattformen zu blockieren. Dann hat er angefangen,
Fake-Instagram-Profile zu erstellen und mir darüber teilweise explizite
Sachen geschickt oder mich direkt nach Nacktbildern gefragt. Das ging
mehrere Jahre lang. Ich bin mir sehr sicher, dass er das war, weil er mich
dort zum Beispiel auch nach alten Freundinnen gefragt hat, die er auch
belästigt hat.
Eine Zeit lang habe ich das alles verdrängt. Erst als der Rammstein-Fall
durch die Medien ging, ist es auch bei mir wieder hochgekommen. Da ging es
mir richtig schlecht. Es begleitet mich bis heute, ich denke sehr oft
daran. Dann bin ich einerseits traurig, weil mir mein jüngeres Ich so leid
tut. Sie wusste es damals nicht besser.
Und ich bin wütend, dass mir niemand geholfen hat und erkannt hat, wie
schlimm die Situation war. Vor Kurzem habe ich eine Therapie begonnen, da
will ich auf jeden Fall auch über das Thema reden.
Lilly (Name geändert), 22, Studentin
„Ich wünsche mir, dass die Politik endlich eingreift“
Männer müssen verstehen: Das Internet ist kein rechtsfreier Raum. Ich bin
seit einiger Zeit auf Social Media aktiv. Content auf Tiktok und Instagram
zu teilen, ist mein Job. Doch dort beobachte ich zunehmend, wie schnell
Männer Frauen sexualisieren. Mich nervt, dass sie online ständig mehr
wollen. Wenn ich meinen Hund oder mein Outfit poste, folgt oft direkt die
Frage, ob ich mich ausziehen könne.
Auf Deepfakes von mir bin ich über Kommentare aufmerksam geworden. Dort
wurden Links zu angeblichen OnlyFans-Accounts gepostet – einer Plattform,
auf der Creator:innen explizite Inhalte teilen. Diese Hinweise häuften
sich, bis ich schließlich meinen Namen zusammen mit „Porn“ gegoogelt habe.
Es tauchten mehrere entsprechende Seiten auf. Daraufhin bat ich mein
Management, sich die Inhalte anzusehen. Es ist wirklich schlimm, hieß es
dann. Ich sei nicht die einzige, die davon betroffen ist. Sie haben mir
geraten, damit an die Öffentlichkeit zu gehen. Das war vor zwei Monaten.
Seitdem habe ich innerlich eine Mauer aufgebaut. Der Gedanke, dass das
Thema jetzt öffentlich ist, belastet mich weniger, weil ich ohnehin ständig
sexualisiert werde. Dennoch überschreiten Männer immer wieder Grenzen. Es
ist verstörend zu wissen, dass andere mit verzerrten pornografischen
Inhalten Geld verdienen.
Ebenso belastend ist der Gedanke, dass Menschen diesen Content konsumieren.
Eine Freundin erzählte mir, dass ein Mann, mit dem ich bereits an einem
Esstisch saß, sich meine Deepfakes angeschaut hat.
Ich möchte auch nicht wissen, wofür mein Gesicht konkret benutzt wird.
Kürzlich ist mir eingefallen, dass ich schon einmal ein gefälschtes
Nacktfoto von mir gesehen habe. Ich hatte das verdrängt. Es zu sehen, hat
mir nicht gutgetan. Seitdem entscheide ich mich bewusst dagegen, weitere
Fotos oder Videos anzuschauen.
Die Recherchen meines Managements haben ergeben, dass die Personen hinter
den Inhalten vermutlich nicht in Europa leben. Dadurch sind uns die Hände
gebunden. Ein Unternehmen bot mir an, gegen einen monatlichen Betrag die
Inhalte löschen zu lassen.
Einige wurden bereits entfernt. Trotzdem möchte ich dafür kein Geld zahlen,
solange sich andere einen solchen Service nicht leisten können. Das wäre
ein Privileg und keine dauerhafte Lösung. Stattdessen braucht es klare
Gesetze, die Betroffene schützen. Besonders wütend macht mich, dass auch
Kinder von solchen Deepfakes betroffen sind.
Diese Wut hilft mir, weiterzumachen. Ich habe das Gefühl, dass gerade ein
Umdenken stattfindet und vielen klar wird, dass so etwas nicht in Ordnung
ist. Ich wünsche mir, dass die Politik endlich eingreift. Und anderen
Betroffenen möchte ich sagen: Bleibt euch treu. Diese Bilder sind nicht
echt. Sucht euch Hilfe und geht dagegen vor.
Nadine Breaty, 27, Content-Creatorin
28 Mar 2026
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