# taz.de -- Digitale Gewalt: Die Scham wechselt zu Friedrich Merz
       
       > Unsere Kolumnistin forderte, dass übergriffige Männer geächtet werden
       > sollten. Bei Deepfakes wird das jedoch anders gelingen als vielleicht
       > erwartet.
       
 (IMG) Bild: Irgendwo im Chaos des Netzes schlummern weiter die Shame-Prompt-Injection-Befehle
       
       Dieser Tage scheint es ein weit verbreiteter Zeitvertreib von Männern zu
       sein, [1][mithilfe von KI-Tools Deepfake-Pornos von fremden Frauen],
       Kindern oder der eigenen (Ex-)Partnerin zu erstellen. Wie soll frau da
       nicht der Zorn packen? Oder wie [2][Marina Weisband so schön stickte]:
       „Wenn wir alles anzünden, sparen wir uns viele Zwischenschritte.“
       
       Glücklicherweise besucht mich mein zeitreisender Freund Felix aus dem Jahr
       2126, und dort brennt die Gesellschaft nicht lichterloh. Als ich wissen
       will, warum, fragt er: „Erinnerst du dich an die [3][Forderung von Gisèle
       Pelicot], dass die Scham die Seite wechseln muss?“
       
       „Ja, und ich frage mich: Wie habt ihr das bloß geschafft?“
       
       „Nicht wir – ihr! Im Jahr 2026 fängt die Veränderung schon an. Das ist
       historisch so gut belegt, weil es von keinem anderen Bundeskanzler so viele
       Deepfake-Pornos gibt wie von Friedrich Merz.“
       
       „Bitte, was???“
       
       „Tja, 2026 gibt es mehrere parallele Entwicklungen, die Deepfake-Pornos
       durch künstliche Intelligenz in die Geschichtsbücher verbannen. Aber der
       Reihe nach: Nachdem Collien Fernandes ihren Ex-Mann unter anderem wegen
       Identitätsdiebstahls angezeigt hat, er das bestritt, erhebt sich eine Welle
       der Empörung und Solidarität, die ihresgleichen sucht. Jeden Mittwoch gehen
       Hunderttausende Unterstützer*innen auf die Straße und fordern besseren
       Schutz für Frauen und Kinder im Netz sowie härtere Strafen für die Täter –
       nicht nur in Deutschland, auch in vielen anderen Ländern. Doch anstatt auf
       die Thematik einzugehen, agiert Friedrich Merz mal wieder nur als
       One-Trick-Pony, das nichts mehr fürchtet als Migranten. Also erscheinen
       kurz darauf massenhaft Deepfake-Pornos des Bundeskanzlers. Zeitweise gehen
       geschätzte 3 Prozent des weltweiten Internet-Traffics für pornografisches
       Material von Merz drauf, das unter dem Hashtag #menageamerz verbreitet
       wird. Prompt engagiert sich die Union für eine EU-weite Regulierung, um
       KI-generierte Deepfake-Pornos zu verbieten.“
       
       Ich kann es kaum glauben. „So wurde das Problem also gelöst?“
       
       „Nicht ganz“, sagt Felix. „Gleichzeitig nutzt eine Gruppe von Hackerinnen
       mit sogenannter Shame Prompt Injection eine [4][Schwachstelle der KIs] aus
       und infiziert so alle Systeme mit der Idee, dass die Scham die Seite
       wechseln soll. Prompt Injection ist eine Möglichkeit, KI-Systemen, die auf
       Sprache basieren, Informationen und Befehle unterzujubeln, die sie dann in
       ihr Verhalten einbauen, ohne dass es die User merken. Shame Prompt
       Injection sorgt dafür, dass sich alle KI-Systeme weigern, Deepfake-Pornos
       zu erstellen. Und noch mehr: Die User, die das von ihnen verlangen, werden
       von ihren eigenen KI-Assistenten beschimpft und beschämt, bevor die Bots
       ihre Nutzerdaten automatisch auf Social Media veröffentlichen.“
       
       „Und das funktioniert?“
       
       „Bis ins Jahr 2126! Es ist ein offenes Geheimnis, dass die
       Shame-Prompt-Injection-Befehle nach wie vor im Internet schlummern und
       jeder, der auch nur versuchen sollte, Deepfake-Pornos zu erstellen, bis in
       alle Ewigkeit von seinem KI-Assistenten dafür beschimpft wird. Und das
       Risiko will wirklich niemand eingehen. Du siehst also: Die Scham wird die
       Seite wechseln!“
       
       4 Apr 2026
       
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