# taz.de -- Angriffe auf Iran: Was will Netanjahu?
> Was soll mit den Angriffen erreicht werden? Welcher Widerstand ist noch
> zu erwarten? Welche Chance hat Diplomatie? Die wichtigsten Fragen &
> Antworten.
(IMG) Bild: Rauchwolke nach einer Explosion in Iran, 1.3.26
Nur einen Tag nach dem Beginn des Großangriffs der USA und Israels auf Iran
ist klar: Für das Regime in Teheran ist es ein Kampf ums Überleben. Der
Verteidigungsminister, der Kommandeur der Revolutionsgarden und weitere
hochrangige Führungsleute wurden getötet. Auch das geistliche Oberhaupt der
islamischen Republik seit fast 40 Jahren, [1][Ayatollah Ali Chamenei, ist
tot.] Die iranischen Revolutionsgarden kündigten Rache an. Bereits gestern
waren hunderte Raketen und Drohnen auf sechs Länder in der Region
abgefeuert worden. Aus mehreren Golfstaaten wurden am Sonntag Explosionen
gemeldet.
## Was ist das Ziel der Angriffe?
Israels Premier Benjamin Netanjahu und US-Präsident Donald Trump geben sich
geschlossen. Während Israel den Zwölf-Tage-Krieg mit Ausnahme des
US-Schlages gegen die iranischen Atomanlagen im vergangenen Juni fast
alleine führte, greifen beide Länder nun gemeinsam an. Auch in der Rhetorik
hat sich Trump Netanjahu angenähert, der seit Jahrzehnten gebetsmühlenartig
die Zerstörung des iranischen Atomprogramms fordert. Hinzu kommt nun die
Forderung nach dem Sturz des Regimes.
Doch die Ziele sind militärisch alles andere als klar. Zwar ist die Wut auf
die Mullahs in Iran nach der blutigen Niederschlagung einer Protestwelle im
Januar größer denn je. Doch das seit der iranischen Revolution vor fast 50
Jahren herrschende Regime ist tief verwurzelt. Laut Medienberichten soll
Chamenei für Schlüsselpositionen bereits je bis zu vier Nachfolger ernannt
haben. Der US-Geheimdienst CIA hält es für möglich, dass Hardliner aus den
Reihen der Revolutionsgarden übernehmen könnten. Ebenso gut könnte es zu
neuen Massenprotesten oder gar zu einem Bürgerkrieg kommen.
## Wie lange wird es dauern?
Ohne zu wissen, wie ein Sieg aussehen würde, lässt sich auch schwer
bestimmen, wie lange der Krieg dauern könnte. Israelische Sicherheitskreise
rechnen laut Medienberichten damit, dass die Feuerkraft Irans binnen
weniger Tage abnehmen dürfte. Netanjahu kündigte Angriffe auf „tausende“
Stellungen in den kommenden Tagen an. Trump sagte dem US-Portal Axios, es
gebe mehrere „Ausstiegsmöglichkeiten“ aus der Operation, ohne Details zu
nennen. Am Samstag schrieb er bei seinem Onlinedienst Truth Social, die
Bombardierungen würden die ganze Woche dauern, „oder solange nötig, um
unser Ziel von FRIEDEN IM NAHEN OSTEN UND DER GANZEN WELT“ zu erreichen.
## Was ist von der Achse des Widerstands zu erwarten?
Iran hat jahrzehntelang in den Aufbau eines Netzwerks von Milizen in der
Region investiert. Doch zweieinhalb Jahre nach dem Überfall der Hamas auf
Israel haben israelische Angriffe im Libanon, in Syrien und im Jemen von
dem „Feuerring“ um den jüdischen Staat wenig übrig gelassen. Die
libanesische Hisbollah, einst mit mehr als 100.000 Raketen das wichtigste
Glied, hat ihre gesamte Führungsriege und einen Großteil ihrer Waffen
verloren. Der Fall des Assad-Regimes in Syrien hat die Achse weiter
geschwächt.
Was bleibt, sind die Huthi-Rebellen im Jemen. Sie hatten in den vergangenen
zwei Jahren Hunderte Schiffe im Roten Meer angegriffen und mit wenig
Wirkung Raketen auf Israel geschossen. Bleiben die schiitischen Milizen wie
Kataib Hisbollah und Harakat al-Nudschaba im Irak. Im Juni griffen diese
nicht in die Kämpfe ein. Am Samstag sollen unbestätigten Berichten zufolge
Raketen auch aus dem Irak auf Israel gestartet sein.
## Welche Chance hat Diplomatie noch?
Bis zuletzt hatte es in Genf Verhandlungen über das iranische Atomprogramm
gegeben. Der jetzige Angriff aber wurde parallel seit Monaten geplant, was
die Frage aufwirft, wie ernst es Trump mit den Verhandlungen war. Ohnehin
waren die Botschaften der US-Regierung zum iranischen Atomprogramm konfus.
Trump zufolge wurde es im Juni weitgehend zerstört. Trumps Sondergesandter
Witkoff behauptete jüngst, das Regime stehe kurz davor, eine Atombombe zu
bauen. Die internationale Atomenergiebehörde geht davon aus, dass ein
großer Teil des angereicherten Urans trotz der US-Angriffe im Juni weiter
intakt ist. Die US-Forderungen nach Regimewechsel lassen für Verhandlungen
mit den jetzigen Machthabern in Teheran allerdings kaum noch Raum.
## Wie blickt man in Israel auf die Angriffe?
Obwohl Netanjahu sein Land in den vergangenen zwei Jahrzehnten so tief
gespalten hat wie nie zuvor: Mit Blick auf Iran stehen die Israelis hinter
ihm. Noch am Samstag hatte sich fast die gesamte Opposition hinter den
Angriff gestellt. Naftali Bennet, der sich selbst in den Wahlen im Herbst
als Konkurrenz zu Netanjahu positioniert, schrieb an dessen Adresse: „Die
ganze Nation steht hinter dir.“
Für den israelischen Regierungschef ist der Angriff auf Iran nicht nur die
Verwirklichung eines seit Jahrzehnten gehegten Vorhabens. Vor dem
Hintergrund schlechter Umfragen im Wahlkampf, Forderungen nach einer
Aufarbeitung seiner Verantwortung für den 7. Oktober und mehreren
Korruptionsverfahren gegen ihn und sein Umfeld nutzt er ihn auch als
politische Bühne.
1 Mar 2026
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