# taz.de -- Krieg im Nahen Osten: Konsensuelle Euphorie
       
       > In breiten Teilen der israelischen Gesellschaft gilt der Krieg gegen Iran
       > als alternativlos. Kritische Stimmen geraten zunehmend ins Abseits.
       
 (IMG) Bild: Premierminister Benjamin Netanjahu während einer Ansprache am 1. März 2026 auf dem Dach des Kirya-Gebäudes in Tel Aviv, Israel
       
       Jenseits der Fokussierung auf die Bekanntgabe von zu erwartendem
       Raketenalarm und damit zusammenhängenden Appellen an die israelische
       Bevölkerung, den Anweisungen des örtlichen Home Front Command zu folgen,
       dominiert in der seit Samstag laufenden Dauerberichterstattung im
       israelischen Hörfunk im Zuge des völkerrechtswidrigen [1][Angriffskriegs
       der USA und Israels gegen Iran] vor allem die eine Frage: Kann man
       [2][Regierungschef Benjamin Netanjahu] für die offensichtliche
       Überzeugungsarbeit, die er beim US-Präsidenten Donald Trump geleistet hat,
       dankbar sein, und in welchem Verhältnis steht der neuerliche von Israel
       begonnene Krieg im Nahen Osten zur innenpolitischen Situation des
       Premierministers? Es ist bezeichnend, wie auch nahezu alle führenden
       Oppositionspolitiker*innen in Israel einhellig für die
       Bombardierung Iran öffentlich Partei ergriffen haben.
       
       Oppositionsführer Jair Lapid von der Zukunftspartei sprach von einer
       „existenziellen Bedrohung“, was symptomatisch ist für eine Opposition, die
       sich ausschließlich der innenpolitischen Auseinandersetzung gegen den
       verhassten Netanjahu verschrieben hat. Sie beruht – wie bereits im Hinblick
       auf den Genozid an den Palästinenser*innen im Gazastreifen in den
       vergangenen zweieinhalb Jahren – auf der Annahme, dass kein Zusammenhang
       bestünde zwischen der autoritären Führung einerseits und der
       Militarisierung der Gesellschaft auf der anderen Seite.
       
       Die allgemeine Akzeptanz von militärischer Aggression als „alternativlos“
       in großen Teilen der jüdischen Bevölkerung und die politische Unterstützung
       durch die Opposition sind Zeugnis der tiefen Verankerung der Systems
       Netanjahu. Wenn Fragen von Krieg und Frieden als „unpolitisch“ gelten,
       können antimilitaristische Stimmen in den Bereich des Illegitimen gerückt
       werden. Sie gelten bisweilen sogar als staatsfeindlich. Das militärische
       Dogma wird hingegen weiter vertieft und dient – [3][mit Ausnahme der
       Orthodoxen] – als Klebstoff für die sonst tief fragmentierten Gesellschaft.
       
       3 Mar 2026
       
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