# taz.de -- Krise am Golf: Amok in der Nachbarschaft
> Iran beschießt nun seine Nachbarn. Das Ziel: Die Golfstaaten sollen den
> Druck an Israel und USA weitergeben. Doch das Kalkül dürfte nicht
> aufgehen.
(IMG) Bild: Heile Welt in Gefahr: Am Himmel über Katar zerstört das nationale Abwehrsystem iranische Raketen
Der omanische Außenminister Badr bin Hamad al-Busaidi war noch vergangene
Woche zentraler Mediator zwischen USA und Iran. Am Wochenende wurden seine
Bemühungen zunichte bombardiert. Der Oman gelangte sogar selbst ins
Kreuzfeuer. Zwei iranische Drohnen bombardierten den kommerziellen Hafen
Duqm, eine traf eine Unterkunft ausländischer Arbeiter, ein Mann wurde
verletzt. Eine andere verursachte Trümmer in der Nähe von Benzintanks.
Nach den völkerrechtswidrigen Angriffen Israels mit den verbündeten USA
gegen den Iran trägt die Islamische Republik den Krieg in der Golfregion
aus: Raketeneinschläge in den Flughäfen von Dubai und [1][Abu Dhabi], Feuer
im Luxushotel [2][Burj al Arab in Dubai], eine gewaltige Explosion auf dem
US-Stützpunkt in Manama, iranische Raketen gegen US-Stützpunkte in
Saudi-Arabien, Bahrain, Katar, Kuwait und die Emirate. Durch die Angriffe
im Golf [3][starben drei Menschen, 100 wurden verletzt.]
[4][Alleine auf die Emirate] feuerte der Iran 137 Raketen und 209 Drohnen
ab. Der Luftraum über Kuwait, Bahrain, Katar und den Emiraten ist quasi
leer. Die Flughäfen in Dubai, Abu Dhabi und Doha sind quasi geschlossen.
Die USA und Israel haben einen klaren militärischen Vorteil. Sie führen
einen modernisierten, hochtechnologisierten Krieg, während dem Iran als
Verbündete geschwächte schiitische Milizen in Libanon und Irak sowie die
Huthis im Jemen und Präzisionsraketen bleiben. Die Kurzstreckenraketen, die
den zwölftägigen Krieg im Sommer überstanden haben, reichen gegen Ziele in
Küstennähe. Daher attackiert Iran US-Stützpunkte in den Golfstaaten. Mit
US-Soldaten auf ihrem Boden werden die Golfländer zu direkten
Konfliktparteien zwischen Washington und Teheran.
## Druck erhöhen
Nachhaltig ist Irans militärische Taktik nicht: Die USA und Israel haben
die überragenderen Luft- und Aufklärungssysteme, die Abschussorte von
Raketen bei jedem Start lokalisieren und so systematisch die Abschussrampen
zerstören können. Irans Taktik ist es nicht, durch die Angriffe in den
Golfstaaten die Verteidigungswaffen der USA zu erschöpfen, sondern
vielmehr, internationale Besorgnis zu erhöhen.
Dubai, Abu-Dhabi und Doha sind wichtige Luftfahrtdrehkreuze. Die
Golf-Hauptstädte sind Zentren der globalen Finanzwirtschaft – legal wie
auch illegal. Millionen Barrel Rohöl passieren täglich die Straße von
Hormuz. Die Anführer der Huthi-Rebellen drohen, Raketen- und
Drohnenangriffe gegen Handelsschiffe wieder aufzunehmen.
Das Ziel Irans: Die Golfstaaten sollen Druck erzeugen, um den Krieg zu
verkürzen. Doch die Taktik geht nicht auf. Statt den USA und Israel Dampf
zu machen, sind die Golfstaaten sauer auf Iran.
„Kommt zur Vernunft“, appellierte der emiratische Präsidentenberater
[5][Anwar Gargash] am Sonntag an den Iran. „Euer Krieg richtet sich nicht
gegen eure Nachbarn.“ Die Attacken gegen die Golfstaaten seien eine
„Fehlkalkulation“ und isolierten den Iran.
## Saudisches Doppelspiel
Anfang 2026 hatten die Golfstaaten noch erklärt, die USA dürften ihren
Luftraum oder ihr Territorium nicht für Militäraktionen gegen den Iran
nutzen. Ihre Meinung könnten sie nun ändern, sollten die Angriffe der
Islamischen Republik stärker werden.
Der saudische Kronprinz Mohammed bin Salman [6][telefonierte am Samstag]
mit US-Präsident Donald Trump. Saudi-Arabien baut auf die Partnerschaft mit
den USA – die sunnitische Monarchie ist nicht nur Rivale der schiitischen
Theokratie im Iran, die Amerikaner sind auch der bessere Businesspartner.
Sofort nach der Wahl Trumps im Januar 2025 [7][bekräftigte Bin Salman],
Investitionen und Handel auf 600 Milliarden US-Dollar auszuweiten. Die
Staatschefs telefonierten in den vergangenen Monaten öfter, berichtet die
Washington Post. [8][Demnach] soll Bin Salman zwar öffentlich für
Diplomatie geworben haben – Trump jedoch am Telefon ermutigt haben, Iran
anzugreifen.
Saudi-Arabien und Iran hatten ihre Rivalität bisher in anderen Regionen
über verschiedene Bündnisse ausgetragen, nun kommt der Konflikt auf ihren
eigenen Grund und Boden. Nach dem Tod von Chamenei hat Irans Vorsitzender
des Obersten Nationalen Sicherheitsrates, Ali Larijani, noch heftigere
Angriffe gegen die USA angekündigt – ausgetragen auf dem Boden im Golf.
Nur einer scheint seine Wut an die Aggressoren zu richten: „Das ist nicht
euer Krieg“, appellierte der sonst so diplomatische omanische Außenminister
Badr al-Busaidi in einer direkten Nachricht an die USA. Und das, obwohl
schon das Erheben der Stimme nach omanischer Sitte verpönt ist. Bislang ist
al-Busaidis Stimme auch die einzige, die noch auf Diplomatie setzt, er rief
den UN-Sicherheitsrat auf, auf einen Waffenstillstand zu drängen.
1 Mar 2026
## LINKS
(DIR) [1] https://english.alarabiya.net/News/gulf/2026/03/01/one-killed-seven-wounded-in-incident-at-abu-dhabi-airport
(DIR) [2] https://www.reuters.com/world/middle-east/four-injured-after-incident-dubai-international-airport-dubai-media-office-says-2026-02-28/
(DIR) [3] https://x.com/megaphonenewsen/status/2028082523683606739?s=48
(DIR) [4] https://www.newarab.com/news/two-dead-iran-launches-waves-strikes-wealthy-gulf
(DIR) [5] https://www.washingtonpost.com/world/2026/03/01/iran-us-israel-reactions-03-01-2026/676c011a-152c-11f1-8e8d-fe91db44677b_story.html
(DIR) [6] https://www.spa.gov.sa/en/N2248412
(DIR) [7] https://www.spa.gov.sa/en/N2248412
(DIR) [8] https://www.washingtonpost.com/politics/2026/02/28/trump-iran-decision-saudi-arabia-israel/
## AUTOREN
(DIR) Julia Neumann
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