# taz.de -- Chamenei durch Israel getötet: Auf den Tod des Diktators wird kein Frieden folgen
       
       > Das Mullah-Regime hat seine wichtigste Symbolfigur verloren, aber es wird
       > weitermachen. Wahrscheinliche Szenarien sind eine Militärdiktatur oder
       > Chaos.
       
 (IMG) Bild: Nach den US-israelischen Angriffen auf Iran und dem Tod des Obersten Führers ist die Zukunft des Landes so ungewiss wie nie
       
       Irans oberster Führer Ajatollah Ali Chamenei [1][ist getötet]. Ein Teil des
       Landes [2][trauert, ein anderer feiert]. Was nun? US-Präsident Donald
       Trump, der den Angriffskrieg gegen Iran zusammen mit Israel begann, fordert
       die Iraner auf, die Dinge in die eigene Hand zu nehmen. [3][Das Regime wird
       weitermachen, die institutionelle Nachfolge ist geregelt], aber trotzdem
       hat es seine wichtigste Symbolfigur verloren. Doch es ist unwahrscheinlich,
       dass eine wenig homogene iranische Protestbewegung in den nächsten Tagen in
       Teheran die Macht übernimmt.
       
       Es sind zwei andere Szenarien, die als Ausgang wahrscheinlicher sind. Das
       iranische Regime kommt im Doppelpack daher: mit der Macht der Mullahs, aber
       auch [4][mit den Revolutionsgarden], die eigentlich eine klassische
       Militärdiktatur darstellen. Gut möglich, dass die Mullahs beseitigt werden
       und die Militärdiktatur oder einer ihrer Offiziere versucht, einen
       Alleingang zu starten. Das Land wäre durch eine Militärdiktatur
       stabilisiert. Nicht das, was die Protestbewegung im Sinn hat.
       
       Das zweite Szenario wäre das von Chaos und Bürgerkrieg. Denn die
       Protestbewegung ist stark und laut, aber das Regime hat trotzdem noch genug
       Unterstützer und Profiteure. Zweiteres ist die große Angst der arabischen
       Nachbarschaft und der Golfstaaten, die keine Freunde des iranischen Regimes
       sind. Sie haben vor diesem Angriff auf Iran gewarnt, genau mit dem
       Argument, dass eine ohnehin fragile Region in noch mehr Instabilität
       gestürzt wird.
       
       Dass Golfstaaten wie [5][die Vereinigten Arabischen Emirate] schon jetzt in
       der iranischen Feuerlinie stehen, hat System. Dem Regime in Teheran geht es
       dabei nicht so sehr darum, die USA auf ihren Stützpunkten in der Region
       militärisch zu treffen. Die iranische Regierung weiß, dass sie militärisch
       unterlegen ist. Das politische Kalkül der gegenwärtigen Eskalation am Golf
       ist es, deren Emire und Könige dazu zu bringen, bei Trump zu intervenieren,
       damit er den Krieg einschränkt und zeitlich begrenzt. Sie wissen: Die
       Golfstaaten sind wichtige Verbündete Trump und noch wichtigere
       Geschäftspartner. Ob diese Strategie aufgeht, ist unklar. Das alles findet
       hinter den Kulissen statt.
       
       Europa spielt in all dem keinerlei Rolle. Die Entscheidung, wie es
       weitergeht, wird zwischen Trump, Netanjahu und den Golf-Verbündeten
       Saudi-Arabien, Katar und den Emiraten ausgehandelt. Netanjahu möchte die
       Gunst der Stunde nutzen und treibt Trump an, weiterzumachen. Die
       Golfstaaten werden Druck machen, dem Krieg Einhalt zu gebieten. [6][Und
       Trump wird sich entscheiden müssen.]
       
       1 Mar 2026
       
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