# taz.de -- Straße von Hormus: Nachbeben beim Welthandel
> Iran blockiert im Zuge der Angriffe die Straße von Hormus. Es droht
> insbesondere ein massiver Anstieg der Ölpreise. Reedereien sind nervös.
(IMG) Bild: Die Straße von Hormus ist Teil der weltweit wichtigsten Route für Öltanker
Der Angriff der USA und Israels auf Iran könnte massive Folgen auf die
globale Wirtschaft haben. Insbesondere die Versorgung mit fossilen
Energieträgern droht stark beeinträchtigt zu werden. Denn das Regime in
Teheran sperrt bereits die Straße von Hormus.
Die Straße von Hormus ist eine 55 Kilometer breite Meerenge zwischen Oman
und Iran und war bereits in der Antike ein wichtiger Seeweg. Heutzutage
verbindet sie wichtige Ölhäfen des Nahen Ostens mit den Weltmeeren. Mit
täglich durchschnittlich rund 20 Millionen Barrel Rohöl passierte im Jahr
2024 ein Fünftel des globalen Rohölbedarfs die Straße von Hormus. „Die
aktuelle Eskalation trifft das Herz globaler Seehandelsrouten und auch die
Schiffe deutscher Reedereien, vor allem aber die Menschen an Bord
unmittelbar“, warnt Martin Kröger, Hauptgeschäftsführer des Verbands
Deutscher Reeder.
Wie die Nachrichtenagentur Oman News Agency unter Berufung auf das
omanische Zentrum für maritime Sicherheit am Sonntag berichtete, wurde
bereits ein Öltanker nahe der Straße von Hormus beschossen. Dabei seien
vier Personen verletzt, die 20-köpfige Besatzung evakuiert worden. Wer den
Angriff verübte, war zunächst unklar.
Viele Reedereien, darunter auch die deutsche Hapag-Lloyd, stellten
angesichts der Bedrohung die Durchfahrt bereits ein. „Die Sicherheit
unserer Besatzungen, Schiffe und ihrer Fracht hat für uns weiterhin höchste
Priorität“, teilte die Reederei mit. Die Einstellung der Durchfahrt sei
daher „keine Ermessensfrage, sondern eine notwendige Reaktion auf die
aktuelle Lage und die geltenden behördlichen Auflagen“.
## Auch Ausweichrouten betroffen
Wenn am Montag wieder der Handel beginnt, könnten durch den Kriegsbeginn
insbesondere die Ölpreise in die Höhe schnellen. „Die Ölmärkte könnten am
Montag mit ihren schlimmsten Befürchtungen konfrontiert werden“, warnt die
britische Bank Barclays in einem Bericht am Samstag. Der Preis für ein
Barrel (159 Liter) der Rohölsorte Brent könnte demnach auf bis zu 100
US-Dollar steigen. Am Freitag kostete dieselbe Menge noch 72,48 US-Dollar.
Dauert der Krieg länger an, könnte dies auch die Inflation wieder anheizen,
so wie zuletzt nach dem russischen Angriff auf die Ukraine und den damit
verbundenen Auswirkungen auf die Energiepreise. Immerhin einigte sich die
Kerngruppe des Kartells Erdöl exportierender Länder (Opec+) am Sonntag
bereits auf eine leichte Anhebung der täglichen Fördermenge.
Laut der Weltbank könnte eine Blockade der Straße von Hormus auch die
Lebensmittelpreise nach oben treiben. „Sollte die Gasversorgung
unterbrochen werden, könnten die Düngemittelpreise erheblich steigen, was
wahrscheinlich auch zu höheren Lebensmittelpreisen führen würde“, warnte
die Weltbank bereits 2024 in einem Bericht.
Zudem verläuft westlich der Straße von Hormus eine weitere wichtige
Handelsroute, die nun in Mitleidenschaft gezogen werden könnte: Das Rote
Meer mit der Meerenge Bab al-Mandab und dem Suezkanal ist eine der
wichtigsten Handelsachsen zwischen Europa und Asien. Als die jemenitischen
Huthi-Rebellen im Zuge des Gazakrieges dort Schiffe angriffen, stoppten
Reedereien damals zeitweilig die Passage durch das Rote Meer. Auch damals
waren Sorgen groß wegen der möglichen Auswirkungen auf Welthandel und
Weltwirtschaft.
„Inzwischen haben die Huthi-Rebellen erneut Angriffe auf die internationale
Handelsschifffahrt angedroht“, warnt der Verband Deutscher Reeder. Die
Kombination aus militärischer Eskalation im Umfeld des Persischen Golfs und
anhaltenden Bedrohungen im südlichen Roten Meer schaffe „ein durchgehendes
Risikoband entlang zentraler Seehandelsrouten zwischen Europa und Asien“.
Es drohe eine weitere Ausweitung der Konfliktdynamik mit erheblichen
Risiken für die Handelsschifffahrt in der gesamten Region.
1 Mar 2026
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(DIR) Simon Poelchau
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