# taz.de -- Drei Getötete aus Irans Führungsriege: Der Korrupte, der Eskalator und der Unterdrücker
       
       > Ali Shamkhani und Mohammad Pakpour waren Kommandeure der
       > Revolutionsgarden. Aziz Nasirzadeh war Verteidigungsminister.
       
 (IMG) Bild: General Ali Shamkhani in einem Büro mit iranischer Flagge
       
       Neben Ajatollah Ali Khamenei wurden am Samstag bei einem von den USA und
       Israel durchgeführten Angriff mehrere wichtige Köpfe des Regimes getötet.
       Ein Überblick über die drei wichtigsten: 
       
       ## Ali Shamkhani: Ein korrupter Stratege
       
       Ali Shamkhani diente der Islamischen Republik über die Jahre in einer Reihe
       von hohen Positionen: Als hochrangiger Kommandeur der Islamischen
       Revolutionsgarde (IRGC), Verteidigungsminister und zuletzt Sekretär des
       Verteidigungsrats. Shamkhani galt als einer der zentralen strategischen
       Entscheidungsträger des Regimes.
       
       Er wurde 1955 in Ahvaz geboren und studierte zunächst Ingenieurwesen, bevor
       er sich der Islamischen Republik zuwandte. Er hatte drei Kinder, die
       mutmaßlich in Ölschmuggel verwickelt waren und Netzwerke zur Umgehung von
       Sanktionen unterhielten. Sein Sohn kontrollierte wohl eine große Flotte von
       Schiffen, die kürzlich unter US-Sanktionen gestellt wurden.
       
       Seine Familie galt als ein Symbol für die tief verwurzelte Korruption und
       der Profitgier innerhalb der Elite des Regimes. Gegen Mitglieder seiner
       Familie und enge Vertraute wurden Sanktionen verhängt. [1][Ein Video, in
       dem er seine Tochter in einem tief ausgeschnittenen Brautkleid bei ihrer
       Hochzeit in einen Saal führte], sorgte unter Iranerinnen und Iranern für
       Ärger – befürwortete er doch die Durchsetzung des Hijab.
       
       Shamkhani hatte sowohl bei der Unterdrückung innerstaatlicher Proteste als
       auch bei der Destabilisierung des Nahen Ostens die Finger im Spiel. Er war
       ein hochrangiger politischer Berater des ebenfalls getöteten Obersten
       Führers der Islamischen Republik [2][Ali Chamenei]. Und er war beteiligt am
       Unterhalt eines Netzwerks von mit Teheran verbündeten bewaffneten Gruppen
       in der Region. Das trug jahrzehntelang zur Instabilität im Irak, im
       Libanon, in Syrien und im Jemen bei.
       
       Sein Tod wird in Iran als Symbol aufgefasst. Eines der einflussreichsten
       Gesichter des Regimes ist nicht mehr.
       
       ## Aziz Nasirzadeh: Ein Minister unter den Toten
       
       Aziz Nasirzadeh war Minister für Verteidigung und Logistik der
       Streitkräfte. Er stand im Zentrum einer Maschinerie, die Terror in der
       gesamten Region verbreitete – und einen bedeutenden Teil der Militär- und
       Waffenplanung des Landes leitete.
       
       Nasirzadeh wurde 1964 in Sarab, Ost-Aserbaidschan, geboren und stieg vom
       Kommandeur der Luftwaffe zum stellvertretenden Chef des Generalstabs der
       Streitkräfte auf, um schließlich die gesamte Verteidigung des Landes zu
       lenken. Ein Zeichen bedingungsloser Loyalität gegenüber dem System.
       
       In den letzten Jahren wurde Nasirzadeh zum offenen Fürsprecher der
       Eskalation der regionalen Spannungen. Er wiederholte immer wieder die
       Rhetorik der Islamischen Republik zur Zerstörung Israels und schürte das
       Anheizen von Krisen im Nahen Osten.
       
       Nasirzadehs Haltung war starr und unnachgiebig – fixiert darauf, jeder
       wahrgenommenen internen oder externen Bedrohung entgegenzutreten. Mit
       seiner Haltung hatte er zum Beginn des Krieges wohl beigetragen – und damit
       zu seinem eigenen Tod.
       
       ## Mohammad Pakpour: Der Revolutionsgardist
       
       Pakpour war hochrangiger Kommandeur der Islamischen Revolutionsgarden
       (IRGC), die von vielen Regierungen als terroristische Organisation
       eingestuft wird. Er spielte eine zentrale Rolle innerhalb der
       Sicherheitsarchitektur der Islamischen Republik – bei der Durchsetzung der
       inneren Repression und der Ausweitung des militärischen Einflusses Teherans
       in der Region.
       
       Er wurde 1961 in Arak geboren und trat unmittelbar nach der Revolution von
       1979 den Garden bei. Er diente in verschiedenen Führungspositionen, unter
       anderem als Kommandeur der Landstreitkräfte der IRGC. 2025 wurde er auf
       direkten Befehl von Ali Chamenei Oberbefehlshaber der IRGC – was ihn ins
       Zentrum der autoritären Machtstruktur stellte.
       
       Unter Pakpours Befehl wurden Landstreitkräfte wiederholt zur Unterdrückung
       innerstaatlicher Proteste im Iran eingesetzt. Unabhängige Berichte
       kritisierten diese Maßnahmen als Menschenrechtsverletzungen und gewaltsame
       Unterdrückung. In Reden bezeichnete Pakpour Demonstrierende als „Agenten
       der Unsicherheit“. Das schürte in weiten Teilen der iranischen Gesellschaft
       tiefes Misstrauen.
       
       Pakpour trug außerdem zur militärischen Koordination mit den Proxies in
       Syrien, Irak und Libanon bei und stärkte die operativen Verbindungen
       zwischen der IRGC und diesen von Teheran unterstützten bewaffneten Gruppen.
       
       Für einen bedeutenden Teil der iranischen Öffentlichkeit galt Pakpour nicht
       als Mann der Verteidigung – sondern als Symbol für innenpolitische
       Unterdrückung, Missachtung von Freiheitsforderungen und repressive
       Sicherheitsmaßnahmen.
       
       Die Autorin war im Jahr 2024 [3][Stipendiatin des Refugium-Projekts der taz
       Panter Stiftung] und Reporter ohne Grenzen.
       
       1 Mar 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://www.iranintl.com/en/202510192118
 (DIR) [2] /Nachruf-auf-Ali-Chamenei/!6158792
 (DIR) [3] /taz-panter-stiftung/das-refugium-stipendium/!v=07336dde-9a7f-42d5-af22-36381af0d66a/
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Mahtab Qolizadeh
       
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