# taz.de -- Reform des Heizungsgesetzes: Gesetz mit vielen Lücken
> Die schwarz-rote Reform des Heizungsgesetzes sorgt für Kritik bei Umwelt-
> und Sozialverbänden. Auch aus der SPD selbst kommt Kritik.
(IMG) Bild: Warme Erinnerungen: Habeck, Vater des alten Heizungsgesetzes, begutachtet 2024 als Wirtschaftsminister eine Wärmepumpe
Die [1][Pläne der Bundesregierung zur Novellierung der Heizungsregeln]
stoßen bei Umwelt-, Sozial- und Verbraucherverbänden auf Kritik. Sie halten
die geplanten Änderungen für klimaschädlich und eine Kostenfalle für
Verbraucher:innen. Bundesumweltminister Carsten Schneider (SPD) soll gegen
das Vorhaben im Kabinett ein Veto einlegen, fordern die Dachorganisationen
Deutscher Naturschutzring und der Sozialverband Der Paritätische.
[2][Union und SPD hatten am Dienstagabend die lang erwartete Einigung für
die Reform des Gebäudeenergiegesetzes (GEG) vorgestellt.] Damit wollen sie
ein umstrittenes Projekt, das sogenannte Heizungsgesetz, der Ampelregierung
entkernen. Die damaligen Minister:innen Klara Geywitz (SPD) und Robert
Habeck (Grüne) hatten mit zahlreichen Regeln den Umstieg von fossilen
Heizungen auf klimafreundliche in Gang setzen wollen. Durch das Heizen wird
sehr viel klimaschädliches CO₂ freigesetzt. Die gesetzlich festgelegten
Ziele zur Senkung der Treibhausgasemissionen werden bei Weitem nicht
erreicht.
Aus diesem Grund hatte die Ampel den Einbau neuer Öl- und Gasheizungen ab
dem Zeitpunkt verboten, ab dem eine verbindliche kommunale Wärmeplanung
vorliegt. Das wird in einigen Regionen ab 1. Juli der Fall sein, wenn das
Gesetz nicht vorher geändert wird. Die Union hatte im Bundestagswahlkampf
die „Abschaffung“ des Heizungsgesetzes versprochen, sie steht unter
Zeitdruck.
Deshalb sollen die Änderungen zum 1. Juli in Kraft treten. Union und SPD
wollen das Verbot kassieren, Gas und Ölheizungen sollen auch in Zukunft
eingebaut werden dürfen. Außerdem soll die Vorgabe entfallen, dass neue
Heizungen zu 65 Prozent mit erneuerbaren Energien betrieben werden müssen.
[3][Im Gegenzug soll eine sogenannte Grüngasquote eingeführt werden.] Sie
besagt, dass Biokraftstoffe dem fossilen Brennstoff beigemischt werden
müssen. Für Heizgas liegt sie ab 2028 bei einem Prozent. Eine weitere Quote
gilt nur für neue Gasheizungen. Diese Quote soll ab 2029 bei 10 Prozent
liegen und dann steigen.
## Vorgaben werden aufgeweicht
An der Vorgabe für Kommunen, einen Plan für das künftige Heizen aller
Gebäude in ihrem Gebiet aufstellen zu müssen, wollen Union und SPD
festhalten. Allerdings werden die Vorgaben aufgeweicht, etwa für kleine
Kommunen unter 15.000 Einwohner:innen. Die Förderung für den Einbau von
klimafreundlichen Heizungen, die je nach Einkommen bei bis zu 70 Prozent
der Kosten liegt, soll bis mindestens 2029 erhalten bleiben.
Obwohl die klimawirksamen Maßnahmen beim Heizen weitgehend geschleift
werden sollen, glauben Union und SPD, dass die Klimaziele weiterhin
eingehalten werden können. „Wir werden die Klimaziele übererfüllen“, sagte
der stellvertretende Unions-Fraktionsvorsitzende Sepp Müller.
Wie das funktionieren soll, ist unklar. Ohnehin sind viele wichtige Details
noch offen. In dem fünfseitigen Eckpunktepapier der
Koalitionsverhandlungsgruppe steht, dass es „einer Regelung zum Schutz der
Mieter vor überhöhten Nebenkosten durch den Neueinbau unwirtschaftlicher
Heizungen“ bedarf. Wie dieser Schutz aussieht, ist völlig unklar.
„Wir schauen mit großer Sorge auf das, was vorgelegt wurde“, sagte Kai
Niebert, Präsident des Deutschen Naturschutzrings, bei einer gemeinsamen
Pressekonferenz mit dem Paritätischen Wohlfahrtsverband und dem
Bundesverband der Verbraucherzentralen (vzbv). Gegenüber der jetzigen
Rechtslage werde die Lücke beim Einsparen von CO₂ drastisch vergrößert. Es
sei völlig unklar, woher die Biogase kommen sollen, mit denen die
Grüngasquote erfüllt werden soll. Es gebe Zweifel, ob das
verfassungsrechtlich haltbar sei. Bundesumweltminister Carsten Schneider
(SPD) könne nicht anders, als dagegen im Kabinett ein Veto einzulegen,
sagte er.
Dieser Auffassung ist auch die Geschäftsführerin des Paritätischen
Gesamtverbandes Katja Kipping: „Es ist eine Frage der Ehre für
Umweltminister Schneider, ein Veto einzulegen und das Schlimmste zu
verhindern.“ Neben den negativen klimapolitischen Auswirkungen fürchten die
Verbände steigende Belastungen für Mieter:innen. Sie sehen die Gefahr, dass
Vermietende billige Heizungen einbauen lassen, die hohe Betriebskosten
haben – und Mietende nichts dagegen tun können. Auch die Grüngasquote wird
die Kosten nach oben treiben, ist Jutta Gurkmann vom vzbv überzeugt. Nach
Angaben des vzbv sind Biogastarife heute 25 Prozent teurer als
herkömmliche.
Die Klimapolitiker:innen der SPD waren am Mittwoch weitgehend auf
Tauchstation. Manche hatten keine Zeit, andere wollten sich lieber nicht
zitieren lassen. Nina Scheer, energiepolitische Sprecherin der SPD
Fraktion, erklärte immerhin, dass die SPD die „Abschaffung des
Heizungsgesetzes von Beginn an für falsch gehalten“ hatte. Also – ein
letztes Mal die Fahne hissen. Scheer fürchtet „die Gefahr einer
Verstetigung fossiler Ressourcennutzung“ – kurzum: das Ende der Wärmewende.
Sie hofft, dass ein Hebel bleibt – nämlich die ausreichende Förderung von
Wärmepumpen. „Darauf wird es nun bei der weiteren Ausgestaltung ankommen“,
so Scheer.
Bei der Ausgestaltung aber wird CDU-Wirtschaftsministerin Katherina Reiche
das letzte Wort haben.
25 Feb 2026
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