# taz.de -- Reform des Heizungsgesetzes: Regierung entkernt Habecks Wärmewende
> Die Regierung will den Bürger:innen signalisieren, dass sie weiter mit
> Gas heizen können. Grüne und Linke kritisieren die Pläne scharf.
(IMG) Bild: Freuen sich über ihre Einigung: Fraktionschefs Spahn und Miersch mit Wirtschaftsministerin Reiche
Die Union klopft sich auf die Schulter, Grüne, Linke und
Umweltorganisationen sind hell entsetzt: Die schwarz-rote Regierung hat
sich darauf verständigt, die von der Ampel eingeleitete Wärmewende zu
entkernen. Die Opposition wirft der Regierung vor, mit der Reform des
Heizungsgesetzes die Interessen der fossilen Gasbranche zu bedienen und
Verbraucher:innen enormen Kostenrisiken auszuliefern.
[1][Am Dienstagabend hatten die Fraktionsspitzen von Union und SPD ihre
Einigung] auf Eckpunkte für die Änderung des Gebäudeenergiegesetzes (GEG)
vorgestellt, das zentrale Punkte zum Heizen klärt. Gas- und Ölheizungen
sollen künftig wieder uneingeschränkt eingebaut werden dürfen. Die
bisherige Beratungspflicht bei einem Einbau wird abgeschafft. Mit der
Beratungspflicht wollte die Ampel verhindern, dass Bürger:innen
unwissend in Kostenfallen geraten, denn der Betrieb dieser Heizungen wird
künftig sehr teuer.
Außerdem wollen Union und SPD die 65-Prozent-Quote abschaffen, die
vorsieht, dass Heizungen zu diesem Anteil mit erneuerbaren Energien
betrieben werden müssen. Die Quote wird ersetzt durch eine Vorgabe für die
Versorgungsunternehmen. Sie sollen künftig nichtfossiles Gas und Öl in die
fossilen Brennstoffe mischen. Die vorgeschriebene Menge soll schrittweise
erhöht werden, das ist die „Grüngas“- oder „Grünölquote“. Sie soll 2028 bei
1 Prozent liegen. Für neue Öl- und Gasheizungen soll sie ab 2029 10 Prozent
betragen. An der Förderung von neuen klimafreundlichen Heizungen wie
Wärmepumpen will die Regierung mindestens bis 2029 festhalten.
Details stehen noch nicht fest. Trotzdem soll die Umsetzung schnell gehen.
Der Gesetzentwurf soll vor Ostern vom Kabinett verabschiedet und dann zügig
vom Bundestag beschlossen werden. Ziel ist, dass es vor dem 1. Juli in
Kraft tritt.
## Habecks Heizungsgesetz
Die Regierungsparteien hatten in ihrem Koalitionsvertrag festgelegt, das
von der Ampel eingeführte „Heizungsgesetz“ abzuschaffen. Mit den
federführend von SPD-Bauministerin Klara Geywitz und dem grünen
Wirtschaftsminister Robert Habeck verantworteten Projekt hat die Ampel den
Umstieg vom fossilen auf klimaschonendes Heizen eingeleitet – und sich eine
massive Hetzkampagne, vor allem der Springerpresse, eingehandelt. Da es
kein Heizungsgesetz gibt, hatte die schwarz-rote Koalition bereits im
Herbst beschlossen, [2][das Gebäudeenergiegesetz in
Gebäudemodernisierungsgesetz umzubenennen.]
Jetzt folgen die inhaltlichen Aufräumarbeiten. „Wir haben Wort gehalten.
Das Habeck’sche Heizungsgesetz wird abgeschafft“, freute sich
Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU). „Für alle Eigentümer
gilt künftig: freie Heizungswahl – vom Einfamilienhaus auf dem Land bis zur
Mietwohnung in der Stadt.“ Habecks Gesetz habe Eigentümer:innen
verunsichert. Die Regierung nehme die Unsicherheit aus dem Markt. Das
Signal an die Bürger:innen sei, dass Gasheizungen weiterbetrieben werden
könnten. Sie würden klimafreundlich, indem grüne Gase dem fossilen
Brennstoff beigemischt werden.
Der Unionsfraktionsvorsitzende Jens Spahn erklärte, die Bürger:innen
bekämen wieder die Freiheit, selbst zu entscheiden, wie sie heizen. „Der
Heizungskeller wird wieder zur Privatsache“, sagte er. SPD-Fraktionschef
Matthias Miersch lobte die Einigung in der Frage, „die hochdiffizil ist“.
## Harsche Kritik von der Opposition
„Die Eckpunkte zur GEG-Novelle kennen einen Gewinner: die Gaslobby“, sagte
hingegen der Energieexperte der grünen Bundestagsfraktion Alaa Alhamwi. Die
Grüngasquote werde als Fortschritt verkauft, sei aber ein
Etikettenschwindel. Sie öffne die Tür dafür, weiterhin neue Gasheizungen
einzubauen, und zementiere so fossile Abhängigkeiten für Jahrzehnte. „Die
Bundesregierung killt die Wärmepumpe und setzt auf sogenannte grüne Gase,
wo die Verfügbarkeit ungeklärt und immense Kosten vorprogrammiert sind“,
sagte er. „Wer so handelt, ist von seinen populistischen Forderungen
verblendet.“
Die Koalition gebe die Klimaziele im Gebäudesektor auf und vollziehe einen
Kniefall vor der Gaslobby, sagte auch Violetta Bock, Sprecherin für
Klimagerechtigkeit, Wärmepolitik und Umweltfragen der Linksfraktion im
Bundestag. „Die veröffentlichten Eckpunkte sind ein Desaster“, sagte sie.
Bei der Grüngasquote handele es sich um reines Greenwashing. Mit der Reform
solle nicht nur die fossile Gasheizung, sondern auch die Gasnetze und die
dazugehörigen Geschäftsmodelle gerettet werden. Die SPD habe sich von CDU
und CSU völlig über den Tisch ziehen lassen. „Die Einigung setzt einen
neuen Tiefpunkt im klima- und sozialpolitischen Abrisskurs der Koalition“,
sagte sie.
Grüne und Linke weisen darauf hin, dass durch die geplanten Änderungen
erhebliche Kostenrisiken auf die Verbraucher:innen zukommen, denn
[3][grüne Gase] sind teuer. Gefahren sehen sie vor allem für Mieter:innen,
denn sie können nicht entscheiden, wie sie heizen.
Auch die Umweltorganisation Greenpeace sieht in diesen Änderungen
Rückschritte für den Klimaschutz und finanzielle Risiken für
Verbraucher:innen. „Die angeblich ‚grünen‘ Alternativen zum fossilen Erdgas
und Öl sind knapp und teuer, die Gasnetzentgelte pro Haushalt steigen
absehbar“, sagte Greenpeace-Energieexpertin Mira Jäger.
## Streitpunkt Grüngasquote
Der Bundesverband Erneuerbare Energien (BEE) weist darauf hin, dass die
Einigung auf den Wegfall der 65-Prozent-Vorgabe möglicherweise nicht den
EU-Vorgaben entspricht. Anders als viele Umwelt-NGOs, Grüne und die
Linkspartei lehnt der BEE eine Grüngasquote nicht grundsätzlich ab. „Eine
gut gemachte Grüngasquote kann einen sinnvollen Beitrag zur Erhöhung der
Planungssicherheit für Investitionen leisten. Das hängt allerdings sehr von
der genauen Ausgestaltung ab“, sagte BEE-Präsidentin Ursula Heinen-Esser.
Die Christdemokratin war von 2018 bis 2022 Umweltministerin in
Nordrhein-Westfalen.
Dagegen hält Malte Küper vom Institut der Deutschen Wirtschaft Köln (IW)
grundsätzlich nichts von einer Grüngasqote. Die gesamtwirtschaftlichen
Nachteile überwögen unabhängig von ihrer Ausgestaltung, sagte er. „Die
Quote suggeriert eine Anschlusslösung und ‚Weiter so‘ mit Gasnetz und
Heizungen und schafft dadurch Fehlanreize beim Heizungseinbau.“ Nach
Berechnungen des IW würden die Gaskosten für Privathaushalte durch die
Grüngasquote bis 2030 um 9 Prozent steigen, und zwar zusätzlich zu den
Erhöhungen durch den CO2-Preis und die Netzentgelte.
25 Feb 2026
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## AUTOREN
(DIR) Anja Krüger
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