# taz.de -- Schwarz-rote Energiepolitik: Hart an der Grenze zum Trumpismus
> Die schwarz-rote Koalition entkernt das Heizungsgesetz und will die
> Solarförderung erschweren. Damit leitet sie einen harten Klima-Rollback
> ein.
(IMG) Bild: Zurück in die Vergangenheit: Union und SPD behaupten, sie wollten mit der Reform gesellschaftliche Gräben zuschütten
Totgesagte leben länger: Geht es nach Union und SPD, werden Gas- und
Ölheizungen Wohnungen in Deutschland noch viel, viel länger heizen als
bislang vorgesehen. Schwarz-Rot will das Aus für fossile Heizungen
zurückdrehen. Das geht aus den gerade vorgelegten [1][Eckpunkten für die
Novellierung des Heizungsgesetzes] hervor. Man möchte fast erleichtert
sein, dass sie immerhin darauf verzichten, dass der Einbau auch noch
gefördert wird.
Die Koalitionäre haben sich auf eine klima- und sozialpolitische Irrfahrt
verständigt. Sie wollen das Heizungsgesetz der Ampel, das die SPD selbst
mitverfasst hat, entkernen. Dabei gehen sie maßlos und ohne Rücksicht auf
das wirkliche Leben vor. Die weitere Zulassung von Gas- und Ölheizungen
wollen sie klimapolitisch kompensieren, indem sie eine Beimischungsquote
mit grünen Brennstoffen einführen. Mit diesen Maßnahmen wird das Heizen
jedoch noch teurer, als es ohnehin schon ist.
Die Biogasquote führt zu steigenden Preisen, warnen
Verbraucherschützer:innen. Nach Daten des Statistischen Bundesamts konnten
2024 rund 5,3 Millionen Menschen ihre Wohnungen aus finanziellen Gründen
nicht so heizen, wie sie es gerne gewollt hätten. Diese Zahl wird steigen,
wenn die schwarz-roten Pläne Wirklichkeit werden. Ob es im
Willy-Brandt-Haus noch Leute gibt, die analysieren, warum die SPD nicht aus
dem Umfragetief herauskommt? Eher nicht. Die Verkaufe von Schwarz-Rot: Die
Bürger:innen sollen wieder frei entscheiden können, was sie in ihren
Heizungskellern tun und lassen.
Mit dieser Logik könnte die Regierung gleich alle Bauvorschriften
abschaffen. Union und SPD behaupten, sie wollten mit der Reform
gesellschaftliche Gräben zuschütten, die durch das Heizungsgesetz der Ampel
aufgeworfen worden seien. Das Argument ist schon deshalb krude, weil sich
die Aufregung um die Heizungsvorgaben längst gelegt hat. Handwerker:innen,
Schornsteinfeger:innen und Bauleute haben sich auf den neuen Status
quo eingestellt. Die Rolle rückwärts wird bei all jenen zu einem enormen
Verdruss führen, die in die Qualifizierung ihrer Mitarbeitenden und die
Änderung ihres Geschäftsmodells investiert haben.
Die Union segelt mit ihren Plänen hart an der Grenze zum Trumpismus. Sie
behauptet, die Klimaziele würden mit dieser Novellierung eingehalten, sogar
„übererfüllt“. Aber das ist mit den neuen Vorgaben unmöglich – es sei denn,
die Klimaziele werden stark herabgesetzt oder verschoben. Bis zum Jahr 2045
muss Deutschland klimaneutral sein, so hat es der Bundestag beschlossen.
Aus Gebäuden stammt heute fast ein Fünftel der CO₂-Emissionen, vor allem
aus fossilen Heizungen. Die Klimaziele werden hier bei Weitem nicht
erfüllt. Jede neue Gas- und Ölheizung macht es schwerer, die Emissionen
ausreichend zu senken. Dass die Klimaziele trotzdem erreicht werden, weil
Biogas zum Heizen genutzt wird, ist unrealistisch.
## Umweltminister als Grüßaugust
Dazu ist die Quote zu klein. Außerdem [2][kann auch synthetisches Gas wie
aus Erdgas gewonnener blauer Wasserstoff] beigemischt werden, was der
Klimabilanz nicht hilft. Wenn der SPD-Umwelt- und Klimaminister Carsten
Schneider nicht auf ein Dasein als Grüßaugust bei Stromspar-Checks oder auf
Berlinale-Veranstaltungen degradiert werden will, muss er einschreiten. Er
hätte viele Mitstreiter:innen. Von Umwelt- über Sozial-, Mieter- und
Verbraucher:innenorganisationen bis zu Branchenverbänden – nahezu
die gesamte Zivilgesellschaft lehnt die Neuregelungen ab.
Die Abrissbirne von CDU-Wirtschaftsministerin Katherina Reiche zielt nicht
nur auf das Heizungsgesetz der Ampel. Leaks aus ihremn Ministerium zeigen,
dass sie einen Generalangriff auf die Energiewende plant. [3][Sie will auch
die Bedingungen für den Betrieb von Solar- und Windkraftanlagen massiv
verschlechtern.] Das ist gefährlich, nicht nur aus Klimaschutzgründen.
Strom aus erneuerbaren Quellen ist billiger als der aus fossilen. Wind- und
Solaranlagen produzieren hierzulande Strom und ersetzen Importe etwa aus
den USA, sie machen unabhängig. Das funktioniert nur, wenn immer mehr
fossile Prozesse elektrifiziert werden. Das gilt für die Hochöfen in
Duisburg und Salzgitter ebenso wie für den Heizungskeller in Aachen und
Zwickau.
Aber Reiches Prioritäten sind andere. Die frühere Managerin einer Tochter
des Energiekonzerns Eon ist ein Brückenkopf der fossilen Energiewirtschaft
in der Bundesregierung. Sie macht kein Geheimnis daraus, dass sie fest
entschlossen ist, dass Geschäftsmodell der fossilen Industrie so lange zu
erhalten, wie es geht. Das schadet nicht nur dem Klima, sondern auch der
Wirtschaft und der Gesellschaft. Deshalb ist es unverantwortlich, dass
niemand aus der Regierung sie stoppt.
28 Feb 2026
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## AUTOREN
(DIR) Anja Krüger
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