# taz.de -- SPD und Heizungsgesetz: Debakel mit rotem Schleifchen
> Die SPD konnte sich beim neuen Heizungsgesetz nicht durchsetzen, die CDU
> brauchte diesen Sieg. Nun wird es für Mieter richtig teuer.
(IMG) Bild: Die CDU brilliert, die SPD verliert – oder macht das, was sie am besten kann: die Sache verraten
Das neue Heizungsgesetz ist das Gegenteil von dem, was die SPD wollte. Es
wird wahrscheinlich dafür sorgen, dass die Klimawende beim Heizen
weitgehend zum Stillstand kommt. Denn es fehlen Anreize, sich von fossiler
Energie zu verabschieden. Warum sollen Vermieter eine kaputte Gasheizung
durch eine Wärmepumpe ersetzen, die auch mit Förderung in der Anschaffung
weit teurer sein wird als eine neue Gastherme?
CDU-Fraktionschef Jens Spahn erklärte fröhlich, dass es bald genug billiges
grünes Gas geben wird. SPD-Fraktionschef Matthias Miersch ist ein
erfahrener Klimapolitiker, der weiß, dass dies Unfug ist. Er stand ohne
eine Miene zu verziehen neben Spahn.
Für die SPD ist dieses Gesetz doppelt übel. Ihre mühsam errungene
klimapolitische Glaubwürdigkeit geht buchstäblich in Rauch auf. Und: Die
Zeche für diesen Fehler werden die MieterInnen zahlen. Wenn Spahns
Seifenblasen – die massenhaften billigen Biogasimporte aus der Ukraine –
zerplatzt sind, [1][werden Millionen MieterInnen fette Gasrechnungen
blechen] müssen. Daran ändern Absichtserklärungen, MieterInnen schützen zu
wollen, wenig. Habecks Gesetz wollte zu viel zu schnell, Reiches Gesetz
will zu wenig zu langsam.
Konnte die SPD anders? Realpolitisch nein. Die Union wollte und brauchte
diesen Sieg unbedingt. Die Merz-CDU hat vor der Wahl viele luftige
Ankündigungen gemacht und eine Kehrtwende Richtung konservativer
Gesellschaftspolitik und neoliberaler Wirtschaftspolitik versprochen. Doch
die Abschaffung beispielsweise des Bürgergeldes spart eben keine
zweistelligen Milliardenbeträge. Und mit der SPD gibt es keinen halben
Abriss des Sozialstaates.
## Realpolitisch verständlich
Umso vehementer war der [2][Druck der Union beim Heizungsgesetz]. Nichts
braucht die Union derzeit weniger als eine rechtspopulistische Kampagne,
die sie als „Habeck light“ diffamieren könnte. Diese Gefahr ist gebannt.
Die 16-Prozent-Partei SPD konnte an dieser Front nichts gewinnen.
Realpolitisch kann man diese Kapitulation sogar verstehen.
Der SPD fehlt allerdings ein brauchbarer Umgang mit Niederlagen. Sie neigt
dazu, nach verlorenen Kämpfen ihre eigenen Desaster mit einem rotem
Schleifchen zu versehen und zu verteidigen, was nicht zu verteidigen ist.
Das Mindeste wäre, dass die SozialdemokratInnen Klartext reden, nämlich:
Wir haben verloren. Und: Die [3][Mär vom grünen, billigen Gas] ist eine
Lüge der Gaslobby.
26 Feb 2026
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(DIR) Stefan Reinecke
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