# taz.de -- Reform des Erneuerbare-Energien-Gesetzes: Wie Reiche die Solar-Förderung kappen will
       
       > CDU-Wirtschaftsministerin Katherina Reiche nimmt kleine
       > Photovoltaik-Anlagen ins Visier. Von den Einschnitten betroffen wären vor
       > allem Privatleute.
       
 (IMG) Bild: Angriff auf die Energiewende: Kleine Solaranlagen mit bis zu 25 Kilowatt sollen nicht mehr gefördert werden
       
       Jetzt also auch noch Bremsklötze für die Solarenergie:
       Bundeswirtschaftsministerin [1][Katherina Reiche] (CDU) schleift die
       Energiewende. Nach dem [2][Netzpaket] und dem [3][Heizungsgesetz] geht es
       nun der Photovoltaik an den Kragen, wie ein Reformentwurf des
       [4][Erneuerbare-Energien-Gesetzes] (EEG) vorsieht, der der taz vorliegt.
       
       Demnach sollen Solaranlagen bis 25 Kilowatt künftig weder über eine
       Einspeisevergütung refinanziert werden, noch sollen sie die Möglichkeit
       erhalten, überhaupt noch Strom ins Netz einzuspeisen. Betroffen von der
       Regel sind auch die kleinen Dachanlagen, die üblicherweise von
       Privatpersonen aufs Eigenheim gebaut werden – und wesentlicher Treiber der
       technologischen Entwicklung waren. Für existierende Anlagen soll es
       Bestandsschutz geben.
       
       Im Gesetzentwurf heißt es: „Um die Kosteneffizienz des Ausbaus der
       Solarenergie zu stärken, wird dabei zukünftig ein stärkerer Fokus auf
       kostengünstige Freiflächenanlagen gelegt.“ Freiflächenanlagen bauen in der
       Regel Investoren.
       
       Das EEG war im Jahr 2000 von einer Parlamentariergruppe um den SPD-Visionär
       Hermann Scheer entworfen worden und hat den klimafreundlichen
       Stromtechnologien weltweit zum Durchbruch verholfen: Über eine Umlage
       wurden Wind-, Biomasse- und Sonnen-Kraftwerke refinanzierbar, weshalb die
       Nachfrage stieg und eine technologische Lernkurve auslöste:
       Photovoltaikanlagen sind heute nur noch zehn Prozent so teuer wie vor 25
       Jahren.
       
       ## Rechnen sich die kleinen Anlagen auch ohne Förderung?
       
       Für große Kraftwerke – Wind- oder Solarparks – wurde mittlerweile ein
       Ausschreibungsverfahren eingeführt: Die Bundesnetzagentur veröffentlicht
       einen Plan, wie viel neue Leistung sie neu ans Netz nehmen will, Investoren
       können sich bewerben. Diejenigen, die am wenigsten staatliche Unterstützung
       beanspruchen wollen, bekommen den Zuschlag. Die aktuelle
       EU-Beihilfegenehmigung dafür läuft Ende 2026 aus. Deshalb ist es notwendig,
       dass EEG noch in diesem Jahr neu aufzulegen.
       
       Zur Begründung des Förder-Aus für Anlagen bis 25 Kilowatt installierter
       Leistung heißt es im Gesetzentwurf: „Diese Anlagen – insbesondere kleine
       Solaranlagen – sind inzwischen aufgrund gesunkener Kosten oft bereits ohne
       zusätzliche Förderung wirtschaftlich, sofern sie hohe
       Eigenverbrauchsanteile realisieren können.“
       
       Tatsächlich werden heute viele Dachanlagen mit einem Batteriespeicher
       versehen, weil der Strom aus der Steckdose teurer ist als die Vergütung für
       eine Einspeisung ins Netz. PV-Anlagen ohne Eigennutzung erhielten zuletzt
       12,47 Cent je Kilowattstunde. Trotz des Förderstopps hält der Gesetzentwurf
       am Ziel fest, bis 2030 den Grünstromanteil am Bruttostromverbrauch in
       Deutschland auf 80 Prozent zu steigern. Aktuell liegt er erst bei 58
       Prozent.
       
       ## Solarverband: Zehntausende Arbeitsplätze in Gefahr
       
       Der Bundesverband Solarwirtschaft (BSW) verweist auf einer Umfrage des
       Marktforschungsunternehmens YouGov unter 1.048 Immobilienbesitzern: Nur
       noch 40 Prozent der Befragten würden sich demnach eine Dachanlage
       anschaffen, wenn die Förderung weitgehend oder ganz gestrichen würde.
       „Sollte der Gesetzesentwurf in der vorliegenden Fassung umgesetzt werden,
       wären zehntausende Arbeitsplätze in der Solarbranche und das Erreichen der
       Klimaziele gleichermaßen gefährdet“, so der BSW. Zuletzt arbeiteten gut
       100.000 Menschen in Deutschland in der Solarindustrie, überwiegend als
       Installateur.
       
       Kritik bekommt Reiche auch aus den Reihen der schwarz-roten Koalition. „Das
       Ziel von mindestens 80 Prozent Erneuerbarer bis 2030 darf nicht gefährdet
       werden, sondern bedarf stabiler wie investitionssichernder
       Rahmenbedingungen“, erklärte Nina Scheer, energiepolitische Sprecherin der
       SPD-Fraktion im Bundestag und Tochter von EEG-Gründer Hermann Scheer. Nach
       dem kürzlich geleakten Referentenentwurf zum Netzanschlusspaket sei dies
       ein weiterer Entwurf, der den Aussagen des Koalitionsvertrages zur
       Energiewende widerspricht.
       
       Scheer: „Die geplante Streichung der Förderung für kleine Solaranlagen mit
       bis zu 25 Kilowatt Einspeiseleistung riskiert, dass das Segment der
       Dach-Photovoltaik insbesondere auf Eigenheimen in den meisten Fällen
       unwirtschaftlich wird. Zur Erreichung der Ausbauziele kann und darf aber
       auf kein Ausbausegment verzichtet werden.“
       
       27 Feb 2026
       
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