# taz.de -- Reform des Heizungsgesetzes: Umwelt- und Sozialverbände kündigen Widerstand an
> Sozialverbände warnen vor einer „Kostenfalle“ beim Heizungsgesetz.
> Derweil kündigen Klimaschützer an, die Bewegung sei „aus dem Winterschlaf
> zurück“.
(IMG) Bild: Sozial- und Umweltverbände gehen die Bundesregierung hart an: Sie treibe Mieter*innen in eine Kostenfalle
Sozialverbände, Umwelt- und Klimaschützer*innen protestierten am
Dienstag vor dem Kanzleramt gegen die geplante Reform des Heizungsgesetzes.
„Dieses Vorhaben hat drei große Verlierer*innen: Mieter*innen,
Verbraucher*innen und den Klimaschutz“, sagte Katja Kipping,
Geschäftsführerin des Paritätischen Gesamtverbandes. Die Reform bezeichnete
Kipping als „klares Geschenk an die Gaslobby“.
Vor mehreren hundert Demonstrierenden vor dem Kanzleramt sagte
Fridays-for-Future-Sprecherin Carla Reemtsma, „wir sind aus dem
Winterschlaf zurück und sagen dem fossilen Backlash den Kampf an“. Die
Bundesregierung mache Politik „einzig und allein für die Profite der
Gaskonzerne“. Klimaschutz werde „ein längerer Kampf und wir werden wieder
und wieder auf der Straße stehen“, so Reemtsma.
Die Spitzen der Regierungsfraktionen CDU und SPD hatten am vergangenen
Dienstag Eckpunkte für eine Novellierung des Gebäudeenergiegesetzes
vorgelegt, das künftig Gebäudemodernisierungsgesetz heißen soll.
Darin soll unter anderem die Regel gestrichen werden, dass je nach
Ortsgröße ab Sommer 2026 oder 2027 neue Heizungen mit mindestens 65 Prozent
erneuerbaren Energien betrieben werden müssen. Stattdessen sollen Gas- und
Ölheizungen uneingeschränkt weiter eingebaut werden dürfen, aber dafür ab
2029 verpflichtend mit 10 Prozent „Grüngas“ oder „Grünöl“ betrieben werden.
## Kipping: „Frieren das einzige Mittel, um zu sparen“
Weil Heizgas aufgrund des EU-weit planmäßig steigenden CO2-Preises teurer
werden wird und grünes Biogas oder -methan knapp und teuer sind, warnte
Kipping vor einer „Kostenfalle“. Besonders Mieter*innen, deren
Vermieter*innen sich gegen eine Wärmepumpe oder einen
Fernwärmeanschluss entscheiden, würden darunter leiden. „Für sie ist
Frieren das einzige Mittel, um zu sparen“, sagte sie.
„Wir Mieter*innen werden nicht nur den extremen Schwankungen der
Gaspreise unterworfen“, sagte Lisa Kadel von der Initiative Soziale
Wärmewende mit Verweis auf den Gaspreisschock nach der russischen Invasion
der Ukraine 2022 und den aktuellen Preissteigerungen infolge des
US-Angriffs auf Iran. „Sondern wir werden auch dazu gezwungen, knappes und
teures Biogas zu kaufen.“ Vermieter*innen und Konzerne scherten sich
nicht um Mieter*innen, so Kadel. „Sie werden sich nicht an der Wärmewende
beteiligen, wenn sie keine Anreize bekommen oder dazu gezwungen werden.“
Kipping wies auf die schwammige Formulierung in den Eckpunkten der
Bundesregierung hin, es „bedarf einer Regelung zum Schutz der Mieter vor
überhöhten Nebenkosten durch den Neueinbau unwirtschaftlicher Heizungen“.
Wenn sich Union und SPD bis hierhin nicht auf konkreteren
Mieter*innenschutz geeinigt hätten, „dann schwant mir Schlimmes“.
Selbst wenn die SPD bestmöglichen Mieter*innenschutz in die
Gesetzesnovelle hineinverhandelt, „wäre das Gebäudemodernisierungsgesetz
[1][eine Katastrophe]“, sagte Kipping. Für den Paritätischen Gesamtverband
seien Fragen des Klimaschutzes „zutiefst soziale Fragen“. Unter den Folgen
von „Extremsttemperaturen“ hätten besonders verletzliche Gruppen wie arme,
kranke oder drogensüchtige Menschen „existenziell zu leiden“.
## Fridays for Future kündigen Protestwelle an
Kipping forderte Bundesumweltminister Carsten Schneider (SPD) deshalb dazu
auf, im Kabinett zu intervenieren. Das sei „eine Frage der Ehre und Ihres
ganz persönlichen Ansehens“, sagte sie an den Minister gerichtet.
Yasin Hinz von Fridays For Future kritisierte Bundeswirtschaftsministerin
Katherina Reiche (CDU) für die Heizungs-Eckpunkte: „Reiche schafft das, was
keine Ministerin in dieser Dreistigkeit geschafft hat: Sie baut unsere
gemeinsame Zukunft zu einer Waffe für die Gaslobby um.“
Hinz kündigte an, „unser Widerstand [2][gegen diese Rückschrittspolitik]
geht jetzt erst los“. Fridays for Future hätten 2021 erfolgreich den
damaligen Wirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) aus dem Amt gedrängt und
Reiches Vorgänger Robert Habeck (Grüne) überlebt. „Wir werden dieser
Bundesregierung zeigen, dass sie eine Rolle vorwärts [3][statt eine Rolle
rückwärts] machen muss.“
3 Mar 2026
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