# taz.de -- Sexistische Aussagen von Hagel: Am Ende ist immer eine Frau schuld
       
       > Manuel Hagel will Ministerpräsident in Baden-Württemberg werden. Ist es
       > da nicht relevant, welches Frauenbild er hat und wie er mit Fehlern
       > umgeht?
       
 (IMG) Bild: Diese blauen Augen!
       
       Mein Körper war noch der eines Kindes, als ich das erste Mal sexuell
       belästigt wurde. Und wer schon einmal mit seiner Freundin, Mutter oder
       Tochter über das Thema gesprochen hat, weiß, dass es ihnen mit hoher
       Wahrscheinlichkeit ähnlich geht.
       
       Der bohrende Blick eines Mannes auf der Straße, der übergriffige Kommentar
       eines Lehrers, Pfiffe aus einem heruntergekurbelten Fenster. Wir alle haben
       es erlebt und erleben es noch immer. Es ist der Normalzustand in
       Deutschland, dass Mädchen schon in jungen Jahren sexualisiert werden.
       
       Alles normal, könnte man also auch sagen, wenn man sich ein älteres
       Interview mit dem baden-württembergischen CDU-Spitzenkandidaten Manuel
       Hagel anschaut.
       
       Im Video-Gespräch mit „Regio TV Schwaben“ erzählt er dem Moderator von
       einem Termin, den er als Berufspolitiker hatte. „Ich war vor wenigen Wochen
       in einer Realschule bei uns im Wahlkreis. Eine Klasse, 80 Prozent Mädchen.
       Da gibt es für 29-jährige Abgeordnete schlimmere Termine als diesen.“
       
       ## Beide Männer lachen
       
       Was er mit seiner Aussage meinte, verdeutlicht er kurz darauf: „Ich werde
       es nie vergessen, die erste Frage. Sie hieß Eva, braune Haare, rehbraune
       Augen.“ Der Moderator wirft ein: „Die wird jetzt rot zu Hause, wenn sie das
       sieht grad hier.“ Beide Männer lachen.
       
       Zwei erwachsene Männer, einer Journalist, der andere Politiker, lachen
       darüber, dass der Politiker Mädchen sexualisiert. Und das nicht einmal im
       privaten Kreis, sondern in einem aufgezeichneten Interview. So normal ist
       das. Und diese Normalität ist es, die uns schockieren sollte.
       
       Denn man könnte Hagels Aussagen schnell als einen flapsigen Kommentar
       früherer Zeiten abtun. Einige seiner Fans argumentieren in sozialen Medien
       schon so. Doch hinter seinem Spruch verbirgt sich ein Frauenbild, das zu
       Missbrauch und Gewalt führen kann. Mädchen, die lediglich als Körper
       betrachtet werden, die Männern zur Verfügung stehen. Harmlos ist daran
       nichts.
       
       Dass wir überhaupt über dieses Video aus dem Jahr 2018 sprechen, liegt
       daran, dass in Baden-Württemberg gerade Wahlkampf ist und die
       Grünen-Bundestagsabgeordnete Zoe Mayer den Interviewausschnitt am
       Montagabend auf ihrem Instagramkanal kommentierte.
       
       ## Etwas Läppisches wie Frauenrechte
       
       Sie fragt: „Warum muss es um das Aussehen dieses minderjährigen Mädchens
       gehen, wenn doch eigentlich ihre Frage im Mittelpunkt steht? Und was sendet
       das für ein Signal an Mädchen und junge Frauen, die sich in der Politik
       engagieren wollen?“
       
       Tausend Kommentare später ist das Video zu einem Wahlkampfthema geworden –
       [1][auch im SWR-Triell am Dienstagabend] wurde es behandelt. Ausgerechnet
       vom AfD-Kandidaten Markus Frohnmaier, der in Richtung [2][Cem Özdemir]
       fragte, ob er sich nach diesem Video noch eine Zusammenarbeit mit der CDU
       vorstellen könne. Özdemirs Antwort: „Ich bin mir sicher, Herr Hagel würde
       das heute nicht mehr so formulieren.“
       
       Klar, eine Koalition aus Schwarz und Grün möchte Özdemir jetzt nicht wegen
       so etwas Läppischem wie Frauenrechte aufs Spiel setzen. Doch dass Hagel
       heute nicht mehr solche Aussagen tätigen würde, halte ich für keine
       Selbstverständlichkeit.
       
       Auf eine Presseanfrage wie er heute auf seine Aussagen blickt, antwortete
       er: „Der Einstieg für das Interview 2018 war Mist. Meine Frau hat mir
       damals direkt den Kopf gewaschen. Frau Dr. Mayer kommt damit jetzt zwölf
       Tage vor der Landtagswahl, also acht Jahre zu spät.“
       
       Anstatt sich bei den damaligen Schülerinnen, allen voran Eva, zu
       entschuldigen, wälzt er die Schuld auf eine andere Frau ab. Eine Frau, die
       es wagt, sein Fehlverhalten öffentlich zu kommentieren. Echte Reue und ein
       Lernen aus den eigenen Fehlern klingt für mich anders.
       
       Erst kürzlich wollte [3][die CDU uns mit der sogenannten Stadtbild-Debatte]
       weismachen, sie interessiere sich für die Sicherheit der Frauen des Landes.
       Wenn Kanzler Friedrich Merz wirklich etwas für Frauen und Mädchen in diesem
       Land tun möchte, sollte er keine rassistischen Debatten lostreten, sondern
       besser mal seinen Parteikollegen zur Seite nehmen.
       
       Denn wenige Tage vor der Baden-Württemberg-Wahl bleibt mir im Kopf: Wer
       möchte, dass sich das Normal verändert und die Körper unserer Kinder nicht
       mehr sexualisiert werden, der kann auf Männer wie Hagel nicht vertrauen.
       
       25 Feb 2026
       
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