# taz.de -- Gen Z und Männlichkeit: Viele Männer sind Schweine. Ich auch?
       
       > Unser Autor fragt sich, inwiefern er sich von den Epsteins dieser Welt
       > unterscheidet. Anlass ist eine Umfrage mit erschreckendem Ergebnis.
       
 (IMG) Bild: „Die Ärzte“ haben es schon 1998 erkannt: Männer sind Schweine
       
       Dass viele Männer nicht nur Arschlöcher, sondern auch ziemlich gefährlich
       sind, ist keine Neuigkeit. Dass das auf besonders viele Gen-Z-Männer
       zutrifft, schon.
       
       In einer [1][Online-Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Ipsos,] die in
       29 Ländern durchgeführt wurde, sagte fast jeder dritte Mann aus dieser
       Alterskohorte, er sei der Ansicht, dass eine Ehefrau ihrem Mann immer
       gehorchen sollte.
       
       Fast genauso viele halten es für ein Problem, [2][wenn ihre Frau mehr
       verdient als sie selbst.] Und 57 Prozent glauben, dass die Gleichstellung
       von Frauen so weit gefördert wurde, dass Männer diskriminiert würden. Im
       Vergleich zu Boomern haben die zwischen 1997 und 2012 geborenen Männer
       deutlich rückschrittlichere Rollenvorstellungen.
       
       Auch ich bin ein Gen-Z-Mann. Einer, dessen Freundin die Spülmaschine
       ausräumt, während ich diese Zeilen tippe. Bei dem Gedanken, dass jeder
       dritte in meinem Alter sich wünscht, seine Ehefrauen würde ihm gehorchen,
       wird mir schlecht. Und trotzdem frage ich mich: Wie progressiv ist meine
       eigene Beziehung? Wie gerecht sind Aufgaben verteilt? Und was für ein
       Machtverhältnis erzeugt das?
       
       ## Ich will das so nicht
       
       Meine Freundin übernimmt mehr Aufgaben im Haushalt, obwohl wir beide
       studieren und arbeiten. Sie saugt auch unterm Sofa, denkt daran, die Gelbe
       Tonne vor die Haustür zu stellen, kauft kleine Papiertüten für den Biomüll.
       
       Dinge, die ich vergesse, die ich nicht sehe, die mir egal sind? Sie trägt
       die mentale Last – den mental load – [3][für ziemlich vieles]. Ich will
       keine Beziehung, in der patriarchale Rollen reproduziert werden, und
       trotzdem muss ich zugeben: Dadurch, dass ich manchmal zum Sport gehe, statt
       das Klo zu putzen, trage ich nicht dazu bei, das Patriarchat im Privaten zu
       stürzen.
       
       Frauen leisten im Schnitt 8 Stunden und 52 Minuten mehr Care-Arbeit pro
       Woche [4][als Männer]. Jede Minute, die Männer nicht damit verbringen, den
       Boden zu schrubben oder das Kind zu wickeln, können sie nutzen, um sich
       einen Karrierevorteil zu verschaffen und ihre gesellschaftliche
       Machtposition zu schützen.
       
       Es braucht nicht einmal die explizit frauenfeindliche Einstellungen, die
       viele Gen-Z-Männer teilen, um Frauen in Beziehungen kleinzuhalten. Es
       reicht schon, von einer Vater-Mutter-Kind-Familie zu träumen, hetero und
       monogam, wie es viele junge Männer in meinem Umfeld tun. Nicht wenige
       denken schon mit Anfang 20 darüber nach, Kinder zu bekommen und sesshaft zu
       werden. Daran, die eigene Karriere deshalb hintenanzustellen, denkt kaum
       einer.
       
       Dass ausgerechnet Gen-Z-Männer vom Revival der Neandertaler-Männlichkeit
       träumen, hängt auch mit den krisenhaften Zeiten, in denen wir leben,
       zusammen. Krieg, Klimakrise, Wohnungsnot: Vieles sicher Geglaubte gerät ins
       Wanken – und gerade die Gen-Z hat wenig Hoffnung auf eine friedliche
       Zukunft.
       
       In Zeiten großer Unsicherheit, suchen Menschen Halt und Kontrolle in
       Altbewährtem. Für junge Männer sind das vor allem Hetero-Beziehungen, in
       denen sie Macht ausüben und von der ungleichen Verteilung von Care-Arbeit
       profitieren können.
       
       Für Gen-Z-Frauen gibt es den sicheren Hafen, den die Hetero-Beziehung für
       Männer darstellt, nicht. Auch sie leiden unter den multiplen Krisen unserer
       Zeit, häufig in einem ungleich stärkeren Maße. Doch durch veraltete
       Rollenerwartungen werden junge Frauen in die häusliche Sphäre
       zurückgedrängt, schuften stundenlang unbezahlt und werden im schlimmsten
       Fall Opfer von häuslicher Gewalt oder Femiziden.
       
       Der Zeitgeist macht es jungen Männern besonders leicht, rückschrittige
       Familienmodelle wiederzubeleben. In den sozialen Medien ästhetisieren junge
       Paare patriarchale Rollenmuster, Regierungen stampfen Diversitätsprogramme
       ein[5][5], die Epstein Files und [6][der Pelicot-Prozess] bringen die
       Abscheulichkeit patriarchaler Gewalt ans Tageslicht.
       
       Auch in meinem Umfeld macht sich eine Art Anti-Woke-Mind-Virus breit. Da
       ist der kleine Bruder eines Freundes, der zu lange auf Tiktok scrollt und
       plötzlich redet wie ein [7][Mini-Andrew-Tate]. Der Kumpel, der
       frauenfeindliche Songtexte mit runtergekurbeltem Autofenster mitrappt. Der
       Bekannte, der mir verklickern will, übermäßiger Tofu-Konsum würde die
       Testosteronproduktion senken: „Schlecht für die Gains Bro.“
       
       Oder der, der im Scherz sagt, er würde seiner Freundin dieses oder jenes
       „nicht erlauben“. Auch junge Männer, gebildet, urban, mit linkem
       Selbstverständnis, sind anschlussfähig für krude Männlichkeitsbilder.
       Keiner meiner Freunde würde ernsthaft behaupten, er wolle, dass Ehefrauen
       ihren Männern gehorchen. Und doch haben viele zu wenig dagegen, dass
       Familienmodelle aus den 50er Jahren Aufwind haben. In einem Essay schrieb
       [8][die Journalistin Viktoria Morasch] kürzlich treffend über Männer: „Ich
       weiß, dass es die sogenannten Guten gibt. Ich kenne sie. Aber ich höre sie
       nicht.“
       
       Ich weiß, dass auch ich damit gemeint bin. Zu selten schreite ich ein, wenn
       Männer im Fitnessstudio geschmacklose Kommentare über Frauen machen. Zu
       wenig vehement widerspreche ich dem Freund, der während einer Zugfahrt
       schwafelt, er wolle ein „richtiger Mann“ sein (was auch immer das bedeuten
       mag).
       
       Letztendlich steckt der patriarchale Wunsch, Frauen zu kontrollieren, nicht
       nur in den Köpfen der Männer, die diesen explizit äußern. Er wird von allen
       anderen mitgetragen, toleriert und reproduziert. Dieser Wunsch brachte 80
       Männer dazu, Gisèle Pelicot zu vergewaltigen, nach dem ihr Ex-Mann sie mit
       Medikamenten betäubt hatte. Männer sind die größte Gefahr für das Leben von
       Frauen. Das zu ändern, liegt in der Verantwortung jedes einzelnen Manns.
       
       6 Mar 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://www.ipsos.com/de-de/studie-weltfrauentag-2026
 (DIR) [2] /Wenn-Maenner-weniger-verdienen-als-die-Frau-Was-fuer-ein-tolles-Leben/!6159765
 (DIR) [3] /Aufteilung-der-Arbeit-in-Familien/!5950223
 (DIR) [4] http://www.bundesstiftung-gleichstellung.de/wissen/themenfelder/care-arbeit-gleichstellung-und-der-blick-auf-maenner/
 (DIR) [5] https://irre.taz.de/exec/inputmask.pl?sid=1fb70fb983293b1c00714a14d1b196e4&ucb=1&bart_id=5&id=8300740&Sprache=2#sdfootnote5sym
 (DIR) [6] /Urteil-im-Pelicot-Prozess/!6052764
 (DIR) [7] /Doku-ueber-Maenner/!6109090
 (DIR) [8] https://www.zeit.de/feuilleton/2026-02/gewalt-gegen-frauen-missbrauch-maenner
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Joscha Frahm
       
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