# taz.de -- TV-Triell Baden-Württemberg: Alle wollen Herz und Härte
> Das TV-„Triell“ zwischen den Spitzenkandidaten der Grünen, der CDU und
> der AfD bot keine echte Zuspitzung – bis auf den Moment der Wahrheit am
> Schluss.
(IMG) Bild: Die fröhlichen Triellanten im TV: Cem Özdemir (Grüne), Manuel Hagel (CDU) und Markus Frohnmaier (AfD)
Ganz am Ende des Fernseh-High-Noons bekommen Wählerinnen und Wähler einen
Einblick in die Persönlichkeit der drei Kandidaten. Über den Tag hinweg war
ein acht Jahre altes Video von [1][CDU-Kandidat Manuel Hagel] viral
gegangen. Darin schwärmt der damals 29-jährige CDU-Politiker von einem
Auftritt vor 16-jährigen Mädchen in einer Schule: „80 Prozent Mädchen. Da
gibt es für einen neunundzwanzigjährigen Abgeordneten schlimmere Termine
als diesen.“ Die Reaktion eines Mädchens beschreibt er mit: „Ich werd’s nie
vergessen, sie hieß Eva, braune Haare, rehbraune Augen.“ Die grüne
Bundestagsabgeordnete Zoe Mayer hatte den Film mit einem kritischen
Kommentar in den sozialen Medien verbreitet.
Ob sich die Grünen „angesichts ihrer Geschichte“ eine Zusammenarbeit mit so
einem Politiker vorstellen können, will AfD-Mann Markus Frohnmaier wissen –
eine bemühte Anspielung auf die Pädophiliedebatte, die den grünen
Bundestagswahlkampf 2013 überschattet hatte. [2][Cem Özdemir,
Spitzenkandidat der Grünen im Ländle], geht darauf nicht ein und antwortet
ruhig und gönnerhaft, er sei sich sicher, dass Hagel so etwas heute nicht
mehr sagen würde. Im Übrigen solle man Frauen und Männern nach den gleichen
Maßstäben beurteilen, nämlich nach ihrer Leistung.
[3][Der CDU-Kandidat Manuel Hagel], um den es geht, bringt nur exakt das
über die Lippen, was er vorher schon schriftlich mitgeteilt hatte: Der
Auftritt sei „Mist“ gewesen, gibt sich Hagel reuig, und delegiert das
Gewissen an seine Frau: Die habe ihm schon damals dafür „ordentlich den
Kopf gewaschen“.
## Dä Guede, dä Bese ond dä Hässliche
„The Good, the Bad and the Ugly auf Schwäbisch“, so könnte man diesen
Moment überschreiben: Dä Guede, dä Bese ond dä Hässliche. Aber für das
ganze „Triell“, das der Südwestfunk (SWR) am Dienstagabend live ausstrahlt,
ist das dann vielleicht doch etwas zu grob. Denn eine echte Zuspitzung und
damit eine Wahlhilfe bietet das Dreierformat den unentschiedenen Wählern
nicht – laut Kommunikationsforscher Frank Brettschneider sind das in
[4][Baden-Württemberg keine zwei Wochen vor der Landtagswahl] immerhin noch
20 Prozent.
Die politischen Unterschiede der beiden relevanten Kandidaten bleiben auch
im bisher direktesten Zusammentreffen des Grünen und des CDU-Manns kaum
erkennbar. „Herz und Härte“ fordern in der Migrationspolitik beide, mit
unterschiedlichen Nuancen. Beim wichtigsten Thema, der Wirtschaftskrise,
ergänzen sich beide förmlich: Hagel wünscht sich Sonderwirtschaftszonen, in
denen Start-ups mit weniger Bürokratie und Abgaben erst einmal an ihren
Ideen tüfteln können. Und Özdemir möchte gern in Berlin und Brüssel für
Bürokratieabbau sorgen. Nur Frohnmaier glaubt, man könne mit der Senkung
der Lohnkosten, mit Kohle- und Atomkraft das alte deutsche Industriemodell
wiederbeleben.
Was der AfD-Mann beim Zusammentreffen der Kandidaten für das
Ministerpräsidentenamt überhaupt verloren hat, bleibt unverständlich. Die
AfD hat mit 20 Prozent in den Umfragen und ohne Koalitionspartner keine
Machtoptionen, Frohnmaiers Spitzenkandidatur ist eine reine Behauptung. Die
Wähler in Baden-Württemberg brauchen sich den untersetzten Mann mit der
Glatze gar nicht erst zu merken. Denn er kandidiert nicht einmal für den
Landtag: Er will nur nach Stuttgart wechseln, wenn er Ministerpräsident
wird. Für Oppositionsarbeit in Stuttgart ist sich der Außenpolitiker seiner
Partei im Bundestag, der ebenso gute Kontakte nach Moskau wie zu Trumps
MAGA-Bewegung unterhält, offenbar zu schade.
## Der AfD-Mann profitiert vom „Triell“
Doch der SWR wollte offenbar eine juristische Auseinandersetzung vermeiden
– oder bei den AfD-Wählern für das öffentlich-rechtliche Modell werben. Und
so passiert, was meistens passiert, wenn die AfD dabei ist. Frohnmaier hat
einen unangemessen hohen Redeanteil, und die anderen beiden Kandidaten,
besonders Manuel Hagel, arbeiten sich an der AfD und ihren Positionen ab.
Immerhin wird dabei noch einmal klar: Für die CDU gibt es im Südwesten
keine Zusammenarbeit mit der AfD. „Wir werden unser Land und die Menschen
in diesem Land vor Ihrer Partei schützen“, erklärt Hagel.
Aber auch davon profitiert letztlich Frohnmaier. Die
Zwei-gegen-einen-Konstellation interpretieren AfD-Anhänger als das
Verhalten der „Kartellparteien“. Frohnmaier erklärt auch prompt wieder:
„Wer CDU wählt, bekommt grüne Politik“. Das Format, das der SWR entworfen
hat, ermöglicht immerhin eine echte Diskussion unter den Kandidaten, kein
bloßes Abfragen der Positionen. Aber zu einem Vergleich zwischen Hagel und
Özdemir war es untauglich. Was Hagel recht sein dürfte: Er versucht, seinen
Vorsprung von 6 Prozentpunkten vor den Grünen zu halten. Ein Duell der
beiden könnte Özdemir helfen – er ist [5][der weitaus populärere Kandidat].
Gäbe es eine Direktwahl des Ministerpräsidenten, so wäre ihm laut Umfragen
der Wahlsieg sicher. Doch die gibt es ja nicht.
Am Donnerstagabend geht es weiter mit der SWR-Wahlarena: Dann mit allen
sechs Kandidaten der Parteien, die eine Option auf Einzug in den Landtag
haben. Sie stellen sich den Fragen des Publikums.
25 Feb 2026
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## AUTOREN
(DIR) Benno Stieber
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