# taz.de -- CDU-Parteitag und Landtagswahlen: „Hauptsache, es kommt aus Baden-Württemberg“
       
       > Als CDU-Spitzenkandidat will Manuel Hagel die Partei zurück an die Spitze
       > führen – mit Fokus auf Wirtschaft und klarer Abgrenzung zur AfD.
       
 (IMG) Bild: Manuel Hagel, CDU, will Ministerpräsident von Baden-Württemberg werden
       
       taz: Herr Hagel, die CDU will nach 15 Jahren wieder den Regierungschef
       stellen. Jetzt haben Sie ja zehn Jahre als Juniorpartner mit den Grünen
       regiert. Wo wäre der Unterschied, wenn jetzt der CDU-Mann Hagel die
       Regierungsgeschäfte übernimmt? 
       
       Manuel Hagel: Wer Zweiter ist, muss doch Erster werden wollen. Wir wollen
       ein neues Kapitel aufschlagen für unser Land. [1][Es geht jetzt um
       Wirtschaft], mutige Bildungspolitik und innere Sicherheit.
       
       taz: Wo ist da genau der Unterschied zu Cem Özdemir? 
       
       Hagel: Es geht jetzt um Wirtschaftspolitik, wir müssen um jeden einzelnen
       Arbeitsplatz im Land kämpfen. Da trauen uns die Menschen einiges zu. Seit
       über zwei Jahren liegen wir stabil auf Platz eins und führen in den
       Kompetenzzuschreibungen bei Wirtschaft, Sicherheit und Bildung. [2][Die
       Mehrheit der Menschen will eine CDU-geführte Landesregierung.]
       
       taz: Sie bringen ihre Politik auf die Formel: „Endlich wieder Politik für
       normale Leute“. Wer sind diese normalen Leute und wer nicht? 
       
       Hagel: Alle, die sich dadurch angesprochen fühlen. Sie ist nicht schrill,
       sie führt keine Kulturkämpfe und sie ist nicht populistisch. Diese Leute
       haben wir im Blick, die jeden Tag aufstehen, zum Arbeiten gehen, sich in
       der Familie einbringen, im Ehrenamt, Verantwortung füreinander nehmen.
       
       taz: Das behauptet auch die AfD. 
       
       Hagel: Nein. Die AfD ist unser Hauptgegner. Die AfD ist intellektuell,
       habituell und kommunikativ das Gegenteil von uns. Die AfD kämpft gegen
       alles, was wir an diesem Land lieben. Die Weltoffenheit, die europäische
       Einigung, die soziale Marktwirtschaft, den Föderalismus, die kommunale
       Selbstverwaltung.
       
       taz: Das hat man von der CDU lange so nicht gehört. 
       
       Hagel: Ich kenne in der CDU Baden-Württemberg niemanden, der das anders
       sieht. Wir sollten stärker aus unserem Erbe heraus argumentieren. Es sind
       die Ideen des ersten Bundeskanzlers Konrad Adenauer, die von der AfD
       bekämpft werden. Der wahre Feind der AfD ist deshalb nicht Angela Merkel,
       es ist Konrad Adenauer. Die AfD sagt heute, sie will die CDU zerstören, um
       unseren Platz einzunehmen. Und das Einzige, was die AfD von einer
       Machtübernahme abhält, ist die Christdemokratie. Wir treten an, um die AfD
       zu schlagen. Wir werden sie aber nicht mit Moral und Empörung schlagen,
       sondern nur mit guter Politik, die die Probleme in unserem Land löst.
       
       taz: Aber ist es für solche Bekenntnisse jetzt nicht schon zu spät? Bei 20
       Prozent im Land und über 40 Prozent in Sachsen-Anhalt? 
       
       Hagel: Es ist nie zu spät. Nur noch 44 Prozent der Menschen glauben, dass
       die Demokratie in der Lage ist, die Probleme zu lösen. Wir reden inzwischen
       übers Grundsätzliche. Ich halte die Entwicklungen, die wir in
       Ostdeutschland sehen, nicht für ostdeutsche Sonderfälle. Entweder die
       politische Mitte findet jetzt die Kraft, die Probleme aufzulösen, oder die
       Probleme können die Kraft entwickeln, die politische Mitte aufzulösen.
       
       taz: Sie haben sich für noch weniger Regulierungen für Verbrennermotoren
       eingesetzt als zuletzt auch Özdemir und Kretschmann. Braucht
       Baden-Württemberg tatsächlich den Verbrenner, um aus der Auto-Krise
       herauszukommen? 
       
       Hagel: Ich glaube vor allen Dingen, dass wir in Baden-Württemberg das
       produzieren sollten, was der Weltmarkt nachfragt. Und das ist in weiten
       Teilen der Welt erst mal weiterhin der Verbrenner. Ich werbe deshalb sehr
       dafür, dass wir aus unseren Autos keine Kulturkampffrage machen. Und das
       Gleiche gilt auch für die Antriebstechnologie. Mir ist völlig egal, wie ein
       Auto angetrieben ist, ob es Plug-in-Hybrid, ob es Range Extender, ob es
       E-Mobil, ob es Elektromotor oder ob es ein hocheffizienter
       Verbrennungsmotor ist, Hauptsache, es kommt aus Baden-Württemberg.
       
       taz: Aber dem Klima nicht. 
       
       Hagel: Das Problem an diesem Verbrennungsmotorenverbot ist, dass es
       praktisch dazu führt, dass in dieser Technologie nicht mehr geforscht und
       entwickelt wird. Deshalb brauchen wir kein Verbot von Technologie, sondern
       ein Gebot für Forschung und Entwicklung. Der Verbrennungsmotor ist weder
       gut noch schlecht. Unser Problem ist das, was hinten rauskommt, CO₂,
       verursacht vom Energieträger. Deshalb würde ich mir mal eine Debatte
       wünschen über die Frage der Energieträger, zum Beispiel E-Fuels.
       
       taz: Angela Merkel kommt zum Bundesparteitag. Freuen Sie sich? 
       
       Hagel: Ja, großartig.
       
       taz: Sie haben sich seinerzeit immer recht kritisch zu Merkels
       Flüchtlingspolitik geäußert und sagen jetzt auch im Wahlkampfreden, sie
       wollen wieder zu den normalen Verhältnissen vor 2015 zurück. Haben Sie das
       mal mit ihr diskutiert? 
       
       Hagel: Unsere Migrationspolitik braucht Herz und Härte. Ich fand es total
       richtig, wie Bundeskanzlerin Merkel sich verhalten hat, als die Frage war,
       was aus den vielen geflüchteten Menschen am Bahnhof in Budapest wird, als
       eben Kinder, Frauen, Schwache von Viktor Orbán im Regen stehen gelassen
       wurden. Es war richtig, dass Deutschland diesen Menschen geholfen hat. Ich
       habe aber im Nachgang kritisiert, dass wir das Dublin-Abkommen quasi außer
       Kraft gesetzt haben. Wir brauchen auch für Asyl, wie generell für unseren
       Rechtsstaat, klare Regeln.
       
       taz: Baden-Württemberg hatte vor über 10 Jahren ein Sonderkontingent für
       Jesiden. Dennoch gibt es Meldungen, dass Jesiden hier von Abschiebung
       bedroht sind. NRW gewährt jetzt pauschalen Schutz. Wie handhaben Sie das? 
       
       Hagel: Nordrhein-Westfalen hat den Aufenthalt von Jesiden, die lange dort
       leben, zusätzlich abgesichert, also Menschen, die in aller Regel längst
       einen Schutzstatus oder gesicherte Bleiberechte haben. Besonders
       Schutzbedürftige, die seit 2014 aufgenommenen Frauen zum Beispiel, wird man
       weder in NRW noch in Baden-Württemberg abschieben. Aber klar ist auch:
       Zusätzliche Kontingente, etwa zur Familienzusammenführung, würden momentan
       unsere Gemeinden überfordern.
       
       taz: Die CDU ist 2011 auch wegen der Kontroverse um Stuttgart 21 aus der
       Regierung geflogen. Es hat sich herausgestellt, dass die Kritiker dieses
       Projekts mit allem Recht behalten haben: Bau-Verzögerung, Milliarden
       Kostensteigerung, mangelnder Effizienz des ursprünglichen Entwurfs. Wäre es
       nicht an der Zeit, den Kritikern dafür auch mal zu danken? 
       
       Hagel: [3][Dieses U in CDU steht ja für Union]. Deshalb war die
       Volksabstimmung der grün-roten Regierung damals richtig, dass diese Frage
       entschieden worden ist. Stuttgart 21 ist ein zukunftsweisendes
       Infrastrukturprojekt, das nicht nur die Region Stuttgart, sondern große
       Teile des Landes langfristig deutlich besser vernetzt und den
       Schienenverkehr wirklich auch modernisiert. Ich habe den Eindruck, dass
       Bahnchefin Evelyn Palla das Thema endlich zur Chefsache gemacht hat. Die
       Bahn muss jetzt liefern.
       
       taz: Özdemir nennt Boris Palmer Freund und Berater und ließ sich von ihm
       trauen. Wäre er bei Ihnen im Kabinett denkbar? 
       
       Hagel: Nice try! Das Urteil über Palmer war vor der Wahl ja noch ganz
       anders, da musste ich ihn mehrfach verteidigen. Manche, etwa in Berlin,
       verteilen schon vor der Wahl Jobs. Bei uns aber gilt seit Erwin Teufel:
       zuerst das Land, dann die Partei und dann die Person.
       
       19 Feb 2026
       
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