# taz.de -- CDU-Niederlage in Baden-Württemberg: Einfach nur provinziell
       
       > Die CDU hat verloren, weil sie nicht begriffen hat, wie weltoffen das
       > Land inzwischen ist. Mit Manuel Hagel schuf sie eine retro-schwäbische
       > Karikatur.
       
 (IMG) Bild: Schaut, der Manuel, das ist ein ganz normaler! Der ist einer von euch!
       
       Die CDU in Baden-Württemberg versteht die Welt nicht mehr. Und
       Baden-Württemberg auch nicht. Wie konnten die Wähler [1][ihr diesen
       Wahlsieg vorenthalten]? Ihr, der Baden-Württemberg-Partei von Erwin Teufel
       und Lothar Späth?
       
       „Endlich wieder Politik für normale Leute“ hat die CDU plakatiert, obwohl
       sie zehn Jahre mitregierte. Manuel Hagel hat in seinen Reden ein
       Hobbit-Land aus Häuslebauern und fleißigen Menschen gezeichnet. Sich selbst
       hat er bis zur [2][Karikatur als „Schwaben-Ken“] mit Ministrantenjugend,
       intakter Hetero-Familie und Sparkassenkarriere präsentiert. Ja, dieses
       Baden-Württemberg gibt es, selbst im hintersten Ostalbkreis ist es so. Aber
       gleichzeitig auch ganz anders.
       
       Wer bei einem der viel beschworenen Weltmarktführer in der Provinz
       arbeitet, dürfte durch Dienstreisen in Überseestandorte und internationale
       Kollegen mehr Auslandserfahrung als der 37-jährige Spitzenkandidat der CDU
       haben. Wer als Ingenieur bei Bosch um seinen Arbeitsplatz bangt, weiß, dass
       der Verbrennungsmotor nicht die Rettung ist, selbst wenn er mit Methanol
       betrieben wird. Und er weiß, dass das Versprechen eines potenziellen
       Ministerpräsidenten, „um jeden einzelnen Arbeitsplatz zu kämpfen“, ein
       Lippenbekenntnis bleibt, weil die Trump-Zölle höchstens in Brüssel
       gekontert werden können. Wer in den vielen Ballungsräumen des dicht
       besiedelten Landes nach einer bezahlbaren Wohnung sucht, dem wird nicht mit
       einer großzügigen Hausbauprämie geholfen. Das Land besteht nicht nur aus
       Nebenerwerbsbauern, die ihre Äcker gewinnbringend in Bauland umwandeln
       wollen.
       
       Und dann die unterschwellige Annahme des CDU-Kampagnenteams, dass die
       Baden-Württemberger „einen Türken“ schon nicht wählen würden. Um das nach
       70 Jahren Einwanderungsgeschichte zu glauben, muss man schon ein sehr
       engstirniges Bild auf die eigene Klientel haben. Die, die so denken, sind
       größtenteils längst nach rechts zur AfD abgewandert.
       
       ## Kein Schritt weiter in den Städten
       
       Wenn man auf die Ergebnisse in den einzelnen Wahlkreisen schaut, sieht man:
       Die CDU ist, seit sie 2011 die Macht verloren hat, in den urbanen Milieus
       keinen Schritt weitergekommen. Dort wählt das Bürgertum mehrheitlich grün.
       Und selbst in ländlichen Wahlkreisen, wo die CDU fast flächendeckend
       gewonnen hat, liegen Grüne oft über 20 Prozent.
       
       Sogar das CDU-Stamm-Milieu ist heute vielfältiger als zu Erwin Teufels
       Zeiten – und als es die Kampagne der CDU vermuten lässt. Da gibt es
       Unions-Bürgermeister, die harte Klimaziele verfolgen, als wären sie
       eingefleischte Grüne. Da gibt es Kommunen wie das CDU-geführte Rottenburg,
       Mitglied der Seenotrettung, die noch immer eine offensive Willkommenskultur
       à la Merkel pflegen.
       
       Deshalb kann man die Union nur davor warnen, die Brandmauer zur AfD
       einzureißen. „Wir sind die Brandmauer“, hat Manuel Hagel glaubhaft und
       zutreffend postuliert. Alles andere würde auch die Südwest-CDU zerreißen.
       Will sie in fünf Jahren Özdemir beerben, muss sie im Gegenteil ihre
       politische Partitur auf den heutigen Stand bringen.
       
       9 Mar 2026
       
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 (DIR) Benno Stieber
       
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