# taz.de -- Konflikt in Brüssel: EU schickt Vertreterin zu Trumps „Friedensrat“
> Die EU-Mittelmeerkommissarin Dubravka Šuica nimmt am ersten Treffen des
> neuen Gremiums in Washington teil. Im EU-Parlament sorgt die Entscheidung
> für Unmut.
(IMG) Bild: Die EU-Kommission schickt Dubravka Suica zum „Friedensrat“ für Gaza
Wie hältst Du es mit dem „Friedensrat“ von US-Präsident Donald Trump? Über
diese Frage ist ein heftiger Streit in der EU entbrannt. Der Grund: Einige
EU-Staaten und die EU-Kommission nehmen am ersten Treffen des neuen
Gremiums am Donnerstag in Washington teil, obwohl es der UNO und anderen
internationalen Institutionen Konkurrenz macht.
Mehrere große EU-Staaten, darunter Deutschland und Frankreich, hatten eine
Einladung zum „Friedensrat“ abgelehnt. „Wir haben einen Friedensrat, und
das sind die Vereinten Nationen“, sagte Außenminister Johann Wadephul.
Trumps neuer Club rüttele an den Prinzipien der UNO, kritisierte
Frankreichs Staatschef Emmanuel Macron.
Diese Bedenken werden von den meisten EU-Staaten geteilt. Dennoch wollen
Italien, Rumänien und Zypern als Beobachter teilnehmen. Ungarn und
Bulgarien sind [1][dem „Friedensrat“] sogar beigetreten, ebenso wie die
EU-Anwärter Albanien und Kosovo. Damit zeigt die viel beschworene Einheit
der EU in der Außenpolitik erhebliche Risse.
Für Empörung sorgt aber vor allem die Entscheidung der EU-Kommission, beim
Start in Washington dabei zu sein. Behördenchefin Ursula von der Leyen
reist zwar nicht selbst an, sondern schickt ihre fürs Mittelmeer zuständige
Kommissarin Dubravka Šuica. Die konservative Kroatin soll verfolgen, was
Trump im von Israel zerstörten Gazastreifen vorhat.
Es gehe darum, den [2][Wiederaufbau von Gaza] zu planen und die
internationalen Hilfen abzustimmen, rechtfertigt sich Šuica. Die EU
unterstütze den von Trump angestoßenen Friedensprozess, nun gehe es um
„Koordinierung und Komplementarität“. Mit einer offiziellen Anerkennung des
Trump’schen „Friedensrats“ habe dies nicht zu tun, heißt es in Brüssel.
## Kritik aus dem Parlament
Doch das überzeugt weder die Journalisten, die die EU-Kommission seit Tagen
mit Fragen bedrängen, noch das Europaparlament. Dessen Vizepräsident Javi
López [3][äußerte sich „entsetzt“]. „Diese Initiative, in der Autokratien
und MAGA-Fans zusammenkommen, untergräbt den Multilateralismus, die Rolle
der Vereinten Nationen und den notwendigen Geist eines gerechten Friedens,
den die Region braucht und an dem die Palästinenser beteiligt sein müssen“,
schrieb der spanische Sozialist auf „X“.
López forderte von der Leyen auf, ihre Entscheidung zu überdenken, da sie
„eindeutig gegen die Werte und Interessen der EU verstößt“. Ähnlich
äußerten sich belgische und österreichische Sozialdemokraten. Von einem
„falschen Signal“ spricht die liberale Renew-Fraktion. Die Kommission dürfe
kein Gremium legitimieren, das die UNO an den Rand drängt und Autokraten
hofiert.
Eher amüsiert geben sich dagegen die Konservativen und Christdemokraten,
die von der Leyen unterstützen und die größte Parlamentsfraktion stellen.
„Wo ist das Popcorn?“, schrieb die CDU-Europaabgeordnete Hildegard Bentele
auf X. „Wer nicht am Tisch sitzt, steht auf der Speisekarte.“ Die EU müsse
sich an die neuen Realitäten im Nahen Osten gewöhnen, und da komme man an
Trump nicht vorbei.
Zu den neuen Realitäten gehört allerdings auch, dass der Einfluss der EU
gegen null tendiert. Nur bei der humanitären Hilfe spielt Europa noch in
der ersten Liga. Seit dem Ausbruch des Krieges im Oktober 2023 hat die EU
rund 1,65 Milliarden Euro an Hilfsleistungen für die Palästinenser
erbracht. Die extreme humanitäre Krise in Gaza konnte sie trotzdem nicht
abwenden – und nun übernimmt Trump. Statt um Hilfe dürfte es ihm vor allem
um Immobilienprojekte gehen.
18 Feb 2026
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## AUTOREN
(DIR) Eric Bonse
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