# taz.de -- Konkurrenz zur UN: Ärger über neuen Friedensrat
       
       > Trumps Gremium soll über Gaza hinaus für Konflikte zuständig sein. Die
       > internationale Ordnung zählt dabei wenig, das Wort des US-Präsidenten
       > viel.
       
 (IMG) Bild: Darf beim Friedensrat mitmachen: Tony Blair aus Großbritannien mit Trump (rechts) im Oktober in Scharm El Scheich, Ägypten
       
       Bei der Beilegung bewaffneter Konflikte sollen andere Staaten nach
       US-Präsident Donald Trumps Vorstellungen künftig wenig zu sagen haben: Das
       musste am Wochenende ausgerechnet Israel als einer der größten Unterstützer
       der Trump-Regierung feststellen. In der Nacht auf Samstag – mitten im
       israelischen Wochenende – gab Washington die Besetzung des Exekutivrates
       für seinen „Friedensrat“ sowie eines zweiten Verwaltungsrates für Gaza
       bekannt. Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu, sonst loyal
       gegenüber Trump, protestierte gegen den Plan, der nicht mit Israel
       koordiniert worden sei und „im Widerspruch zu dessen Politik steht“.
       
       Netanjahu ließ offen, welche Mitglieder der insgesamt drei geplanten
       Gremien für Gaza er meinte. Die öffentliche Debatte in Israel aber ließ
       wenig Zweifel: Von Netanjahus rechtsnationalistischen Koalitionspartnern
       bis zur Opposition hagelte es Kritik, dass zum Verwaltungsrat auch [1][der
       türkische Außenminister Hakan Fidan] sowie der katarische Diplomat Ali Al
       Thawadi gehören sollen. Israel hatte sich seit Inkrafttreten der Waffenruhe
       in Gaza gegen eine Beteiligung der Türkei ausgesprochen. Die beschuldigt
       Israel, einen Völkermord in Gaza begangen zu haben.
       
       In Washington gab man sich wenig beeindruckt. „Das ist unsere Show“, sagte
       ein hochrangiger US-Vertreter dem US-Nachrichtenportal Axios. Netanjahu
       habe kein Mitspracherecht.
       
       Ähnlich könnte es künftig auch anderen Staaten ergehen, denn Trumps
       Ambitionen für seinen „Friedensrat“ scheinen weit über den Gazastreifen
       hinauszugehen. Details über die Zuständigkeiten der Gremien blieben
       zunächst unklar. Der Verwaltungsrat für Gaza wird sich unter der Leitung
       des ehemaligen bulgarischen UN-Sondergesandten Nickolay Mladenov aber
       offenbar um die Fortführung des 20-Punkte-„Friedensplans“ kümmern. Es soll
       zudem die Arbeit einer 15-köpfigen palästinensischen Technokratenverwaltung
       überwachen.
       
       ## Illustre Runde
       
       Dem Gremium werden neben den Vertretern aus Katar und der Türkei auch der
       ägyptische Geheimdienstchef Hassan Raschad sowie Trumps Schwiegersohn Jared
       Kushner und [2][der US-Sondergesandte für Nahost, Steve Witkoff,]
       angehören. Dass auf Kritik wenig Rücksicht genommen wurde, zeigt auch die
       Nominierung von Tony Blair trotz des Widerstands mehrerer arabischer
       Staaten. Der ehemalige britische Premier ist in der Region wegen seiner
       Beteiligung am Irak-Krieg 2003 unbeliebt.
       
       Die Zuständigkeit des Exekutivrates für den „Friedensrat“ soll hingegen
       nicht auf den Gazastreifen beschränkt sein, der in dessen Charta nicht
       erwähnt wird. Stattdessen schwebt dem US-Präsidenten offenbar eine globale
       Institution zur Lösung bewaffneter Konflikte vor. 60 Staats- und
       Regierungschefs sollen Einladungen erhalten haben, sich zu beteiligen. Der
       „Friedensrat“ werde nicht nur „Frieden im Nahen Osten stärken“, sondern
       auch „einen mutigen Ansatz zur Lösung globaler Konflikte verfolgen“, hieß
       es in dem Schreiben, das Argentiniens Präsident Javier Milei
       veröffentlichte.
       
       Der Haken: Anders als im UN-System kann im „Friedensrat“ keine Entscheidung
       ohne Zustimmung Trumps getroffen werden. Die Mitglieder können von Trump
       genehmigt und auch wieder abberufen werden. Wer mehr als eine Milliarde
       Dollar in den Topf des Rates zahlt, kann laut Charta seine Mitgliedschaft
       automatisch verlängern.
       
       Das Gremium steht in Konkurrenz zu UN-Strukturen, die nach dem Zweiten
       Weltkrieg für die friedliche Beilegung von Konflikten geschaffenen wurde.
       Dass dies kein Zufall ist, macht seine Charta deutlich: „Dauerhafter
       Frieden erfordert (..) den Mut, sich von Ansätzen und Institutionen zu
       lösen, die allzu oft gescheitert sind“, heißt es dort. Sie betont zudem die
       Notwendigkeit einer „flexibleren und effektiveren internationalen
       Friedensorganisation“.
       
       ## Viel Macht, wenig Expertise
       
       Der „Friedensrat“ solle „ausschließlich“ aus Staats- und Regierungschefs
       bestehen, berichtet die Financial Times unter Berufung auf einen Vertreter
       des Weißen Hauses. Zu den Mitgliedern des Exekutivrates gehören neben Trump
       ebenfalls Kushner, Witkoff, Blair sowie US-Außenminister Marco Rubio, der
       Unternehmer und Milliardär Marc Rowan und der Vize-Sicherheitsberater der
       US-Regierung, Robert Gabriel. Weltbank-Präsident Ajay Banga kann als
       einziges Ratsmitglied eine Laufbahn in internationalen Institutionen
       vorweisen.
       
       Das internationale Völkerrecht wird in der Charta des „Friedensrates“
       einmal erwähnt. Angesichts des völkerrechtswidrigen US-Angriffs auf
       Venezuela Anfang Januar und der derzeit angedrohten Invasion eines
       Nato-Partners in Grönland dürfte darin wenig mehr als ein Lippenbekenntnis
       liegen.
       
       [3][Der deutsche Außenminister Johann Wadephul] erklärte noch am
       Wochenende, Deutschland hoffe auf einen Platz in dieser „wichtigen
       Institution“. Das Dilemma: Wer sich am „Friedensrat“ beteiligt, läuft
       Gefahr, das UN-System zu untergraben und sich den erratischen Wünschen
       Trumps zu unterwerfen. Besonders Staaten des globalen Südens, die in der
       UN-Generalversammlung zumindest auf dem Papier den wirtschaftlich stärkeren
       Staaten gleichgestellt sind, würden hier verlieren. Ob sich also
       ausreichend Staaten finden, die den US-Vorschlag überhaupt stützen, ist
       offen.
       
       Eine „typische Trumpsche Übertreibung“ nennt der Völkerrechtsexperte Kai
       Ambos von der Universität Göttingen den Vorschlag. Zunächst müsse das
       Gremium in Gaza zeigen, ob es „überhaupt Frieden dauerhaft herstellen
       kann“. Zudem habe Trump selbst seinen Plan mit einer Resolution des
       UN-Sicherheitsrats abgesichert. Damit habe der Sicherheitsrat eine
       internationale Rechtspersönlichkeit geschaffen, die aber „jenseits
       traditioneller völkerrechtlicher Kategorien liegt und die mit ihrer
       Betonung von Investitionen und der Schaffung neuer Städte eher einem
       multinationalen Unternehmen“ ähnele.
       
       Diese Woche soll der „Friedensrat“ erstmals am Rande des
       [4][Weltwirtschaftsforums in Davos] zusammentreten. Dann könnte klarer
       werden, wie die verschiedenen Gremien die Waffenruhe im Gazastreifen
       voranbringen wollen, die ihren Namen bisher kaum verdient: Seit ihrem
       Beginn im Oktober wurden bei israelischen Angriffen mehr als 450
       Palästinenser getötet.
       
       18 Jan 2026
       
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