# taz.de -- +++ Nachrichten im Nahost-Konflikt +++: Alabali Radovan fordert konkrete Gaza-Hilfen von „Friedensrat“
> Am Donnerstag tritt das Gremium von US-Präsident Trump erstmals zusammen.
> Ein UN-Bericht sieht Anzeichen für ethnische Säuberungen in Gaza und im
> Westjordanland.
## Entwicklungsministerin fordert konkrete Gazahilfen
Vor der ersten Sitzung des [1][sogenannten Friedensrats] unter Vorsitz von
US-Präsident Donald Trump hat Bundesentwicklungsministerin [2][Reem Alabali
Radovan (SPD)] konkrete Hilfen für die Menschen im Gazastreifen gefordert.
Es sei wichtig, dass das Treffen am Donnerstag „tatkräftiges Handeln und
konkrete Hilfen in den Fokus stellt, die den Menschen in Gaza schnell
zugutekommen“, sagte Alabali Radovan der Frankfurter Rundschau.
„Deutschland ist nicht Teil dieses Friedensrats, aber wir stehen in
intensivem Austausch mit seinen Mitgliedern“, fügte die Ministerin hinzu.
Deutschland stehe weiterhin bereit, den Wiederaufbau im Gazastreifen zu
unterstützen und zu einer nachhaltigen Verbesserung der Situation dort und
in der Region beizutragen.
Auf der [3][Münchner Sicherheitskonferenz] habe sie dazu in der vergangenen
Woche zahlreiche Gespräche geführt, sagte Alabali Radovan: „Mit der
EU-Kommission, Frankreich, Italien, Norwegen, den arabischen Staaten sowie
auch mit Nickolay Mladenow, dem Hohen Vertreter für Gaza des bereits
erwähnten Friedensrats.“
Der Wiederaufbau Gazas könne nur unter den richtigen politischen
Rahmenbedingungen stattfinden, sagte Alabali Radovan. „Dazu gehört zwingend
die Entwaffnung der Hamas; sie darf keine Rolle mehr spielen. Dazu gehört
aber auch das Selbstbestimmungsrecht der Palästinenserinnen und
Palästinenser. Sie müssen Teil des Wiederaufbaus sein.“ Es brauche zudem
das Ziel der Zweistaatenlösung: „Da sind wir sehr klar.“ (afp)
## Fünf Milliarden Dollar für Hilfen erwarten
Bei dem ersten Treffen des „Friedensrats“ werden Hilfszusagen im Umfang von
5 Milliarden Dollar (rund 4,2 Milliarden Euro) für den Gazastreifen
erwartet, wie Trump verkündet hatte. Der US-Präsident rechnet zudem mit
„Tausenden von Einsatzkräften“ für die geplante Internationale
Stabilisierungstruppe für den Gazastreifen.
Zur ersten Sitzung des „Friedensrats“ haben sich Trump-Verbündete wie der
ungarische Regierungschef Viktor Orbán angekündigt. Die EU entsendet die
Mittelmeerkommissarin Dubrasvka Šuica, um als Beobachterin der Sitzung zum
Gazastreifen beizuwohnen. Deutschland wird durch einen hochrangigen Beamten
vertreten, der nach Angaben aus dem Auswärtigen Amt in Berlin ebenfalls als
Beobachter an der Gazasitzung teilnehmen wird.
Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) hatte verfassungsrechtliche Bedenken
gegen eine Mitgliedschaft im „Friedensrat“ geltend gemacht. Trump versteht
das Gremium als Konkurrenz zur UNO.
Die stellvertretende Fraktionsvorsitzende der Grünen, Agnieszka Brugger,
sagte der Frankfurter Rundschau, Trumps „Friedensrat“ sei „bei der sehr
großen Mehrheit der europäischen Staaten und vieler anderer Partner
weltweit zu Recht auf Kritik gestoßen“. Eine Mitgliedschaft in dem Gremium
„unter der Herrschaft von Donald Trump würde dieses dubiose Konstrukt als
Konkurrenz zu den Vereinten Nationen legitimieren“, sagte die
Grünen-Außenexpertin.
Zugleich zeigte sich Brugger pragmatisch: Der Rat sei „in der Welt“ und
beschäftige sich mit „extrem relevanten Fragen“. Die Beobachterrolle der EU
sei daher ein tragfähiger Kompromiss – „wenn es dabei um
Informationsaustausch und den Schutz eigener Interessen geht, ohne dass
eine falsche Botschaft der Zustimmung zu diesem Konstrukt gesendet wird“.
Deutliche Kritik richtete Brugger an die europäischen Abweichler: „Anders
als es in der Weltlage geboten wäre, haben wieder einmal Staaten wie Ungarn
und Bulgarien sich mit ihrer Mitgliedschaft und nun auch Italien und
Rumänien mit zusätzlichen Botschaftern für einen Sonderweg entschieden, der
die Europäische Union und ihre Interessen leider schwächt.“
Auch die SPD-Außenpolitikerin Siemtje Möller betonte: „Der zentrale Ort für
Diplomatie und die Lösung internationaler Konflikte sind und bleiben die
Vereinten Nationen. Eine parallele Struktur braucht es nicht.“ Zugleich
machte die Sozialdemokratin eine wichtige Differenzierung: Der
UN-Sicherheitsrat habe in Resolution 2803 dem „Friedensrat“ ein „begrenztes
Mandat“ für den Wiederaufbauplan erteilt. Es sei daher „nachvollziehbar,
wenn europäische Vertreter bei denjenigen Tagesordnungspunkten, für die ein
UN-legitimiertes Mandat besteht, beobachtend an der Sitzung teilnehmen“.
Unabhängig von institutionellen Fragen betonte Möller die Dringlichkeit der
humanitären Lage: „Die Zeit drängt, denn die humanitäre Lage im
Gazastreifen ist nach wie vor katastrophal.“ (afp)
## UN-Bericht: Anzeichen für ethnische Säuberungen in Gaza
Das UN-Menschenrechtsbüro in Genf sieht Anzeichen für ethnische Säuberungen
in den von Israel besetzten palästinensischen Gebieten. „Verstärkte
Angriffe, die systematische Zerstörung ganzer Stadtteile und die
Verweigerung humanitärer Hilfe zielt offenbar auf eine dauerhafte
demografische Veränderung im Gazastreifen ab“, heißt es in dem Bericht.
„Zusammen mit den Zwangsumsiedlungen, die offenbar auf eine dauerhafte
Vertreibung abzielen, gibt dies Anlass zu Besorgnis über ethnische
Säuberungen im Gazastreifen und im Westjordanland.“
Israel wirft dem UN-Menschenrechtsrat seit Langem [4][Voreingenommenheit
vor]. Um eine Stellungnahme zu dem Bericht gebeten teilte die israelische
Vertretung in Genf auf Nachfrage mit: „Das Büro des Hochkommissars [für
Menschenrechte] betreibt eine bösartige Kampagne der Dämonisierung und
Desinformation gegen den Staat Israel.“ Es arbeite mit Experten zusammen,
die Hetze verbreiteten, und habe deshalb keine Glaubwürdigkeit.
Weiter heißt es in dem vom UN-Menschenrechtsrat angeforderten Bericht des
UN-Hochkommissars für Menschenrechte, im Zeitraum 1. November 2024 bis 31.
Oktober 2025 seien mindestens 463 Menschen im Gazastreifen verhungert,
darunter 157 Kinder. „Jede Anwendung von Hunger als Kriegsmittel gegen die
Zivilbevölkerung stellt ein Kriegsverbrechen dar.“
Am 9. Oktober 2025 trat der US-Plan für ein Ende des Gazakonflikts mit
einer Waffenruhe in Kraft. Nach Angaben der örtlichen Gesundheitsbehörden,
die von der islamistischen Hamas kontrolliert werden, sind seitdem bei
israelischen Angriffen mehr als 1.500 Menschen ums Leben gekommen.
Seit Beginn des israelischen Krieges gegen die Terrororganisation Hamas im
Oktober 2023 sind es diesen Angaben zufolge mehr als 70.000 Tote gewesen.
Die Angriffe folgten auf den beispiellosen Angriff auf Israel am 7. Oktober
2023, als Terroristen aus dem Gazastreifen mehr als 1.200 Menschen in
Israel töteten und 251 Geiseln in den Gazastreifen verschleppten.
Im besetzten Westjordanland einschließlich Ostjerusalem setzten israelische
Sicherheitskräfte rechtswidrig Gewalt ein, heißt es in dem Bericht weiter.
Menschen wurden willkürlich verhaftet, in der Haft gefoltert und
misshandelt, zudem würden ihre Häuser zerstört, um „das palästinensische
Volk im besetzten Westjordanland, einschließlich Ostjerusalem, systematisch
zu diskriminieren, zu unterdrücken, zu kontrollieren und zu beherrschen“.
(dpa)
19 Feb 2026
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