# taz.de -- Studie zu EU-Bürgern in Deutschland: Ein Drittel will wieder weg
       
       > Doch nicht gleichgestellt: Eine neue Studie zu Ab- und
       > Zuwanderungsgründen von EU-Bürger:innen von und nach Deutschland zeigt
       > die zahlreichen Hürden.
       
 (IMG) Bild: Damit Integration gelingt: Sprachkurs für Migrant:innen in Berlin
       
       Erstmals seit eineinhalb Jahrzehnten sind zuletzt mehr EU-Bürger:innen aus
       Deutschland [1][ab- als eingewandert]. Wenig überraschend, betrachtet man
       deren Situation, die gekennzeichnet ist durch schlechten Zugang zu
       Sprachkursen, mangelnde Orientierung und Diskriminierung. Zu diesem
       Ergebnis kommt zumindest die Studie „Rechtlich gleichgestellt – praktisch
       benachteiligt?“, die am Dienstag von der Integrations- und
       Antirassismusbeauftragten der Bundesregierung, Natalie Pawlik (SPD),
       vorgestellt wurde.
       
       Die Studie analysiert die Gründe von EU-Bürger:innen, nach Deutschland zu
       kommen beziehungsweise das Land wieder zu verlassen. Durchgeführt wurde sie
       vom Institut für Angewandte Wirtschaftsforschung der Universität Tübingen.
       Basis ist eine Online-Befragung von 900 aus dem EU-Ausland zugewanderten
       Personen, ergänzt durch Interviews mit Expert:innen aus
       Beratungseinrichtungen. Am häufigsten gaben die Teilnehmenden an, aufgrund
       ihrer Partner:innen nach Deutschland gezogen zu sein. Auch konkrete
       Jobangebote und Zukunftsperspektiven wurden genannt.
       
       Nichtsdestotrotz: Ein Drittel der Befragten denkt darüber nach, Deutschland
       wieder zu verlassen. Begründet wurde das vor allem mit hohen Wohn- und
       Lebenshaltungskosten, Diskriminierungserfahrungen und dem Mangel an
       Zugehörigkeitsgefühl. Viele fühlen sich demnach in Deutschland nicht wohl.
       
       Natalie Pawlik sagt: „Wer nach Deutschland kommt, arbeitet und unsere
       Gesellschaft mitgestaltet, hat das Recht auf echte Teilhabe.“ Stattdessen
       stießen die Menschen auf „Sprachbarrieren, Hürden beim Arbeitsmarktzugang
       und Diskriminierung“, so die Beauftragte der Regierung.
       
       ## Eigentlich haben EU-Bürger:innen Vorteile
       
       Verglichen mit Nicht-EU-Bürger:innen haben EU-Bürger:innen durch das
       sogenannte Freizügigkeitsrecht eigentlich besonders in den Bereichen
       Arbeits- und Aufenthaltsrecht Vorteile. Sie brauchen kein Visum und dürfen
       zunächst ohne Aufenthaltstitel hier leben und arbeiten. In Deutschland sind
       aktuell [2][2,7 Millionen EU-Bürger:innen] erwerbstätig, 1,7 Millionen
       davon aus ost- und südosteuropäischen Ländern.
       
       Gerade Letztere sind häufig im Niedriglohn- und Helferbereich beschäftigt.
       Dort besteht laut Studie ein großes Risiko, in schlechte oder teilweise
       illegale Beschäftigungen zu geraten. Fehlendes Wissen über die eigenen
       Rechte und Pflichten führte dazu, dass problematische
       Abhängigkeitsverhältnisse geschaffen würden, so die Studienautor:innen. Sie
       appellieren, dass die Gruppe der EU-Bürger:innen bei migrationspolitischen
       Fragen mehr Beachtung findet.
       
       Statt von Unterstützung berichten viele der Teilnehmenden von
       diskriminierenden Erfahrungen bei Behörden. So kritisiert auch Clara
       Bünger, die fluchtpolitische Sprecherin der Linksfraktion im Bundestag, die
       aktuelle „politische Kampagne gegen einen vermeintlich organisierten
       Sozialleistungsmissbrauch“. Insbesondere Rom:nja müssten gegen eine „Wand
       von Vorurteilen ankämpfen, statt effektiv unterstützt zu werden“, sagt
       Bünger zur taz. Klar sei: So könne man sich keine Zukunft in Deutschland
       aufbauen.
       
       Die Studie kommt zu dem Schluss, dass – obwohl EU-Bürger:innen rechtlich
       gleichgestellt sein sollten – ihre tatsächlichen Erfahrungen ähnlich der
       von Migrant:innen aus Drittstaaten sind. Damit die Integration besser
       gelingt, werden mehrere Handlungsempfehlungen abgeleitet. Dazu gehört zum
       Beispiel die Durchführung einer mehrsprachigen Informationskampagne in den
       wichtigsten Herkunftssprachen im europäischen Ausland, damit Betroffene
       frühzeitig über Krankenversicherung, Arbeitsrechte und Sozialleistungen
       Bescheid wissen.
       
       Ein weiterer zentraler Punkt ist die Sprachförderung. Kein Deutsch zu
       sprechen, schränke die beruflichen und sozialen Aufstiegschancen von
       EU-Bürger:innen erheblich ein. Trotzdem stoppte Bundesinnenminister
       Alexander Dobrindt (CSU) Anfang Februar auch für EU-Bürger:innen den Zugang
       zu [3][freiwilligen Integrationskursen]. „Das verstößt gegen den
       Gleichbehandlungsgrundsatz und ist integrationspolitisch fatal“, kritisiert
       Clara Bünger. „Ohne Hilfen beim Spracherwerb besteht der Grundsatz der
       Gleichbehandlung nur auf dem Papier“, sagt die Linken-Politikerin.
       
       3 Mar 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://www.destatis.de/DE/Presse/Pressemitteilungen/2025/06/PD25_224_12411.html
 (DIR) [2] https://mediendienst-integration.de/ein-und-auswanderung/einwanderung-aus-der-eu/wie-viele-eu-buerger-arbeiten-in-deutschland/
 (DIR) [3] /Harte-Kritik-an-Dobrindt/!6153810
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Clara Dünkler
       
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