# taz.de -- Münchner Sicherheitskonferenz: Zusammenkunft im Zeichen der Zerstörung
> Vor dem Start der Münchner Sicherheitskonferenz am Wochenende warnt
> Konferenzleiter Ischinger: Das internationale Regelwerk sei in Gefahr.
(IMG) Bild: Wolfgang Ischinger, Leiter der Münchner Sicherheitskonferenz, zeichnet ein düsteres Bild angesichts der aktuellen politischen Lage
Es ist ein düsteres Bild der Welt, das Wolfgang Ischinger zeichnet. Mit der
„Abrissbirne“ werde im Augenblick zertrümmert, „was zu einer stabilen
internationalen Ordnung eigentlich gehören würde“, sagte der Vorsitzende
der Münchner Sicherheitskonferenz (MSC). So trägt der von ihm am Montag in
Berlin vorgestellte diesjährige „Munich Security Report“ auch den Titel
„Under Destruction“, also „Unter Zerstörung“.
Keine Frage, die diesjährige MSC findet in äußerst schwierigen Zeiten
statt. In vielen westlichen Gesellschaften hätten politische Kräfte an
Einfluss gewonnen, die eine Politik der Zerstörung der Reformpolitik
vorziehen, heißt es in dem zur Vorbereitung [1][jetzt veröffentlichten
Report]. Mit US-Präsident Donald Trump an der Spitze zeichne sich das
Entstehen einer Welt ab, die von transaktionalen Deals statt
prinzipiengeleiteter Zusammenarbeit geprägt sei, in der private Interessen
öffentliche Interessen verdrängten und in der der Wille der Großmächte
anstatt eines internationalen Regelwerks das Schicksal der Weltregionen
prägten.
Zu dem Event am kommenden Wochenende im Bayerischen Hof sind mehr als
tausend Teilnehmer:innen aus etwa 120 Staaten angemeldet, darunter mehr
als 60 Staats- und Regierungschefs. Ranghöchste Vertreter der Supermächte
USA und China werden allerdings nur die Außenminister Marco Rubio und Wang
Yi sein. Wie in den Vorjahren wurde Russland aufgrund seines Angriffskriegs
in der Ukraine nicht eingeladen. Das Putin-Regime tue zurzeit zwar so, als
sei es verhandlungsbereit, gleichzeitig überziehe es aber die ukrainische
Zivilbevölkerung „mit Terror“, sagte Ischinger.
## AfD dabei, Linke nicht
Vier zentrale Punkte würden sich laut Ischinger thematisch durch die
gesamte Konferenz ziehen: Erstens werde es um die Rolle Deutschlands in
Europa und in der Welt gehen. Zweitens stehe die Frage nach Europas
Fähigkeit, „sich selbst künftig stärker mit eigenen Kräften durchzusetzen,
die eigenen Interessen zu vertreten und mit einer Stimme zu sprechen“, im
Fokus. Das dritte große Thema seien die angeschlagenen transatlantischen
Beziehungen. Viertens werde es um die globalen Krisen gehen, von denen die
wichtigste derzeit der Krieg in der Ukraine sei. Auch der ukrainische
Präsident Wolodymyr Selenskyj hat seine Teilnahme zugesagt.
Auf der Teilnehmer:innenliste stehen ferner EU-Kommissionspräsidentin
Ursula von der Leyen, Nato-Generalsekretär Mark Rutte sowie zahlreich
weitere Vertreter:innen internationaler Organisationen. Besondere
Aufmerksamkeit dürfte Kanadas Premierminister Mark Carney erfahren, der
erstmals nach München kommt. Mit einem [2][beherzten Appell für eine neue
Allianz der Mittelmächte] hatte er beim Weltwirtschaftsforum in Davos für
Schlagzeilen gesorgt.
Angeführt von Kanzler Friedrich Merz, der am Freitag die Eröffnungsrede
hält, wird die Bundesregierung in beinahe kompletter Mannschaftsstärke
antreten. Von den Oppositionsparteien werden die Grünen und die [3][AfD,
die nach zweijähriger Pause diesmal wieder eingeladen wurde], prominent
vertreten sein. Die Linkspartei wird hingegen nicht dabei sein. Laut einem
Parteisprecher erhielten weder die Partei- noch die
Bundestagsfraktionsvorsitzenden eine Einladung.
## US-Demokrat:innen reisen nach München
Im vergangenen Jahr hatte [4][US-Vizepräsident James David „JD“ Vance mit
seinem Frontalangriff von ganz rechts] auf die innenpolitischen
Verhältnisse in Europa für empörte Reaktionen gesorgt. Einen solchen
Auftritt erwartet Ischinger in diesem Jahr von Rubio, der am Samstag
auftreten soll, nicht. Bis zum Beweis des Gegenteils gehe er davon aus,
„dass wir erwarten können, dass der amerikanische Außenminister über die
amerikanische Außenpolitik redet und nicht über Themen, die sein Ressort
nicht direkt berühren“, sagte Konferenzleiter Ischinger. Das sei jedenfalls
seine Erwartungshaltung.
Aus den USA werden auch einige der schärfsten Gegner:innen der
gegenwärtigen US-Administration erwartet. So kündigte Ischinger die
Teilnahme des kalifornischen Gouverneurs Gavin Newsom, der linken
Kongressabgeordneten Alexandria Ocasio-Cortez und der Gouverneurin von
Michigan, Gretchen Whitmer, als prominente Vertreter:innen der
oppositionellen Demokratischen Partei an.
Wie schon in den vergangenen drei Jahren wird Iran auch dieses Mal nicht
durch offizielle Delegierte der Islamischen Republik auf der MSC vertreten
sein. Angesichts der „Großwetterlage“ und der [5][„massakerartigen
Vorkommnisse“ in] [6][Iran] habe man „auch nach intensiver Rücksprache mit
unserer eigenen Regierung“ davon Abstand genommen, Regierungsvertreter
einzuladen, sagte Ischinger. Er habe „leider den Eindruck, dass in diesem
Augenblick in München konstruktive Gespräche mit der iranischen Seite
wahrscheinlich eher nicht stattfinden könnten“. Stattdessen würden jedoch
Vertreter der iranischen Opposition anwesend sein.
Mit dabei sein wird der [7][Schah-Sohn Reza Pahlavi]. Aufgrund der blutigen
Herrschaft seines 1979 gestürzten Vaters nicht unumstritten, hat der in den
USA lebende Pahlavi die vergangenen Massenproteste gegen die iranische
Führung unterstützt und gilt als bekanntester iranischer Oppositioneller im
Exil. Er ist auch als Redner auf einer für Samstag geplanten Großkundgebung
auf der Münchner Theresienwiese unter dem Motto „Menschenrechte und
Freiheit im Iran. Internationale Solidarität mit dem iranischen Volk“
angekündigt, zu der bis zu 100.000 Menschen erwartet werden.
10 Feb 2026
## LINKS
(DIR) [1] https://securityconference.org/publikationen/munich-security-report/2026/
(DIR) [2] https://www.youtube.com/watch?v=flsgJe8mN-A
(DIR) [3] /Sicherheitspolitik/!6141491
(DIR) [4] /Muenchener-Sicherheitskonferenz/!6066767
(DIR) [5] /Was-bei-den-Protesten-in-Iran-geschah/!6148087
(DIR) [6] /Was-bei-den-Protesten-in-Iran-geschah/!6148087
(DIR) [7] /Proteste-in-Iran-und-Reza-Pahlavi/!6142336
## AUTOREN
(DIR) Pascal Beucker
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