# taz.de -- Finanzierung der Ukraine-Hilfen: Die heikle Suche nach Geld
       
       > Die Finanzierung der Ukraine-Hilfen wird derzeit zum Spielball innerhalb
       > der europäischen Staaten.
       
 (IMG) Bild: Markt in Odessa nach einem russischen Drohnenangriff: In wenigen Tagen jährt sich die russische Vollinvasion zum vierten Mal
       
       Krieg kostet – Menschenleben und Geld. Was zynisch klingt, ist derzeit aber
       der brisante Knackpunkt innerhalb der Europäischen Union. Die EU und die
       Mitgliedsstaaten haben im Zeitraum von Februar 2022 bis Ende des
       vergangenen Jahres rund 177 Milliarden Euro für die Ukraine ausgegeben. Für
       militärisches Gerät, für wirtschaftliche und politische Unterstützung.
       
       Ein Ende des Krieges ist nicht in Sicht, in wenigen Tagen jährt sich die
       russische Vollinvasion zum 4. Mal. [1][Die diplomatischen Verhandlungen]
       stocken derzeit, auch wenn die USA, russische und ukrainische Delegierte
       sich immer wieder treffen, um einen Waffenstillstand auszuhandeln. Eine
       Einigung scheint kaum schnell möglich.
       
       Zugleich bombardiert die russische Armee weiterhin das Land. In der Nacht
       zu Donnerstag sind im Osten des Landes zwei Menschen getötet worden. In der
       ukrainischen Hauptstadt Kyjiw blieb die Stromversorgung erneut bei
       Tausenden Wohnungen aus. Trotz internationaler Appelle, auch seitens der
       UN, hat Russland vor allem die Zivilbevölkerung im Visier.
       
       Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj erneuerte in den vergangenen
       Tagen und kurz vor Beginn der [2][Münchner Sicherheitskonferenz] seine
       Forderung an die europäischen Staaten, die Ukraine mit weiterem Kriegsgerät
       auszustatten und die Luftverteidigung auszubauen. Bei einem Treffen der
       Verteidigungsminister der Nato-Länder in Brüssel am Donnerstag sollten dazu
       weitere Absprachen getroffen werden.
       
       ## Geld und Wettbewerb
       
       Allerdings wird um finanzielle Fragen erbittert gerungen. Die EU hat zwar
       einen [3][Kredit in Höhe von 90 Milliarden] bewilligt, mit dem die Ukraine
       in den kommenden zwei Jahren unterstützt werden soll. Doch vermutlich wird
       dieser Betrag nicht ausreichen. Die Finanzierung der Ukraine-Hilfen wird
       derzeit zum Spielball innerhalb der europäischen Staaten. Bei einem
       informellen Sondergipfel in Belgien diskutierten die Staats- und
       Regierungschefs über bessere Wettbewerbsfähigkeit der EU-Länder sowie mehr
       wirtschaftliche Stabilität. Während der französische Präsident Emmanuel
       Macron auf eine höhere Gesamtverschuldung setzt, um Geld freizusetzen,
       lehnt Deutschland dies vehement ab.
       
       Die EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas unterstützt den französischen Kurs –
       und befeuert damit den Zwist um weitere Finanzierungsmöglichkeiten. Der
       ungarische Regierungschef Viktor Orbán nutzt natürlich die schwierige
       Gemengelage. Europa sollte die Ukraine nicht mehr finanziell unterstützen,
       wenn es seine eigene Wirtschaft ankurbeln möchte, sagte Orbán am Rande des
       Sondergipfels. Der Ungar gilt als enger Verbündeter des russischen
       Präsidenten Wladimir Putin und hat immer wieder die Freigabe von Hilfen für
       die Ukraine blockiert.
       
       Weiterer heikler Punkt ist ein [4][Beitritt der Ukraine zur EU]. Die
       Verhandlungen laufen zwar, doch Selenskyj macht nun Tempo und fordert ein
       konkretes Datum. Ein Beitritt würde der Ukraine auch zu mehr
       wirtschaftlicher Resilienz verhelfen. Selenskyj spricht gar vor einer Art
       Sicherheitsgarantie für sein Land und die EU, die in einem etwaigen
       Abkommen zwischen Russland, den USA, Europa und der Ukraine genau
       gekennzeichnet werden müsse. Ansonsten würde Putin den Beitrittsprozess
       womöglich weiter blockieren. Der Ukraine läuft die Zeit davon. Für die
       schwierigen Entscheidungen auf EU-Ebene wird aber genau diese dringend
       gebraucht.
       
       12 Feb 2026
       
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