# taz.de -- Verhältnis Macron und Merz: Ziemlich schlechte Freunde
       
       > Es läuft nicht gut zwischen dem französischen Präsidenten und dem
       > deutschen Kanzler. Und das in einer Zeit, in der es auf Zusammenhalt
       > ankommt.
       
 (IMG) Bild: In München soll es keinen gemeinsamen Auftritt von Macron und Merz geben
       
       Ausgerechnet kurz vor der Münchner Sicherheitskonferenz befeuert Präsident
       Emmanuel Macron die heikle Debatte über ein deutsch-französisch-spanisches
       Militärprojekt, das eigentlich zum Scheitern verurteilt ist. Streitigkeiten
       der beteiligten Rüstungsfirmen führten in den vergangenen Wochen immer
       wieder zu Spekulationen, die vom Aus des Milliardenprojekts zur Zukunft der
       Luftverteidigung unkten. Macron hält das Future Combat Air System, kurz
       FCAS, immer noch für ein sehr gutes Projekt. Kanzler Friedrich Merz sprach
       unlängst von „unterschiedlichen Auffassungen“. Mehr muss man eigentlich
       nicht wissen, um zu merken, dass der „Jet der Zukunft“, ein hochmodernes
       Luftkampfsystem, vermutlich in der angedachten Form nicht abheben wird.
       
       Die Zweifel haben ein schlechtes Timing. Nicht nur, weil das wichtigste
       Get-together in [1][Sicherheitsfragen] am Wochenende in [2][München
       stattfinde]t, sondern weil die diffusen Haltungen in eine Zeit fallen, in
       der Europa Einigkeit zeigen sollte. Theoretisch wären dabei die treibenden
       Kräfte: Frankreich und Deutschland.
       
       Der Zankapfel FCAS ist nur ein Beispiel, wie fragil bis brüchig die Allianz
       ist – und alles andere als langfristig zuverlässig. Angela Merkel stellte
       als Kanzlerin 2017 gemeinsam mit Macron die Weichen für den Kampfjet, es
       sind schon Milliarden in das Projekt geflossen. In Zeiten, in denen Europa
       verzweifelt versucht, militärische Unabhängigkeit gegenüber den USA
       aufzubauen und den russischen Aggressor in die Schranken zu weisen, sind
       gestörte Partnerverhältnisse Gift.
       
       Um zu demonstrieren, wie dramatisch die Lage ist, sparte Macron jüngst in
       einem Interview mit verschiedenen internationalen Medien nicht mit markigen
       und alarmierenden Worten. Mit Blick auf die Annexionsfantasien Trumps zur
       arktischen Insel attestierte Macron Europa einen „Grönlandmoment“.
       Zusammengefasst meint er wohl: Entweder Europa kuscht vor den USA. Oder
       Europa reißt sich zusammen und schafft den Schulterschluss. FCAS ist nur
       ein Beispiel dafür, wie wenig letzterer Ansatz verfolgt wird. In München
       soll es keinen gemeinsamen Auftritt von Macron und Merz geben. Und ohnehin
       sind in Sachen Wettbewerbsfähigkeit die beiden Herren entzweit. Die bei den
       Deutschen [3][unbeliebten Eurobonds] oder Macrons Ansinnen, Produkte „Made
       in EU“ zu bevorzugen, dürften für den nächsten Scherbenhaufen sorgen.
       
       Störfaktoren gibt es also zuhauf. Erschwerend hinzu kommt, dass Merz gerade
       erst in Rom klarmachte, dass er die böse Schwester im Süden Europas viel
       lieber für engere Kooperationen in Erwägung zieht. Merz und Meloni
       präsentierten auch gleich Vorschläge für die Zukunft der EU, die nun beim
       EU-Sondergipfel ventiliert werden sollen. Aus dem Blick geraten ist wohl,
       dass jetzt ein schlechter Zeitpunkt für Experimente ist.
       
       11 Feb 2026
       
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