# taz.de -- +++ Münchner Sicherheitskonferenz +++: Merz will die Abhängigkeit von den USA beenden
> Am Freitag hat die Sicherheitskonferenz begonnen. Der Bundeskanzler
> fordert mehr europäische Unabhängigkeit. Viele Exiliraner:innen
> demonstrieren in München.
(IMG) Bild: Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) spricht bei der Eröffnung der Münchner Konferenz (MSC)
## Demos von Exiliraner:innen rund um die Sicherheitskonferenz
Auch das gehört in diesem Jahr zur Münchner Sicherheitskonferenz: Während
im Bayerischen Hof über die schwere Krise des transatlantischen Bündnisses
diskutiert wird, demonstrieren auf gleich mehreren Plätzen drumherum
Exil-Iraner:innen gegen das Mullah-Regime. Das Demogeschehen ist allerdings
unübersichtlich. So haben sich mehrere hundert Anhänger:innen des
Nationalen Widerstandsrats Iran (NRWI), hinter dem sich die umstrittenen
Volksmudschahedin verbergen, unter der Parole „No to the Shah, No to the
Mullahs“ am Freitag auf dem Odeonsplatz versammelt.
Wenige hundert Meter davon entfernt stimmen sich kurz darauf auf dem
Max-Joseph-Platz ein paar Dutzend Schah-Anhänger:innen auf ihre für Samstag
geplante Großdemonstration ein, zu der 100.000 Teilnehmer:innen auf der
Theresienwiese angekündigt sind. Insgesamt sind sowohl für diesen Freitag
als auch für Samstag jeweils fünf unterschiedliche Demos oder Kundgebungen
angemeldet. Ihre Mottos: „Demo gegen Iranische Islamische Republik“,
„Protest gegen Menschenrechtsverletzungen im Iran“, „Solidaritätskundgebung
für die Revolutionsbewegung im Iran“, „Demonstration für die Menschen im
Iran“, „Demonstration gegen das Mullah-Regime im Iran“, „Menschenrechte und
Freiheit im Iran“, „Amerika, Israel und Europa eilen dem iranischen Volk zu
Hilfe“. Da kann man leicht den Überblick verlieren. pab
## Merz: J. D. Vance hatte recht mit seiner Rede über Kluft zu USA
Das transatlantische Bündnis zwischen Europa und den USA braucht nach
Ansicht von Kanzler Friedrich Merz einen Neustart. „Wenn unsere
Partnerschaft eine Zukunft haben soll, dann müssen wir sie im doppelten
Sinn neu begründen“, sagte der CDU-Chef in seiner Rede zur Eröffnung der
Münchner Sicherheitskonferenz. „Diese Begründung muss handfest sein, nicht
esoterisch. Wir müssen diesseits und jenseits des Atlantiks zu dem Schluss
kommen: Zusammen sind wir stärker.“ Denn niemand habe uns in die übermäßige
Abhängigkeit von den Vereinigten Staaten gezwungen, in der wir uns zuletzt
befunden haben, sagte Merz am Freitag zum Auftakt der Konferenz. Nun sei es
aber an der Zeit, „eine neue transatlantische Partnerschaft zu begründen.“
Die transatlantische Partnerschaft habe – so Merz – ihre
Selbstverständlichkeit verloren, erst in den USA, aber auch in Europa.
„Lassen Sie mich mit der unbequemen Wahrheit beginnen: Zwischen Europa und
den Vereinigten Staaten hat sich eine Kluft aufgetan.“ Dies habe
US-Vizepräsident J. D. Vance in seiner Rede vor einem Jahr in München „sehr
offen gesagt“ und er habe damit recht.
Gleichwohl teile er den derzeitigen „Kulturkampf“ in den USA mit Zöllen und
Protektionismus nicht, sondern glaube weiterhin an den freien Handel, an
Klimaabkommen und die Weltgesundheitsorganisation, sagte Merz. „Weil wir
überzeugt sind: Globale Aufgaben werden wir nur gemeinsam lösen.“ (afp/dpa)
## Auch USA sind auf Vertrauen der Nato-Partner angewiesen
Zugleich betonte Merz aber auch, dass das Vertrauen, auf dem die Nato
gründe, weiterhin unverzichtbar bleibe: „Im Zeitalter der Großmächte werden
auch die USA auf dieses Vertrauen angewiesen sein. Selbst sie stoßen an die
Grenzen der eigenen Macht, wenn sie etwa im Alleingang unterwegs sind.“
## Wadephul für selbstbewussten Auftritt gegenüber USA
Bundesaußenminister Johann Wadephul (CDU) hat vor Beginn der [1][Münchner
Sicherheitskonferenz] einen selbstbewussten Auftritt Deutschlands gegenüber
den USA angekündigt. In der Nato gebe es tatsächlich „eine Entfremdung“ und
„Irritationen“ über manche Äußerungen aus Washington, sagte Wadephul am
Freitag im ARD-„Morgenmagazin“. Darüber werde in München gesprochen.
Deutschland werde dabei „eine selbstbewusste Linie“ fahren.
„Natürlich steht dieses Bündnis auch unter Druck“, sagte Wadephul zur Nato.
„Wir wollen gemeinsam definieren, was uns zusammenhält, was die Nato
bedeutet.“ Das Wichtigste sei dabei, „dass wir Europäer zusammenstehen“.
Deutschland verfolge „eine Linie, die auf Verständigung auf ein Miteinander
mit den USA angelegt ist – mit dem gesunden Selbstbewusstsein, das wir hier
beitragen können“, sagte Wadephul. Er betonte, Deutschland leiste schon
jetzt „sehr viel“ zur Stärkung des europäischen Pfeilers der Nato: [2][Es
sei der größte Unterstützer der Ukrainer], stationiere eine ständige
Brigade an der Nato-Ostflanke in Litauen und werde das Ausgabenziel von
fünf Prozent der Wirtschaftsleistung bei Verteidigung „schneller als
andere“ erreichen.
Damit sei Deutschland in der Lage, „den Vereinigten Staaten von Amerika zu
sagen, was auf dem Spiel steht“, sagte Wadephul. Es gelte darum
klarzumachen, „dass auch sie Europa brauchen werden, dass es sinnvoll ist,
dass wir zusammenstehen und dass auch in dieser Gemeinschaft mehr
Gemeinschaftssinn gefordert ist.“ Dies erwarte Deutschland von den USA.
(afp)
## US-Außenminister Rubio in München eingetroffen
US-Außenminister Marco Rubio ist am Freitag zur diesjährigen Münchner
Sicherheitskonferenz (MSC) in der bayerischen Hauptstadt eingetroffen.
Rubio führt bei der Münchner Sicherheitskonferenz in diesem Jahr die
Delegation der Vereinigten Staaten an. Neben dem US-Außenminister werden
dutzende US-Kongressmitglieder in der bayerischen Landeshauptstadt
erwartet.
Vor einem Jahr hatte US-Vizepräsident J. D. Vance bei der
Sicherheitskonferenz mit einem Frontalangriff auf Europa Empörung
ausgelöst. So hatte er Verbündeten in Bezug auf das äußerste rechte
Spektrum eine angebliche Einschränkung der Meinungsfreiheit in ihren
Ländern vorgeworfen. Es wird erwartet, dass Rubio im Ton weniger
konfrontativ auftreten wird.
Vor seinem Abflug aus Washington hatte Rubio gesagt: „Wir leben in einer
neuen Ära der Geopolitik, und das wird von uns allen verlangen,
gewissermaßen neu zu überprüfen, wie das aussieht und welche Rolle wir
spielen werden.“
Zum Auftakt der Sicherheitskonferenz hält Bundeskanzler Friedrich Merz
(CDU) eine außenpolitische Grundsatzrede (13.45 Uhr). Die Veranstalter
rechnen mit mehr als tausend Teilnehmern aus etwa 120 Staaten, unter ihnen
mehr als 60 Staats- und Regierungschefs, rund hundert Außen- und
Verteidigungsminister sowie die Spitzenvertreter von mehr als 40
internationalen Organisationen. (afp)
## Entwicklungszusammenarbeit gehört zu Sicherheitspolitik
Zwei frühere Bundesminister haben anlässlich der Sicherheitskonferenz zur
Stärkung der Entwicklungszusammenarbeit gemahnt. Wirksame
entwicklungspolitische Partnerschaften seien unverzichtbarer Bestandteil
einer umfassenden Sicherheitspolitik, heißt es in einem Aufruf der früheren
Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU), des früheren
Entwicklungsministers Gerd Müller (CSU) sowie des Leiters des Kiel
Instituts für Weltwirtschaft, Moritz Schularick. Der Aufruf erschien
zunächst auf dem Nachrichtenportal Politico.
Die Unterzeichner verweisen auf eine Studie des Kiel Instituts für
Weltwirtschaft, wonach Entwicklungszusammenarbeit die globale Sicherheit
nachhaltig verbessern könne. „Sie kann den Kreislauf von Konflikten
durchbrechen und erneute Gewalt verhindern.“ Eine gezielte Verbesserung von
Müttergesundheit, Bildung und Arbeitsmarkt senke in Entwicklungsländern
etwa den Migrationsdruck, Investitionen in Infrastruktur öffneten Märkte,
auch für deutsche Unternehmen. „Jeder in Konfliktprävention investierte
Euro spart so langfristig bis zu 25 Euro durch vermiedene humanitäre Krisen
und Sicherheitsausgaben“, so der Appell.
Gleichwohl werde Entwicklungszusammenarbeit bei Diskussionen über
Sicherheitspolitik oft zu wenig beachtet. „Sie steht dabei nicht in
Konkurrenz zu Verteidigung, im Gegenteil: Eine wohlüberlegte, strategisch
ausgerichtete Entwicklungszusammenarbeit im Dreiklang von defense,
diplomacy and development kann geopolitische Herausforderungen meistern
helfen, Deutschlands Interessen stärken und für mehr Stabilität und
Sicherheit weltweit sorgen.“ Die Münchner Sicherheitskonferenz sei der
richtige Ort, um diesen Wandel anzugehen.
Die Unterzeichner verweisen darauf, dass Deutschland insbesondere im
globalen Süden als einer der verlässlichsten Partner angesehen werde.
Dieser strategische Vorteil dürfe nicht aus der Hand gegeben werden, gerade
wenn es um den Zugang zu Märkten und kritischen Ressourcen gehe.
[3][Kramp-Karrenbauer], seit Jahresbeginn Vorsitzende der CDU-nahen
Konrad-Adenauer-Stiftung, hatte unter der früheren Bundeskanzlerin Angela
Merkel (CDU) von 2019 bis 2021 das Amt der Verteidigungsministerin inne.
Müller war über zwei Legislaturperioden von 2013 bis 2021
Entwicklungsminister und ist seitdem Generaldirektor der Organisation der
Vereinten Nationen für industrielle Entwicklung (UNIDO). (kna)
## Greenpeace prangert Abhängigkeit von Gaslieferungen an
Vor Beginn der Münchner Sicherheitskonferenz haben Aktivisten von
Greenpeace am frühen Freitagmorgen ein riesiges Banner an einem Kran nahe
dem Konferenzaustragungsort angebracht, um auf Europas Abhängigkeit von
Flüssiggaslieferungen aus Russland und den USA aufmerksam zu machen. Zehn
Kletteraktivisten entrollten über dem Marienhof im Zentrum Münchens in etwa
60 Metern Höhe ein 90 Quadratmeter großes Banner mit der Aufschrift „Break
Free From Tyrants“ (Befreie dich von Tyrannen), wie die
Umweltschutzorganisation am Freitag mitteilte. Für den Vormittag war eine
Kundgebung auf dem Marienplatz geplant.
Sowohl US-Präsident Donald Trump als auch der russische Präsident Wladimir
Putin nutzten Energielieferungen an Europa als Druckmittel, hieß es in
einer Pressemitteilung von Greenpeace. „Wer über Sicherheit spricht, muss
auch über Energiepolitik sprechen“, erklärte Greenpeace-Energieexpertin
Marina Falke. „Die europäische Fixierung auf fossile Gaslieferungen stärkt
unberechenbare Machthaber wie Trump und Putin.“
Deutschland dürfe sich nicht von unzuverlässigen Regierungen abhängig
machen, die Vereinbarungen einseitig aufkündigten oder an immer neue
Bedingungen knüpften, betonte Falke mit Blick auf die USA. Seit
Jahresbeginn erreicht laut Greenpeace pro Woche mindestens ein mit
US-Flüssiggas beladener Tanker deutsche Häfen.
Für den Vormittag kündigte Greenpeace zudem eine Kundgebung auf dem
Marienplatz an. Dabei sollen nach Angaben der Organisation überlebensgroße
aufblasbare Skulpturen von Putin und Trump zum Einsatz kommen, die auf
einem zehn Meter langen Modell eines Gas-Tankers mit der Aufschrift „Fossil
Gas“ stehen. Auf einem weiteren Banner fordert die Organisation „Sichere
Energie statt Gas-Abhängigkeit“. (afp)
13 Feb 2026
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