# taz.de -- Wechsel in Sachsen-Anhalt: Panik-Move in Magdeburg
       
       > SPD und FDP sind bereit, Sven Schulze als Nachfolger von
       > CDU-Ministerpräsident Haseloff zu wählen. Der Zeitpunkt ist katastrophal.
       
 (IMG) Bild: Wechsel an der Spitze in Sachsen-Anhalt: Ministerpräsidenten Sven Schulze (vielleicht bald) und Reiner Haseloff (noch)
       
       Das kann man wohl ohne zu übertreiben einen Panik-Move nennen – und das von
       allen Beteiligten. SPD und FDP haben am Montagabend zugestimmt, in
       Sachsen-Anhalt noch in diesem Monat einen neuen Ministerpräsidenten zu
       wählen, so wie das die CDU gerade in einer rasanten Kehrtwende
       vorgeschlagen hat. An sich ist es ja eine gute Idee, einen
       Spitzenkandidaten mit Amtsbonus in den Wahlkampf ziehen zu lassen. Aber die
       Umstände und der Zeitpunkt dieser Entscheidung sind eine Katastrophe. Und
       das aus vielen Gründen.
       
       Zum einen verspielt die CDU mit ihrer viel zu späten Entscheidung viel
       Glaubwürdigkeit. Reiner Haseloff, der angesehene CDU-Ministerpräsident,
       hatte bis zuletzt betont, dass er die gesamte Legislaturperiode, also bis
       zur Neubildung einer Regierung nach der Landtagswahl im September, an der
       Spitze seiner „Deutschlandkoalition“ bleiben werde.
       
       Ob das nun daran lag, dass er sein Wahlkampfversprechen von vor fünf Jahren
       nicht brechen oder die Kontrolle nicht vorzeitig abgeben wollte, oder ob
       doch, wie auch kolportiert wird, die Koalitionspartner bislang nicht bereit
       waren, [1][einen Nachfolger ins Amt zu verhelfen], sei dahingestellt.
       
       Das ganze [2][liefert zweitens den Erzählungen der AfD mächtig Futter.]
       Dass nämlich den anderen Parteien angesichts der bedrohlich guten
       Umfragenwerte für die Rechtsextremen vor Angst die Knie schlottern, diese
       meinen, die AfD nur noch mit nicht ganz sauberen Methoden von der Macht
       fernhalten zu können und dass auf sie ohnehin kein Verlass ist, sondern es
       ihnen nur um den eigenen Machterhalt geht.
       
       Durch den viel zu späten Wechsel ist aber auch drittens fraglich, ob das
       taktische Ziel dieses Manövers überhaupt erreicht werden kann. Zwar wird es
       [3][Sven Schulze, den CDU-Spitzenkandidaten und bisherigen
       Landeswirtschaftsminister, etwas bekannter machen.] Einen Amtsbonus aber
       muss man sich erarbeiten, und das ist nicht leicht, das musste auch
       Haseloff zu Beginn seiner Amtszeit erfahren. Man wird nicht innerhalb von
       ein paar Monaten vom Wirtschaftsminister, den kaum einer kennt, zum
       beliebten Landesvater.
       
       Ist das ganze Manöver jetzt also falsch? Nicht unbedingt. Wird Schulze Ende
       Januar gewählt, ist es wahrscheinlich das kleinere von zwei Übeln. Und
       immerhin scheinen Haseloff, Schulze und ihre Landes-CDU – auch mithilfe des
       Drucks aus der Bundespartei – endlich erkannt zu haben, dass sie in diesem
       Wahlkampf wirklich alle Register ziehen müssen, soll ihr Land als erstes
       bundesweit nicht an die AfD fallen. Nur: Mit etwas mehr Weitsicht wären die
       Erfolgschancen eben deutlich besser gewesen.
       
       13 Jan 2026
       
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