# taz.de -- Haseloff tritt in Sachsen-Anhalt ab: Ein kopfloses Wahlkampfmanöver
       
       > Reiner Haseloff wollte bis zum Ende Ministerpräsident bleiben. Weil
       > seinen Nachfolger niemand kennt, geht er nun doch früher. Es ist ein
       > kopfloses Manöver.
       
 (IMG) Bild: Na denn ma' toi toi toi: Ein Haseloff'scher Applaus für den neuen Kandidaten Sven Schulze
       
       Es scheint, als wolle die CDU in Sachsen-Anhalt die Landtagswahl im
       September gar nicht gewinnen. Anders lässt sich kaum erklären, weshalb sie
       kurz auf knapp noch plant, den Ministerpräsidenten zu tauschen. [1][Reiner
       Haseloff, der dienstälteste Landeschef Deutschlands], will seinen
       Wunschnachfolger Sven Schulze nun doch [2][Ende Januar ins Amt hieven].
       Schulzes Bekanntheit dürfte das Wahlkampfmanöver zwar fördern. Aber in der
       Gunst der Wähler:innen steigt er deshalb nicht.
       
       Der ursprüngliche Fehler liegt schon ein paar Monate zurück: Als Schulze im
       August zum Spitzenkandidaten ernannt wurde, versicherte Haseloff noch, bis
       zum Ende im Amt bleiben zu wollen. Dass er Schulze damit den Amtsbonus bei
       der Landtagswahl verwehrte? Egal, er habe das beim Antritt als
       Ministerpräsident 2021 so versprochen. Dann kamen die neuen Umfragewerte.
       
       Die CDU rutschte in Sachsen-Anhalt unter 30 Prozent, [3][die AfD kletterte
       auf bis zu 40 Prozent empor]. Sven Schulze? Den kannte fast die Hälfte der
       Befragten in Sachsen-Anhalt gar nicht. Darum soll Schulze doch noch den
       Amtsbonus bekommen. Zu mehr sind sieben Monate im Amt auch gar nicht gut.
       
       Woher der Sinneswandel kommt, ist eigentlich egal. Ob es die Bundes-CDU
       war, die aus Angst vor der AfD Druck gemacht hat. Ob Haseloff einfach nur
       abwarten wollte, [4][bis Sven Schulze beim Landesparteitag breite
       Rückendeckung der Mitglieder erhält]. Gut steht am Ende niemand da.
       
       Zu allem Überfluss ist das Wahlkampfmanöver offensichtlich vor der finalen
       Abstimmung durchgesickert. Ob die Koalitionspartnerinnen SPD und FDP
       überhaupt mitmachen? Am Donnerstag beantworteten diese das selbstbewusst
       mit: „abwarten“.
       
       ## Wahlen mit Popcorn-Potential
       
       Die Wahl des Regierungschefs hatte in den vergangenen Jahren fast immer
       Popcorn-Potential. In Thüringen 2019 zum Beispiel, als [5][Thomas Kemmerich
       (damals FDP)] aus Versehen mit der Hilfe von AfD und CDU zum
       Ministerpräsidenten wurde. Ups! Oder zuletzt nach der Bundestagswahl, als
       Friedrich Merz (CDU) im ersten Anlauf für das Amt des Kanzlers die nötige
       Mehrheit verfehlte.
       
       Eine ähnliche Geschichte kann übrigens Reiner Haseloff erzählen. Nachdem
       seine CDU die Landtagswahl Sachsen-Anhalt 2021 mit 37,1 Prozent der Stimmen
       unerwartet klar gewonnen hatte, fiel er trotzdem im ersten Wahlgang als
       Ministerpräsident durch. Es sind die gleichen Landtagsabgeordneten von CDU,
       SPD und FDP, die nach dem Plan der Union nun Sven Schulze wählen sollen.
       Die Vollkatastrophe wäre, [6][wenn nicht mal das klappt].
       
       8 Jan 2026
       
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