# taz.de -- Ministerpräsident in Sachsen-Anhalt: Reiner Haseloff räumt den Posten
> Nachdem bekannt wurde, dass Haseloff sein Amt abgibt, hat der
> Ministerpräsident geschwiegen – bis jetzt. Seine Erklärung weist auf die
> Landtagswahl.
(IMG) Bild: Reiner Haseloff (l., CDU), der Noch-Ministerpräsident des Landes Sachsen-Anhalt, und Sven Schulze (r., CDU), sein Nachfolger
Am Ende seiner wahrscheinlich letzten Regierungspressekonferenz wirkt
[1][Reiner Haseloff] (CDU) heiter. „So Gott denn will“, sagt er zum Schluss
mit einem Lächeln. Das bezieht sich zwar auf sein Privatleben, passt aber
trotzdem gut dazu, wie der [2][Ministerpräsident von Sachsen-Anhalt zuvor
seinen Abschied vom Amt] begründet hat.
Vor den Mikrofonen sitzen am Dienstagmittag neben Haseloff noch seine
Vize-Ministerpräsident:innen, Armin Willingmann (SPD) und Lydia Hüskens
(FDP), und sein Wunschnachfolger, Sven Schulze (CDU). Alle vier betonen die
gute Zusammenarbeit miteinander. „Ein wundervoller Kontrast zur Regierung
in Berlin“, schwärmt Willingmann. Das wolle man unter Sven Schulze
fortführen, gerne auch noch nach der Wahl.
Ob das klappt, ist allerdings gar nicht sicher. In der letzten Umfrage
kamen alle drei Parteien gemeinsam auf 35 Prozent. Weniger als die 37,1
Prozent, die die CDU bei der Landtagswahl 2021 allein geholt hat. Weniger
als die 40 Prozent, [3][die die AfD in derselben Umfrage bekam]. Und
weniger als die Mehrheit, die für eine Regierung nötig wäre. Aber das
spielt bei der Regierungskonferenz am Dienstag keine Rolle.
Um seinen anstehenden Rücktritt zu erklären, holt Haseloff ein wenig aus.
Vergangenen August hatte er verkündet, nicht noch einmal zu kandidieren und
dass Sven Schulze der Spitzenkandidat der CDU werden solle. Er selbst wolle
aber bis zum Ende regieren, sagte Haseloff damals. Das bedeutete für
Schulze, dass er ohne den Amtsinhaberbonus in den Wahlkampf starten musste.
## Demonstrative Geschlossenheit
In der Presseagentur am Dienstag fragt deshalb ein Journalist der dpa:
Warum hat Haseloff damals nicht direkt den Posten an Schulze übergeben?
„Kann ich Ihnen klar sagen“, antwortet Haseloff, „wir leben in einer
Demokratie, die Mechanismen hat, Termine kennt und Entscheidungsprozeduren
über Parteien, Parteigremien und so weiter kennt.“
Damals im August habe er nur einen Vorschlag unterbreitet. Erst danach habe
die Partei im November entschieden, Schulze zum Spitzenkandidaten zu
machen. Nur mit den Koalitionspartner:innen von der FDP und der SPD
könne die CDU aktuell entscheiden, wer in Sachsen-Anhalt Ministerpräsident
sei. Dazu habe es erst danach Gespräche gegeben. Deshalb habe die
Entscheidung ein bisschen gedauert.
Die Umfragen hätten dabei aber keine Rolle gespielt, versichert Haseloff.
Es habe auch nicht an Druck aus der Bundes-CDU gelegen, dass er jetzt
zurücktreten werde. „Wer mich lange genug kennt, der weiß, dass ich mich
nie unter Druck setzen lasse“, sagt der scheidende Ministerpräsident
selbstbewusst. Er habe nur sichergehen wollen, dass die Koalition mit der
SPD und der FDP fortbestehe.
Bei der Landtagswahl treten Hüskens und Willingmann als
Spitzenkandidat:innen ihrer Parteien an. Machen sie sich keine
Sorgen, dass sie Stimmen verlieren, wenn Sven Schulze durch den Amtsbonus
welche gewinnt? Es sei nicht die Zeit „für parteitaktische Überlegungen“,
erklärt SPD-Spitzenkandidat Willingmann. Und FDP-Chefin Hüskens ergänzt,
sie wollten zeigen, dass die Koalition gut funktioniert.
## Die Opposition ist nicht begeistert
Am 28. Januar soll laut Haseloff die Wahl von Sven Schulze auf der
Tagesordnung stehen. Bislang ist er Wirtschaftsminister. Sein Posten soll
nicht nachbesetzt werden. Stattdessen soll der bisherige Finanzminister
Michael Richter zusätzlich den Wirtschaftsbereich leiten. Das kritisiert
die Opposition: Wirtschaftsminister, das sei kein Nebenjob, heißt es etwa
von den Grünen.
Lydia Hüskens erklärt gegenüber der taz, gewisse Aufgaben des
Wirtschaftsministeriums werde Sven Schulze auch als Ministerpräsident
regeln. Die Krise der Chemieindustrie lasse sich sowieso nicht allein in
Sachsen-Anhalt lösen, so Hüskens. Es müsse viel „Überzeugungsarbeit“ in
Brüssel und Berlin geleistet werden.
Zum Ende der Pressekonferenz betont Haseloff noch mal, dass die Koalition
auch ohne ihn weiter zusammenarbeiten werde. Er selbst werde als
Abgeordneter bleiben, bis zur Landtagswahl.
13 Jan 2026
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(DIR) David Muschenich
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