# taz.de -- Landtagswahl in Sachsen-Anhalt: Regierungschef Haseloff räumt den Posten
> Die CDU Sachsen-Anhalt plant acht Monate vor der Wahl eine
> Personalrochade. Reiner Haseloff will sein Amt vorzeitig an
> Wirtschaftsminister Schulze abgeben.
(IMG) Bild: Löst Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff ab: Sven Schulze (CDU)
Vom Wirtschaftsminister zum Regierungschef: Sven Schulze (CDU) soll nicht
bis zu Sachsen-Anhalts Landtagswahl im September und den voraussichtlich
schwierigen Regierungsverhandlungen danach warten müssen. Wie am Donnerstag
öffentlich wurde, plant Ministerpräsident Reiner Haseloff schon Ende Januar
das Ruder an Sven Schulze zu übergeben. Eigentlich hatte der beliebte
Landesvater versprochen, seine Amtszeit durchzuziehen. Doch nun soll sein
Wunschnachfolger schon früher ins Rampenlicht.
Schulze wurde in Quedlinburg im Harz geboren. Sein Lebenslauf weist eine
Reihe bedeutender Parteiämter auf. Er war Landesvorsitzender der Jungen
Union, war später im Europäischen Parlament, übernahm 2021 den
CDU-Landesvorsitz und wurde Wirtschaftsminister von Sachsen-Anhalt. Seit
2024 ist er im Bundesvorstand der CDU. Er gilt als gut vernetzt.
Trotzdem hat Schulze ein Problem: Viele Wähler:innen kennen ihn nicht.
Er gilt als unscheinbar und farblos. Bei einer Umfrage im September von
Infratest dimap in Sachsen-Anhalt gaben 44 Prozent an, ihn nicht zu kennen.
Politisch verspricht Schulze, die Politik von Haseloff fortzusetzen. Egal
welche Aussage der Landesvater von sich gegeben habe, man könne alternativ
auch „Schulze“ davor schreiben. Im Wahlkampf wolle er auf Alltagsthemen
setzen. Er gibt sich bodenständig und seriös. Auffällig: Das Thema
Migration spricht Schulze kaum an, und er grenzt sich von [1][der AfD] ab,
ohne ständig von ihr zu sprechen.
## Abtritt nur mit Zustimmung der Koalitionspartner
In Sachsen-Anhalt regiert die CDU derzeit gemeinsam mit [2][SPD] und FDP in
einer sogenannten Deutschland-Koalition. Laut der Mitteldeutschen Zeitung,
die zuerst über den Plan der CDU berichtete, treffen sich am Montag die
drei Koalitionsparteien. Wie die Deutsche Presseagentur berichtet, wolle
Reiner Haseloff nur dann zurücktreten, wenn SPD und FDP schriftlich
zusichern, Schulze als neuen Ministerpräsidenten zu wählen.
Auf Anfrage der taz erklärte ein Sprecher der Sozialdemokraten, man nehme
den Bericht über einen möglichen Wechsel an der Spitze zur Kenntnis. Es
handle sich aber um einen „internen Prozess der CDU“. Der
SPD-Landesvorstand werde sich zu dem Thema beraten. „Unser Interesse gilt
dem Fortbestand der Deutschland-Koalition.“
Cornelia Lüddemann, die Fraktionsvorsitzende der oppositionellen Grünen im
Landtag Sachsen-Anhalt, sagte der taz, sie überrasche der Zeitpunkt, so
kurz vor der Landtagswahl. Das mache „ganz deutlich, dass Schulze nur der
Amtsbonus übergeben werden soll“, findet sie.
Dass die CDU besorgt auf ihre Umfragewerte schaue, versteht Eva von Angern,
die Vorsitzende der Linksfraktion in Sachsen-Anhalt. Dort lag die CDU
zuletzt deutlich hinter der AfD. Aber im Wahlkampf einen neuen
Ministerpräsidenten wählen, „das ist nicht ungefährlich“, mahnt von Angern.
Sie zweifle daran, dass bei Schulze die Abgeordneten der
Deutschland-Koalition alle geschlossen wählen.
## Keine Stimme von der Linken
Von der Linken werde Schulze keine Stimme bekommen. „Im Chemiedreieck in
Sachsen-Anhalt drohen massenhaft Entlassungen, und der Wirtschaftsminister
flüchtet aus seinem Amt“, so die Linken-Politikerin. Sollte es auf einen
dritten Wahlgang hinauslaufen, werde die AfD vermutlich einen Kandidaten
für das Ministerpräsidentenamt aufstellen.
Als Sven Schulze im vergangenen August zum [3][Spitzenkandidaten der CDU in
Sachsen-Anhalt] wurde, wünschte er sich, dass die CDU im Mittelpunkt des
Wahlkampfs stehen solle. Zumindest in dieser Woche hat sie das geschafft.
8 Jan 2026
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(DIR) David Muschenich
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