# taz.de -- Landtagswahl in Sachsen-Anhalt: Was die AfD von der Macht fernhält
       
       > Die AfD spielt acht Monate vor der Wahl in Sachsen-Anhalt schon die
       > Siegerin. Aktuell regiert eine nervöse CDU. Doch es gibt auch Gegenwehr.
       
 (IMG) Bild: Erst Kreuzchen, dann Kippchen: Wahllokal in Wolferode, Sachsen-Anhalt, bei der Bundestagswahl 2025
       
       Fünf Bundesländer wählen in diesem Jahr ihre Landtage neu. Vor allem
       Sachsen-Anhalt steht im Fokus. Nirgendwo ist die Zustimmung für die AfD so
       hoch wie dort. [1][Ulrich Siegmund, der AfD-Spitzenkandidat], hat die
       absolute Mehrheit als Ziel gesetzt.
       
       Acht Monate vor der Wahl wirken die AfD-Anhänger:innen schon siegestrunken.
       Bundesweit glauben laut einer repräsentativen Umfrage vier von fünf
       AfD-Wähler:innen, dass ihre Partei in diesem Jahr einen Regierungschef
       stellen wird. Doch selbst in Sachsen-Anhalt gibt es einige Faktoren, die
       das verhindern könnten.
       
       Etwa 1,7 Millionen Menschen sind am 6. September wahlberechtigt. Wenige
       tausend Stimmen können da schon ein Prozent mehr oder weniger ausmachen.
       Die letzten repräsentativen Umfragen sind schon etwas her. Im Herbst gaben
       rund 40 Prozent an, sie würden ihre Stimme der AfD geben. Bei der CDU
       würden demnach weniger als 30 Prozent ihr Kreuz setzen.
       
       Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) klingt entsprechend beunruhigt. Bei
       der Wahl gehe es „um die Systemfrage“, betont er. Entweder Demokratie oder
       AfD, beides gehe nicht. Seit fast 15 Jahren ist Haseloff Landesvater. Kein
       anderer Politiker ist so bekannt und beliebt wie er. In diesem Jahr tritt
       er nicht mehr an.
       
       An der CDU-Spitze steht in diesem Jahr Sven Schulze. Der
       Wirtschaftsminister ist deutlich unbekannter. Zwar verspricht er, dass
       seine politischen Vorstellungen mit denen von Haseloff übereinstimmen. Er
       setzt auf [2][Alltagsthemen statt auf Migration, grenzt sich von der AfD
       ab], ohne ständig von ihr zu sprechen.
       
       ## AfD will absolute Mehrheit
       
       Kein Spitzenkandidat kann sich dieses Jahr also auf den Amtsbonus
       verlassen. Das ist anders als 2021. Damals lag die Union in den Umfragen
       mit der AfD gleich auf, aber bei der Wahl bekam sie 17 Prozentpunkte mehr.
       Die Sorge vor einem AfD-Sieg trieb viele Wähler:innen zur CDU. Ob ein
       solcher Sprung in der letzten Sekunde auch in diesem Jahr klappen könnte,
       ist ungewiss.
       
       Und damit kommen wir zum „Was wäre wenn“. Erreicht die AfD keine absolute
       Mehrheit, wäre Schulzes CDU für eine Regierung auf andere Parteien
       angewiesen. Wenn es so kommen würde, wie es die Umfragen andeuten, blieben
       ihm nur das BSW und die SPD mit je 6 Prozent. Die Grünen und die FDP würden
       an der 5-Prozent-Hürde scheitern. Die Linke bekäme zwar 11 Prozent, aber
       eine Koalition mit ihr ist für viele CDU-Wähler:innen und -Politiker:innen
       undenkbar. Hieße also: Regieren ohne Mehrheit, wie in Sachsen und
       Thüringen.
       
       Jede Partei weniger im Parlament bedeutet für Ulrich Siegmund und seine AfD
       einen Schritt näher an die absolute Mehrheit. Rutschen auch die SPD und das
       BSW unter die 5-Prozent-Hürde, bekäme die AfD mit 40 Prozent der Stimmen 43
       von 83 Sitzen im Landtag und damit die absolute Mehrheit.
       
       Andersherum rückt jede weitere Partei im Parlament die AfD von der
       absoluten Mehrheit weg. Schaffen es Grüne und FDP in den Landtag, bekäme
       die AfD mit angenommenen 40 Prozent nur 34 Sitze.
       
       Um die Wähler in Sachsen-Anhalt zu überzeugen, dürfe der AfD nicht der
       ländliche Raum überlassen werden, mahnt der Magdeburger
       Rechtsextremismusexperte David Begrich, zuletzt im [3][Interview beim
       Freien Radio Corax]. Die AfD sei gut darin, die öffentliche Wahrnehmung zu
       dominieren. Es gelte, dem etwas entgegenzusetzen. Überall im Land gebe es
       Protest gegen die AfD. Es sei wichtig, diesen zu unterstützen und ihm
       Aufmerksamkeit zu geben. So sieht das nicht nur Begrich. Die
       Kampagnenplattform [4][Campact sammelt Spenden], um einen
       Anti-AfD-Wahlkampf zu finanzieren und Vereine in Sachsen-Anhalt
       unterstützen.
       
       4 Jan 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Streit-in-AfD-Sachsen-Anhalt-eskaliert/!6139626
 (DIR) [2] /Neuer-CDU-Spitzenmann-in-Sachsen-Anhalt/!6126036
 (DIR) [3] https://radiocorax.de/sachsen-anhalt-afd-vor-der-macht-im-gespraech-mit-david-begrich/
 (DIR) [4] https://aktion.campact.de/rechtsextremismus/no-afd-fonds/spenden
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) David Muschenich
       
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