# taz.de -- Sven Schulze folgt Reiner Haseloff: Hohe Erwartungen, wenig Zeit
> Sven Schulze ist neuer Ministerpräsident in Sachsen-Anhalt – doch in
> sieben Monaten wird neu gewählt. Seine größte Aufgabe: einen Sieg der AfD
> verhindern.
(IMG) Bild: Magdeburg, 28. Januar: Sven Schulze (CDU) im Plenarsaal des Landtags
Die Augenbrauen nach oben gezogen, lauscht [1][Sven Schulze]. Als einziger
Kandidat hat sich der CDU-Mann gerade zur Wahl für das Amt des
Ministerpräsidenten von Sachsen-Anhalt gestellt, gut sieben Monate vor der
nächsten [2][Landtagswahl]. Nun trägt Landtagspräsident Gunnar
Schellenberger (CDU) das Ergebnis vor. Im Plenarsaal in der
Landeshauptstadt Magdeburg verstummt das Getuschel der Abgeordneten.
97 Stimmzettel wurden abgegeben, einer davon ist ungültig. Schulze nickt.
49 Stimmen braucht er. Die Koalitionsfraktionen CDU, SPD und FDP stellen
zusammen 56 Abgeordnete. „Für den Wahlvorschlag stimmten“, Schellenberger
macht eine Kunstpause, Schulze zieht die Augenbrauen noch etwas höher,
„58“. Auf Schulzes Gesicht erscheint ein Lächeln. Dann steht er auf und
nimmt den Applaus entgegen.
Im ersten Wahlgang sogar Stimmen aus der Opposition zu bekommen, das hat
nicht mal sein beliebter Vorgänger [3][Reiner Haseloff (CDU)] geschafft.
Der brauchte 2021 zwei Anläufe. Aber seitdem hat sich die politische
Situation in Sachsen-Anhalt deutlich verändert. Auf den dienstältesten
Ministerpräsidenten folgt hier jetzt der jüngste Ministerpräsident
Deutschlands. Sven Schulze ist 46 Jahre alt und die Erwartungen an ihn sind
hoch. Viel Zeit, eigene Akzente zu setzen, bleibt ihm aber nicht.
## Bewährungsprobe in sieben Monaten
In fast sieben Monaten, am 6. September, werden abends die Ergebnisse aus
Sachsen-Anhalt deutschlandweit auf Bildschirmen erscheinen. Die eigentliche
Bewährungsprobe für Schulze liegt in diesem Moment. Schon seit November ist
er Spitzenkandidat der CDU in Sachsen-Anhalt. Als Ministerpräsident soll er
nun den Amtsinhaberbonus nutzen, sich im Land bemerkbar machen und dann
verhindern, dass die AfD zum ersten Mal an einer Landesregierung beteiligt
ist.
Am Montag hat das Meinungsforschungsinstitut Insa [4][eine Umfrage
veröffentlicht, die sich kaum von den vorhergehenden Umfragen im Herbst
unterscheidet]. Die AfD führt demnach mit 39 Prozent, die CDU folgt auf dem
zweiten Platz mit 26 Prozent. Die Linke (11 Prozent), die SPD (8 Prozent)
und das BSW (6 Prozent) wären demnach ebenfalls im Landtag, FDP und Grüne
würden hingegen unter die 5-Prozent-Hürde rutschen und ausscheiden.
Bislang sitzt die FDP aber noch mit im Landtag und ist Teil der Regierung,
die Sven Schulze fortsetzen möchte. In seiner Antrittsrede am Montag
beschwor der frisch gewählte Ministerpräsident: „Es ist ein gutes Zeichen,
dass wir eine breite Mehrheit haben.“ Schon in jüngster Vergangenheit
betonte er immer wieder, wie reibungslos die Koalition miteinander arbeite.
Politisch verspricht Schulze, die Politik von Haseloff fortzusetzen. Egal
welche Aussage der Landesvater von sich gegeben habe, man könne alternativ
auch „Schulze“ davorschreiben.
## Applaus für Haseloff
Am Mittwochmorgen erscheint Haseloff als einer der ersten Abgeordneten im
Plenarsaal. Seit Mitternacht ist sein Rücktritt ganz offiziell gültig.
Seitdem ist er nur noch einfaches Mitglied des Landtags. Vor dem
Sitzungsbeginn nimmt er in der hintersten Bank der CDU-Fraktion Platz. Die
Kameras richten sich trotzdem erst mal auf ihn.
Als der Landtagspräsident zum Abschied in einer Rede Haseloffs Erfolge
lobt, bekommt der ehemalige Ministerpräsident stehenden Applaus. Selbst die
Fraktionen der Grünen und Linken zollen ihm diesen Respekt. Nur bei der AfD
rühren sich die Abgeordneten nicht.
Anfang der Woche hat die AfD in Sachsen-Anhalt ihr Wahlprogramm
vorgestellt. Darin warnt die Partei vor einer „Diktatur der Altparteien“,
kündigt eine „Task Force Abschiebungen“ an und erklärt, Vereine müssten zur
Förderung eine „patriotische Grundhaltung“ aufweisen.
## Chefsache Wirtschaft und Arbeitsplätze
Woher die zwei zusätzlichen Stimmen für den Ministerpräsidenten Schulze
kamen, das bleibt wohl vorerst ungeklärt. Aus den drei
Oppositionsfraktionen hieß es jeweils, sie seien nicht von ihnen.
Nach seiner Wahl am Mittwoch ernannte Ministerpräsident Schulze sein
Kabinett. Der Posten des Wirtschaftsministers, den er zuvor selbst
innehatte, blieb unbesetzt. Der [5][Finanzminister Michael Richter (CDU)]
soll die Aufgaben dort übernehmen. [6][Eva von Angern, Fraktionsvorsitzende
der Linken], kritisiert das. Die Chemieindustrie in Sachsen-Anhalt sei in
großen Schwierigkeiten, der Mittelstand leide unter Fachkräftemangel und in
Sachsen-Anhalt gebe es steigende Insolvenzen. „Ein Wirtschaftsminister
hätte noch Aufgaben“, sagte von Angern am Rande des Parlaments der taz.
Sven Schulze erklärte in seiner Antrittsrede im Landtag, Wirtschaftskraft
und Arbeitsplätze seien „Chefsache“. Dabei baue er auf die Unterstützung
aller Fraktionen. Ob er die im Wahlkampf bekommt, bleibt abzuwarten.
28 Jan 2026
## LINKS
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(DIR) [4] https://www.wahlrecht.de/umfragen/landtage/sachsen-anhalt.htm
(DIR) [5] https://www.politik-kommunikation.de/personalwechsel/richter-ist-sachsen-anhalts-neuer-finanzminister/
(DIR) [6] /Linken-Politikerin-ueber-Rundfunkbeitrag-in-Sachsen-Anhalt/!5731930
## AUTOREN
(DIR) David Muschenich
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