# taz.de -- Widerstand gegen EU-Handelsvertrag: Unverantwortlicher Protest gegen das Mercosur-Abkommen
> Spätestens seit der US-Intervention in Venezuela ist klar: Die EU muss
> ihre Position auch durch den Handelsvertrag stärken. Die Einwände sind
> schwach.
(IMG) Bild: Vor allem Brasilien als Verbündeten erhalten: Ursula von der Leyen und Brasiliens Präsident Lula da Silva im Juni 2023
Mittlerweile ist der Widerstand gegen das Handelsabkommen der EU mit vier
Staaten der südamerikanischen [1][Mercosur]-Gruppe unverantwortlich.
Spätestens seit US-Präsident Donald Trump in Venezuela besonders
unverfroren das Völkerrecht gebrochen hat und erneut mit der Annexion
Grönlands gedroht hat, ist klar: Die Europäische Union muss stärker werden,
um sich im Zweifel auch in Konkurrenz zu den USA durchzusetzen. Dazu kann
das Mercosur-Abkommen beitragen.
Wenn die EU ihren Handel mit Argentinien, Brasilien, Paraguay und Uruguay
ausbaut, bindet sie diese Staaten enger an sich. Das könnte Abhängigkeiten
der Europäer von China und den Vereinigten Staaten reduzieren. Die EU muss
sich vor allem Brasilien als Verbündeten auf der Weltbühne erhalten. Würden
die Europäer das Abkommen nach mehr als 25 Jahren Verhandlung nun scheitern
lassen, wäre das ein Affront gegen die südamerikanischen Partner.
Nicht zuletzt braucht die EU den Vertrag auch, um sich wirtschaftlich zu
behaupten. Die deutsche Wirtschaft zum Beispiel stagniert seit Jahren, die
Arbeitslosigkeit nimmt zu. Trumps willkürliche Zölle haben gezeigt, wie
verwundbar die vom Export abhängige Industrie ist. Da kann es sich die EU
nicht leisten, auf ein Abkommen zu verzichten, das wegen des Abbaus von
Zöllen für die Industrie ihr Bruttoinlandsprodukt Modellrechnungen zufolge
steigern würde.
Am lautesten protestieren einige Bauern gegen das Abkommen. Tatsächlich
schadet es der Landwirtschaft der EU kaum. In wenigen Bereichen wie
Geflügelfleisch würde es die Erzeugung lediglich minimal senken, [2][wie
Wissenschaftler kalkuliert haben]. Das ist ein sehr kleiner Preis im
Vergleich zum politischen und gesamtwirtschaftlichen Nutzen.
## Kaum Gefahr für den Regenwald
Es stimmt, dass die EU wegen des Mercosur-Abkommens mehr Pestizide
exportieren könnte, die hierzulande wegen Gesundheitsrisiken untersagt
sind. Aber dieses Problem sollten die Europäer besser durch ein Verbot
solcher Ausfuhren lösen, statt das große Ganze aus den Augen zu verlieren.
Falsch ist, dass das Abkommen nur Konzernen nützen würde. [3][Die Mehrheit]
der deutschen Exporteure sind kleine Unternehmen. Und auch die Auswirkungen
auf den brasilianischen Regenwald oder Indigene werden gering sein, da die
Mercosur-Staaten ihre Produktion von Rindfleisch und Ölsaaten wie Soja
infolge des Vertrags ebenfalls nur in sehr überschaubarem Ausmaß erhöhen
werden.
8 Jan 2026
## LINKS
(DIR) [1] /Mercosur/!t5295520
(DIR) [2] /Handelsabkommen-mit-Suedamerika-Staaten/!6143715
(DIR) [3] https://policy.trade.ec.europa.eu/eu-trade-relationships-country-and-region/countries-and-regions/mercosur/eu-mercosur-agreement/factsheet-eu-mercosur-partnership-agreement-germany_en?prefLang=de
## AUTOREN
(DIR) Jost Maurin
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